Die Coburger Sportvereine können mit mehr Geld von der Stadt rechnen. Am Freitag stimmte der Sportbeirat einhellig zwei Anträgen zu, die zum einen deutlich höhere Zuschüsse für die Jugendlichen in einem Sportverein zur Verfügung stellen, zum anderen mehr Geld für den Unterhalt der vereinseigenen Sportanlagen und deren Betriebskosten gewähren sowie schließlich den Spitzensport Coburger Vereine mit 80 000 Euro jährlich fördern. Folgt der Finanzsenat der Empfehlung des Sportbeirates, wird sich die Sportförderung von bislang 175000 Euro im Jahr um 267000 Euro auf dann 442 000 Euro erhöhen.

Im November vergangenen Jahres hatte Jürgen Oehm für die Fraktion der CSU/Junge Coburger gefordert, die eingefrorenen Leistungen für Mannschafts- und Individualsport wieder anzuheben. Wegen der Haushaltskonsolidierung war die Förderung eingestellt worden. Oehm hatte damals argumentiert, dass Leistungssport im Jugendbereich "sehr hohe Kosten" nach sich ziehe. Gute Jugendarbeit und leistungsbezogener Sport benötigten eine umfangreiche Basisarbeit mit qualifizierten Trainern und angemessenen Sportstätten. "Die Unterstützung junger Sportler ist eine Investition in die Zukunft", so Jürgen Oehm.

Ebenfalls mit der "Anpassung der Sportförderung" beschäftigt sich ein Antrag von Peter Kammerscheid (Wählergemeinschaft Pro Coburg) vom 2. Dezember des letzten Jahres. Neben der höheren Jugendförderung sollten die Pauschalen für die vereinseigenen Sportanlagen um das 1,5-Fache erhöht werden, ebenso die Zuschüsse für die Betriebskosten (Energie und Wasser). Nach dem Antrag von Pro Coburg wird die Jugendförderung der Stadt auf 40 Euro pro Jahr und jugendlichem Mitglied steigen. Bislang beträgt diese Unterstützung zwischen zwei und 4,50 Euro.

Sportamtsleiter Eberhard Fröbel legte am Freitagvormittag im Saal des Rathauses eine detaillierte Information vor. Schon vor den beiden Anträgen hatten Sportvereine und Sportstadtverband "klare Forderungen formuliert", heißt es da. Seit der Konsolidierung des Coburger Stadthaushaltes, die im Jahr 2010 begann, "gingen dem Sport jedes Jahr rund eine halbe Millionen Euro verloren".

Das ist wenig

Nach Angaben des Bayerischen Landessportverbandes (BLSV) seien 2019 exakt 5037 Jugendliche in den Sportvereinen gezählt worden. Ein Verein mit 50 Jugendlichen bekomme zwischen zwei und 4,50 Euro pro Jugendlichem und Jahr, was einen Zuschuss zwischen 100 und 225 Euro bedeute. "Da kann man nicht von einer nachhaltigen Förderung sprechen", ist in dem Papier der Verwaltung zu lesen. Bei 40 Euro pro jugendlichem Mitglied sind das 2000 Euro im Jahr, "das reicht bei Weitem nicht aus, die Kosten zu decken, es wäre aber eine angemessene Erhöhung mit Augenmaß".

Als ein "Zeichen der Wertschätzung" sieht das Sportamt einen höheren Zuschuss zum Unterhalt der vereinseigenen Sportstätten. Bislang zahlt die Stadt pauschal 2000 Euro, hat ein Verein mehr als eine Sportanlage, sind es 2700 Euro, Fußball-Spielfelder unterstützt Coburg mit 2000 Euro.

Die Masse der Sportanlagen in Coburg besitzen und unterhalten die Vereine - mitunter mehr schlecht als recht. In der Zukunft müsse man die Sportanlagen der Vereine bewerten, war sich der Beirat einig. Denn der Sanierungsbedarf dort werde ansteigen, sagte Stadtrat Christian Müller voraus. Und Jürgen Heeb ergänzte: "Wir werden zusammen mit den Vereinen überlegen müssen, wo welche Sportanlagen Sinn machen."

Die historische Angersporthalle im Besitz der Stadt war nach Darstellung Fröbels bislang nicht nutzbar, werde aber nach der Sanierung ab September wieder zur Verfügung stehen. Das Umkleidegebäude am Ketschenanger sei nicht mehr brauchbar. "Die Stadt Coburg ist vorbildlich, was qualitativ gute Sportinfrastruktur angeht", so das Fazit.

Oberbürgermeister Dominik Sauerteig (SPD) wies auf die Signalwirkung der Empfehlung hin. Er berichtete von einem Schreiben der bayerischen Staatsregierung, wonach wegen der Corona-Pandemie die Städte auf weitere freiwillige Leistungen - und das ist die Sportförderung - verzichten sollten. Umschichtungen im Haushalt sollten aber die Sportförderung wieder ermöglichen.

Reaktionen:

Jürgen Rückert (Bayerischer Landessportverband): "Es ist gut, wenn auch der Breitensport mit Hilfen in die Infrastruktur gefördert wird. Nicht nur Handball, Fußball oder Basketball machen den Namen Coburgs bekannt. Beim Kanupolo, Billard, Tanzsport, Indoor-Modellflug und Sportschießen sind Sportler in den höchsten Ligen vertreten und haben nationale sowie internationale Titel errungen. Die parteiübergreifende Zustimmung ist gut für den Sport. Jugendförderung, auch im Sport, ist eine Pflichtaufgabe der Kommunen."

Roland Eibl (Stadtrat und Präsident des TSV Scheuerfeld): "Über die allgemeine positive Grundstimmung im Sportbeirat zugunsten der Vereine kann man sich nur freuen. Die nun empfohlene Unterstützung ist keine neue freiwillige Leistung der Stadt, sondern wird nur wieder aufgenommen."

Marcus Seiler (Schatzmeister FC Coburg): "Bei einem Anteil von 75 Prozent der Mitglieder im jugendlichen Alter ist die Empfehlung des Sportbeirates nur zu begrüßen. Der FC Coburg investiert immens viel in die Nachwuchsarbeit, mehr als 20 lizenzierte Übungsleiter sind bei uns im Jugendbereich eingesetzt."

Norbert Kastner (Vorsitzender des TVK Ketschendorf, Alt-OB und einstiger Sportreferent): "Das ist ein Supersignal für die Vereine, deren Leistung auch gesellschaftspolitisch damit anerkannt wird. Jugendarbeit in den Sportvereinen bildet die Kinder auch charakterlich."

Jürgen Heeb (Stadtrat und Vorsitzender des Coburger Sportstadtverbandes): "In den vergangenen Jahren sind erhebliche Einsparungen beim Sport erfolgt. Ich hoffe, dass die nun empfohlene Förderung schnell den Finanzsenat passieren und noch in diesem Jahr kassenwirksam wird, da auch die Vereine von der Corona-Pandemie betroffen sind."