Wer am Dienstag im Bereich Steingasse/Untere Anlage unterwegs ist, sollte die Augen aufhalten. Sprayer Alex will dort im Laufe des Tages eine ganz besondere Wanderausstellung aufbauen: Coburger Senioren haben unter seiner Anleitung die Spraydosen in die Hand genommen und mit vereinten Kräften ein großformatiges vierteiliges Luther-Graffito gesprayt. Es symbolisiert die vier Soli Luthers, sozusagen die "Basics" der Reformation (Sola Fide, Sola Gratia, Solus Christus und Sola Scritura).
"Schuld" an der Aktion war eigentlich ein Luther-Graffito am Erfurter Dom. Patricia Goldbach-Keim, Fundraiserin des evangelischen Dekanats Coburg, entdeckte es bei einem Besuch und fand es nicht besonders gelungen. "Ich dachte, das können wir besser", erzählt sie schmunzelnd bei der Präsentation der Graffiti-Tafeln am Montag. Gemeinsam mit ihrer Kollegin Sabine Mahl, die für die Seniorenarbeit im Dekanat zuständig ist, überlegte Patricia Goldbach-Keim, wie man das Thema Luther in Graffiti-Form aufarbeiten könnte. Nachdem genügend Teilnehmer - Senioren aus der Stadt, dem Landkreis und dem Altenheim am Schießstand - gefunden waren, brachten ihnen Alex und ein Kollege im Mai vergangenen Jahres zunächst die Grundlagen des Sprayens bei. Dabei durften die Senioren auch selbst zur Farbdose greifen und konnten mit Hilfe von Schablonen ihren eigenen Luther sprayen. Auf Youtube gibt es davon sogar ein Video - einfach "Senioren sprayen Luther" in die Suchmaske eingeben.
Die vier großformatigen Buchstaben, die das Wort "Sola" bilden, entstanden allerdings freihändig. Gar nicht so einfach, wie Harry Jahnke und Emmeline Dittmer berichten, die sich selbst als Graffiti-Künstler betätigt haben. "Mal drückt man zu wenig, dann wieder zu viel, dann läuft die Farbe", erzählt Jahnke. Aber Spaß hatten die Senioren auf jeden Fall. Jahnke, der gelernter Konditor ist, will nun sogar eine Luther-Torte kreieren - selbstverständlich mit aufgesprühtem Luther-Antlitz.


Wer will selbst sprayen?

Die auf Holzrahmen gespannten Leinwände hatte Sprayer Alex vorbereitet. Dann waren die Senioren an der Reihe. Mit seinen Schülern ist Alex zufrieden. "Ich musste am Schluss nur noch ein bisschen die eine oder andere Linie retten", verrät er lachend.
Wer sich selbst als Sprayer versuchen möchte, kann das am 20. Juni (14 bis 17 Uhr) oder am 1. August (10 bis 13 Uhr) tun. Vor dem Dekanat in der Pfarrgasse gibt es dann öffentliche Mitspray-Aktionen, unter anderem mit der Luther-Schablone. Wie das aussieht, ist übrigens derzeit am Marschberg zu sehen. Alex durfte dort eine städtische Betonwand mit Luther-Köpfen verzieren, um auf die Aktion aufmerksam zu machen.
Die Ausstellung selbst soll bis November durch Coburg wandern. "Die Coburger dürfen gespannt sein, wo sie überall gezeigt wird", sagt Patricia Goldbach-Keim. Die letzte Station wird auf jeden Fall beim Kongresshaus sein, denn dort findet am 31. Oktober als Abschlussveranstaltung zum Reformationsjubiläum der oberfränkische Kreiskirchentag statt.


Spenden für einen Kalender

Um die ganze Graffiti-Aktion nach Abschluss in einem Kalender dokumentieren zu können, bitten die Initiatoren um Spenden: IBAN: DE20 7835 0000 0092 2335 68, Stichwort: "Senioren sprayen".