Lässt sich das Unplanbare planen? Natürlich nicht. Coburgs Intendant Bernhard F. Loges muss aber genau das versuchen: das Unplanbare zu planen. Denn in Zeiten der Corona-Pandemie ist der Versuch, einen Theaterspielplan zu entwerfen, genau das.

Viele Fragezeichen

Der Spielplan, den Loges am Mittwoch auf der fast leeren Bühne des Landestheaters vorstellte, ist ein Spielplan, in dem neben Premieren, Stück-Titeln und Regie-Namen sehr viele (unsichtbare) Fragezeichen stehen. Der Spielplan 2020/2021 ist ein Spielplan im Konjunktiv - so könnte die Saison werden, wenn denn tatsächlich ab Herbst wieder gespielt und zuvor natürlich geprobt werden darf.

Entscheidung über das Globe

Die Präsentation des Spielplans ausnahmsweise nicht im Spiegelsaal, sondern auf der leeren Bühne gehorchte nicht nur den derzeit gültigen Regeln in Sachen Abstandswahrung, sondern stand auch personell unter besonderen Vorzeichen.

Denn erstmals war dabei auch Coburgs künftiger Generalmusikdirektor Daniel Carter vertreten, der sein Amt offiziell im Februar 2021 antreten wird. Gemeinsam mit den Spartendirektoren Matthias Straub (Schauspiel) und Mark McClain (Ballett) sowie Fritz Frömming (Kaufmännischer Direktor) stellte Loges jenen Plan vor, der seine dritte Spielzeit im Haus am Schlossplatz prägen soll.

Coburgs neuer Oberbürgermeister Dominik Sauerteig bedauerte dabei in seinem begrüßenden Statement, dass die Theaterszene in Zeiten der Corona-Krise von der Politik auf Bundes- und Landesebene nach wie vor keine Perspektive gezeigt bekomme.

"Ohne Kultur fehlten den Menschen Geschichten, die auch Hoffnung schenken können", sagte Sauerteig. Mit Blick auf die Ende Mai anstehende endgültige Entscheidung zum Thema Interimsspielstätte namens Globe versicherte er: "Diese Entscheidung ist auf meiner Prioritätenliste sehr weit oben angesiedelt."

Vieles im neuen Spielplan ist mit Vorbehalt formuliert. Die Corona-Krise hat in vielerlei Hinsicht Spuren hinterlassen - bis hin zu Stücktiteln, die unmittelbar Bezug nehmen auf das drastisch veränderte öffentliche Leben. "Einsamkeit & Nähe" lautet der Arbeitstitel eines Ballett-Abends, den Ballettdirektor Mark McClain, Ballettmeisterin Tara Yipp und Gast-Choreografin Wubkje Kuindersma auf die Bühne bringen wollen.

Das Zauberwort bei der Planung in eigentlich nicht planbaren Zeiten lautet "flexible Module". Damit sollen Stücke bei Bedarf in der Länge ebenso angepasst werden können wie beispielsweise Konzerte in der Besetzung des Orchesters.

Kleine Besetzungen

Ganz bewusst sind die ersten Premieren im Großen Haus in kleiner Besetzung konzipiert - darunter gleich zwei Übernahmen von Reithallen-Produktionen aus der aktuellen Saison. Der Sinatra-Abend "Fly me to the Moon" wird ebenso ins Landestheater transferiert wie die Kammeroper "Das Tagebuch der Anne Frank".

"Alle Künstler brennen darauf, hier wieder spielen zu dürfen", sagte Loges. Die vielen Fragezeichen, die dem Spielplan in Corona-Zeiten eingeschrieben sind, finden sich auch in den Planungen der Konzertsaison.

Die ersten Sinfoniekonzerte im Herbst sind jedenfalls ausdrücklich mit dem Vermerk "Werke in kleinen Besetzungen" versehen. "Wir hatten einen schönen Plan - jetzt müssen wir alles umstellen", sagte Coburgs junger neuer GMD Daniel Carter, der sich zugleich optimistisch zeigte, auf wechselnde Vorgaben rasch und flexibel reagieren zu können.

Viele Produktionen in der Saison 2020/2021 sind als Wiederaufnahmen aus dieser Spielzeit deklariert oder Produktionen, die bereits in diesem Jahr geplant waren, jedoch wegen der Corona-Krise nicht auf die Bühne kamen. Das betrifft in der nächsten Saison fast sämtliche Musiktheater-Produktionen - von Händels "Alcina" über Donizettis "Lucia die Lammermoor" bis zu Martinus "Die griechische Passion". Hinzu kommt Mozarts Oper "Cosi Fan tutte" und Emmerich Kálmáns "Gräfin Mariza". Mit einem Jahr Verspätung soll zudem Mark McClains Ballett "Der Glöckner von Notre-Dame" doch noch Premiere feiern.

Nach dem Erstauflage vor einem Jahr sollen die Sommerfestspiele im Hofgarten 2021 ihre Fortsetzung finden. Auf dem Programm: "Die drei Musketiere" dazu die Ballett-Produktionen "Die vier Jahreszeiten" und ein Serenadenkonzert.

Als Familienstück zur Weihnachtszeit ist "Der kleine Lord" geplant.

Einen Kommentar zur aktuellen Situation am Landestheater Coburg finden Sie hier

Premieren, Wiederaufnahmen und neue Namen im Landestheater Coburg

Großes Haus bis Dezember

"Fly me to the Moon" - WA

Hild/Straub "Globe Songs Episode I"

Frid "Das Tagebuch der Anne Frank - WA

Fo "Bezahlt wird nicht!"

Kuindersma, Yipp, McClain "Einsamkeit & Nähe"

Burnett "Der kleine Lord"

Händel "Alcina"

Mozart "Cosi fan tutte"

Großes Haus Januar bis Juli

Kálmán "Gräfin Mariza"

Fister "Die Prinzessin auf der Kürbis" - WA

Vinterberg/Rukov "Das Fest"

Shakespeare "Hamlet"

Wagner "Die Walküre"

McClain "Der Glöckner von Notre-Dame"

"Futur III"

Martinu "Griechische Passion"

Donizetti "Lucia di Lammermoor"

Reithalle

Delaporte/Patallière "Das Abschiedsdinner"

Petras/Akin "Aus dem Nichts"

Massini "IchglaubeaneineneinzigenGott.Hass"

Holland/Friedman "Alles Liebe, Linda - Das Leben der Mrs. Cole Porter"

Raschke "Was das Nashorn sah, als es auf die andere Seite des Zauns schaute"

Konzerte des Landestheaters Coburg in der Saison 2020/2021

- sieben Sinfoniekonzerte

- fünf Kammerkonzerte

- Klassik-open-Air im Rosengarten

- Klassik-Open-Air im Rosengarten

Neue im Ensemble des Landestheaters Coburg ab der Spielzeit 2020/2021

Daniel Carison - Bariton

Ana Baigorri Cortes - Tänzerin

Guilherme Carola - Tänzer

Rannveig Karadottir - Sopran

Josephine Mayer - Schauspielerin

Yuriya Nakahata - Tänzerin

Marina Schmitz - Schauspielerin