Eine verzauberte Prinzessin, ein verliebter Prinz und jede Menge bezaubernd schöner Melodien - dieses Ballett besitzt alles, was einen Kassen-Schlager kennzeichnet.

Dennoch wurde Piotr Tschaikowskys "Schwanensee" keineswegs von Anfang an zum Welterfolg. Die Uraufführung geriet vielmehr wenig triumphal. Heute freilich zählt das Werk zu den gefragtesten Balletten weltweit und findet immer wieder seine Fans- auch beim Gastspiel des Russischen Nationalballetts im gut besuchten Coburger Kongresshaus.

Farbenfrohe Kostüme

Für Freunde des klassischen Balletts ist dieser Abend ein Fest. Spitzentanz auf hohem Niveau und opulente, farbenfrohe, prägnant charakterisierende Kostüme ergänzen sich, verbunden mit hoher Präzision und großer Ausdruckskraft in der Darstellung.

Große Genauigkeit

Eigentlich ist die Bühne im Kongresshaus Rosengarten in Coburg viel zu klein für ein großes Handlungs-Ballett wie "Schwanensee". Erstaunlich, wie es den Tänzerinnen und Tänzern dennoch gelingt, dieses Handicap durch große Genauigkeit in den Abläufen zu überwinden. Aus dem homogenen Corps de Ballet ragen einige Solisten nachdrücklich heraus. Beeindruckend: Olga Pavlova in ihrer Doppelrolle als Odette und Odile und Phillip Paskhachev als Prinz Siegfried, dazu Ediiar Marat Uulu als Hofnarr und Albert Salimov als böser Zauberer.

Musik aus der Tonkonserve

Auch der Umstand, dass die Musik aus der Tonkonserve ertönt, schmälert für das Publikum ganz offenkundig nicht das Vergnügen. Schließlich setzt auch eine sorgfältig differenzierte Lichtregie effektvolle Akzente.

Wie schon beim "Schwanensee"-Gastspiel des Russischen Staatstheaters Komi im Dezember 2015 an gleicher Stelle war das Bühnenbild gut angepasst an die Erfordernisse einer Tournee-Produktion - schlicht in den äußeren Mitteln, aber zweckdienlich und geschmackvoll. Dazu erlebt das applausfreudige Publikum eine sorgfältige Einstudierung auf den Spuren der stilprägenden Choreografien von Marius Petipa und Lew Iwanow.

Begeisterter und ausdauernder Beifall.

Rund um Tschaikowskys Ballett "Schwanensee"

Hintergrund "Schwanensee" mit der Musik von Pjort Iljitsch Tschaikowsky zählt zu den populärsten Balletten weltweit. Bei der Uraufführung 1877 am Moskauer Bolschoi-Theater aber wurde das Ballett nicht zum Erfolg - zeitgenössischen Berichten zufolge wegen unzulänglicher tänzerischer Leistungen und unzulänglicher Ausstattung. Die bis heute maßgebliche Inszenierung wurde am 17. Februar/15. Januar 1895 am Mariinski-Theater in Sankt Petersburg aufgeführt. Die Choreografie stammte von Marius Petipa und Lew Iwanow.