Coburg
Interview

Kunstsammlungen Coburg: kreativ der Krise getrotzt

Wie die Coburger Kunstsammlungen trotz Corona-Krise ein facettenreiches Ausstellungsprogramm umsetzen konnten und welche Erwartungen mit dem Blick ins neue Jahr verknüpft sind.
Maske auf: Luther-Skulptur vor dem Museums-Shop der Coburger Kunstsammlungen auf der Veste.Foto: Jochen Berger
Maske auf: Luther-Skulptur vor dem Museums-Shop der Coburger Kunstsammlungen auf der Veste.Foto: Jochen Berger

Im Rückblick ist das Jahr 2021 für die Kunstsammlungen Coburg ein Veranstaltungsjahr voller Kontraste und Hindernisse - auf der Veste wie im Glasmuseum. Nach langen Lockdown-Monaten erlebte die Veste beträchtliches Publikumsinteresse beim Re-Start im Sommer. Nach dem rapiden Anstieg der Inzidenzwerte im Herbst aber ging das Publikumsinteresse wieder sehr deutlich zurück. Welche Erfahrungen er im zweiten Corona-Jahr auch mit neuen digitalen Formaten gesammelt hat, erklärt Sven Hauschke, Direktor der Kunstsammlungen, im bilanzierenden Interview.

Nach dem ersten Corona-Jahr hatten viele Kultur-Veranstalter die Hoffnung, dass 2021 auch unter den Vorzeichen des Impfens relativ bald wieder einigermaßen normal werden könnte. Wie enttäuscht sind Sie, dass diese Hoffnung nicht erfüllt wurden?

Sven Hauschke: In der Tat hatte ich im Sommer die Hoffnung, dass aufgrund der anfänglich schnell fortschreitenden Impfaktivitäten zum Herbst hin wieder halbwegs Normalbetrieb herrschen würde. Dass es nun so anders kam, ist eine gewisse Enttäuschung gewesen, hat aber im Grunde an unseren Planungen für den Herbst und Winter nichts geändert. Abgesehen von wenigen Führungen und Sonderveranstaltungen, die wir absagen mussten, konnten wir unser Museumsangebot weitgehend umsetzen. So fand im Oktober die regionale Museumsnacht im Glasmuseum ebenso statt wie der dortige Workshop mit vier international tätigen Glasgraveuren.

Nach dem (vorläufigen) Ende des Lockdowns im Sommer verzeichneten die Kunstsammlungen und das Glasmuseum in den ersten Monaten beachtliches Interesse beim Publikum - allen weiterhin bestehenden Einschränkungen um Trotz. Unter den Vorzeichen von 2G plus haben Sie inzwischen jedoch die im Winterhalbjahr sowieso verkürzten Öffnungszeiten nochmals drastisch eingeschränkt. Wie fällt Ihre Bilanz insgesamt aus?

Mit unserem traditionellen Wechsel auf reduzierte Öffnungszeiten nach den bayerischen Herbstferien Anfang November verspüren wir in den Wintermonaten immer einen deutlichen Besucherrückgang. Dies ist in diesem Jahr ebenfalls der Fall gewesen und hat sich mit der 2G plus-Regel noch deutlich verstärkt. Diese Einschränkungen fallen aber in unsere schwächsten Besuchermonate. Insgesamt sind wir auch in 2021 relativ gut durch die Corona-Krise gekommen, was vor allem an dem großen Zuspruch von Einzelreisenden und Familien lag. Diese Besuchergruppen waren sehr stark vertreten, während größere Reisegruppen und auch ausländische Touristen weitgehend ausblieben.

Die Aura des Originals ist durch Online-Angebote nicht wirklich zu ersetzen. Dennoch haben auch die Kunstsammlungen diverse Online-Formate erprobt. Wie waren die Erfahrungen? Was könnte auch nach Corona-Zeiten das Angebot ergänzen?

