Der Landkreis wird in diesem Jahr seine Kreisumlage - das Geld, das die Gemeinden an ihn zahlen müssen - voraussichtlich um 2,5 von 45 auf 42,5 Prozentpunkte senken. Das ist das Ergebnis der gestrigen Haushaltsvorberatungen im Kreis- und Strategieausschuss, die endgültige Entscheidung über die Höhe der Kreisumlage wird dann kommenden Donnerstag im Kreistag fallen.
Noch einmal groß bei wichtigen Projekten streichen oder schieben musste Kreiskämmerer Manfred Schilling gestern nicht mehr, um den Wunsch des Kreisausschusses zu erfüllen. 43 Prozentpunkte hatte die Landkreisverwaltung vorgeschlagen, der fehlende halbe Prozentpunkt wurde durch eine Verschiebung im Bereich der freiwilligen Leistungen heraus geholt. Dort standen noch 400 000 Euro Zuschuss für den Bau eines Hospizes in Coburg.
Eine Summe, die mit größter Wahrscheinlichkeit nicht abgerufen wird, weil der Hospizverein in seinen Planungen noch nicht so weit ist, um das Projekt noch heuer komplett zu verwirklichen.
Landrat Michael Busch (SPD) betonte allerdings ausdrücklich - und damit sprach er wohl für den gesamten Ausschuss -, dass die Verschiebung des Zuschusses in das kommende Jahr die Verwirklichung des Hospizes "auf keinen Fall in Frage stellen soll". Allerdings sei es auch so, dass in der Landkreisverwaltung derzeit keinerlei Informationen vorliegen, die auf einen Bau des Hospizes noch in diesem Jahr hindeuten.


CO 13: Höherer Zuschuss?

Leicht tut sich der Landkreis zudem mit der Verschiebung eines zweiten Projektes: dem Ausbau der CO 19 zwischen Neundorf und Dietersdorf. Die Straße soll möglichst bald an die Stadt Seßlach abgegeben werden. Allerdings würden die Seßlacher die Baulast für den kurzen Abschnitt nur übernehmen, wenn die CO  19 vom Kreis noch in einen guten baulichen Zustand versetzt wird. 400 000 Euro würde das wohl kosten. Weil die Kreisstraße aber bis in den Herbst hinein aufgrund der Vollsperrung der Bundesstraße 303 als wichtige Umleitung gebraucht wird, kann sie der Landkreis wohl heuer sowieso nicht ausbauen. Dieser Terminplan war auch dem Seßlacher Bürgermeister, Martin Mittag (CSU), sehr wichtig: Nur so könne man größeres Chaos durch Sperrung der Bundesstraße auf Höhe der Oberelldorfer Ortsdurchfahrt verhindern.
Wünschen, die Kreisumlage vielleicht noch ein bisschen weiter zu senken, erteilte der Landrat eine klare Absage. Busch verwies dabei auf die Verpflichtung des Landkreises, Schulden abzubauen und seinen Haushalt zu konsolidieren. Nur deshalb bekommt der Landkreis Stabilisierungsbeihilfen (Sonderzuschüsse des Freistaates Bayern), für die eine niedrige Kreisumlage ein denkbar schlechtes Signal wäre.
Wie Busch und Kämmerer Schilling andeuteten, könnten sich Stabilisierungsbeihilfen bei einem Landkreisprojekt ganz besonders auswirken: dem Neubau der Ebersdorfer Umgehung für die Kreisstraße CO 13. 22 Millionen Euro stehen für die größte Straßenbaumaßnahme in der Geschichte des Landkreises Coburg im Investitionsplan - da wäre es schon ein gewaltiger Unterschied, ob sich der Freistaat Bayern mit den normal üblichen 70 Prozent oder mit 90 Prozent (wenn der Freistaat den Konsolidierungswillen des Landkreises anerkennt) an den Baukosten beteiligt.


Die Schulden werden steigen

Chancen auf einen hohen Zuschuss scheint es jedenfalls zu geben. Zumindest berichtete der Landrat von Gesprächen mit der Regierung von Oberfranken. Zum aktuellen Stand bei der Ebersdorfer Umgehung teilte Manfred Schilling mit, dass die Pläne des Landkreises derzeit zur fachlichen Prüfung bei den Baubehörden liegen. Kommt von dort grünes Licht, wollen Schilling und Bauamtsleiter Jürgen Alt umgehend persönlich zur Regierung nach Bayreuth fahren und dort den Neubau der CO 13 zur Bezuschussung einreichen. Schilling hofft, dass es dabei in persönlichen Gesprächen gelingen kann, einen möglichst hohen Finanzierungsanteil des Freistaates zu erreichen.
Weil die Entlastung des diesjährigen Kreishaushalts überwiegend auf der Verschiebung zahlreicher Projekte in kommende Jahre basiert, hob Manfred Schilling beim Blick in die Zukunft warnend den Zeigefinger: Würde der Landkreis alle anstehenden Investitionen wie geplant tätigen, könnte die Verschuldung gewaltig steigen: Von rund 37 Millionen Euro in diesem Jahr auf 41,5 Millionen Euro im Jahr 2019.