Wir sehen unsere Online-Angebote als niederschwellige Ergänzung zu unserem vielfältigen, in der Regel auf Präsenz ausgerichteten Museumsprogramm an. Begleitend zu der sehr erfolgreichen Studio-Ausstellung zum Porträt der Fortunata Segadori fanden erstmals mehrere Vorträge als Online-Veranstaltung statt. Hierzu hatten sich teilweise über 60 Personen aus ganz Deutschland und auch den Vereinigten Staaten von Amerika zugeschaltet. Derart viele Teilnehmer hätten wir vermutlich nie in die Große Hofstube der Veste Coburg locken können. Und wir konnten im Anschluss an die Vorträge eine sehr rege und intensive Diskussion feststellen, was bei Präsenzvorträgen nicht immer der Fall ist. Auch zur Cranach-Ausstellung gab es gut besuchte Online-Vorträge. Über den Winter verteilt werden wir mehrere virtuelle Vorträge mit Einblicken in aktuelle Projekte wie den Coburger Glaspreis 2022 (19. Januar) und eine Studio-Ausstellung zu Herzogin Alexandrine von Sachsen-Coburg und Gotha (24. Februar) anbieten.

Wie lassen sich die Einnahmeverluste 2021 im Vergleich zu einem Nicht-Corona-Jahr wie zum Beispiel 2019 bilanzieren?

Aufgrund der zurückgegangenen Besucherzahlen gab es natürlich deutliche Mindereinnahmen. Allerdings standen dem auch Kosteneinsparungen aufgrund der Schließzeiten während des Lockdown gegenüber. Konkrete Zahlen können wir noch nicht benennen, da sie noch nicht genau vorliegen. Grob geschätzt werden die Einsparungen vermutlich einen Großteil der Mindereinnahmen auffangen, so dass wir zuversichtlich auf das kommende Jahr blicken können und nicht mit einer finanziellen Hypothek starten müssen.

2022 wird auf der Veste wie im Glasmuseum im Zeichen des 5. Coburger Glaspreises stehen. Welche Erwartungen verbinden Sie mit der Ausstellung ab April 2022? Wieviel Platz bleibt daneben für weitere Angebote?

Nach acht Jahren können wir wieder einen hochaktuellen Überblick über die internationale Kunst aus Glas zeigen. Knapp hundert Objekte werden auf ganz vielfältige Weise die Bedeutung der modernen Kunst für die Gesellschaft demonstrieren. Insbesondere vor dem Hintergrund der extrem schwierigen Zeit für Kunstschaffende ist bei den Künstlern die Resonanz und Freude sehr groß, an der Ausstellung teilnehmen zu können. Der Coburger Glaspreis 2022 wird einen wichtigen Akzent setzen und auch innerhalb des von den Vereinten Nationen ausgerufenen "International Year of Glass 2022" sicher viel Aufmerksamkeit erzielen. Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir im Frühjahr Corona hinter uns lassen und ich freue mich ungemein darauf, ab dem 10. April 2022 unserem Publikum ein absolutes Highlight mit Kunst aus Glas auf höchstem internationalem Niveau präsentieren zu können. Daneben wird es auf der Veste bis 24. April 2022 die Studio-Ausstellung "Kurios & Kostbar" mit Kunstkammerstücken aus der herzoglichen Gewehrkammer geben und dann im Anschluss über dem Sommer eine Schau mit Werken zu Alexandrine von Baden, der Ehefrau von Herzog Ernst II. von Sachsen-Coburg und Gotha. Nach dem Coburger Glaspreis sind im Europäischen Museum für Modernes Glas zwei Ausstellungen mit Dozenten, Absolventen und Studierenden des Instituts für künstlerische Keramik und Glas der Hochschule Koblenz (Höhr-Grenzhausen) geplant.

Einen ausführlichen Bericht über die geplante Ausstellung zum Coburger Glaspreis 2022 sowie zahlreiche Fotos finden Sie hier

Ein Interview zu den Vorbereitungen auf den Coburger Glaspreis 2022 finden Sie hier

Was die Kunstsammlungen 2022 planen

bis 24. April 2022 "Kurios und Kostbar - Kunststücke aus der herzoglichen Gewehrkammer" (Studioausstellung, Veste Coburg)

19. Januar Online-Vortrag "Der Coburger Glaspreis 2022 (18 Uhr)

24. Februar Online-Vortrag "Alexandrine. Eine badische Prinzessin in Coburg (18 Uhr)

10. April bis 25. September Ausstellung zum 5. Coburger Glaspreis

(Veste Coburg und Europäisches Museum für Modernes Glas)

Zusätzlich regelmäßig Sonderführungen auf der Veste Coburg sowie Abendöffnungen im Glasmuseum im Park von Schloss Rosenau

Informationen zu Veranstaltungen sowie zu den aktuell gültigen Hygienregeln gibt es online unter veste.kunstsammlungen-coburg.de/ und glasmuseum.kunstsammlungen-coburg.dered