Die Frauen im Landkreis waren die große Hoffnung von Kreisbrandrat Manfred Lorenz. Im Rahmen der Feuerwehr-Aktionswochen im September wollte er weiblichen Nachwuchs für die 99 Wehren im Landkreis werben. Wenn sich 50 Damen fänden, würde er bei einer von ihnen alle Fenster im Haushalt putzen, versprach er als Anreiz. 50 wurden es nicht. Geputzt hat er nun doch.
Gerade mal sechs Frauen konnte Manfred Lorenz als Erfolg seiner Aktion verbuchen. Dafür gab es dann natürlich kein Fensterputzen als Belohnung. Drücken wollte sich der Kreisbrandrat allerdings nicht. "Ich habe dann gesagt, ich biete es für die Frauen an, die schon länger ihren Dienst in den Wehren versehen", sagt er. Das Angebot wurde ausgeschrieben. 15 Interessentinnen wollten den Chef putzen sehen.
"Wir haben das dann unter Aufsicht im Landratsamt ausgelost", erklärt Lorenz. Gezogen wurde Sabine Rudolph aus Niederfüllbach. Am Freitag ging es ans Putzen. "Er hat ausgesehen wie ein Hausmeister, als mit seinem Körbchen hereinkam", sagt Sabine Rudolph und das nicht ohne einen Hauch von Anerkennung in der Stimme.
Ihren Teil der Abmachung hat sie bereits vorher erfüllt. "Ich habe heute früh extra eine Schwarzwälder Kirschtorte gebacken, die wollte er gern haben", sagt sie. Das Los hat, nebenbei bemerkt, eine erfahrene Feuerwehrfrau getroffen. Seit 28 Jahren ist Sabine Rudolph schon im Dienst. Inzwischen ist sie Hauptfeuerwehrfrau und betreut den jüngsten Nachwuchs für die Wehr, die Feuerwiesel.
Mit neun Frauen bei 34 aktiven Mitgliedern hat die Niederfüllbacher Wehr eine besonders hohe Frauenquote vorzuweisen. "Über alle Wehren des Landkreises gerechnet liegen wir bei weniger als zehn Prozent Frauenanteil", sagt Manfred Lorenz. Das ist ihm zu wenig. Daher die Werbeaktion, die immerhin einen kleinen Erfolg gebracht hat.
Er hätte daher ja gar nicht putzen müssen. "Ich wollte aber einfach zeigen, dass es auch Spaß machen kann, bei der Feuerwehr zu sein. Bei allem Ernst, den wir in den Einsätzen erleben."
Im Einsatz stehen die Frauen an den gleichen Stellen wie die Männer. "Wir sind ganz vorne mit dabei", betont Sabine Rudolph. Kameradschaft und Stolz für gut absolvierte Einsätze oder das gute Gefühl eine solide Ausbildung zu haben, mit der man anderen Menschen helfen kann, sind für Frauen genauso Gründe zur Feuerwehr zu gehen wie für ihre männlichen Kollegen.
Kinder zeitig an die Feuerwehr heranzuführen lohnt sich nach Einschätzung von Sabine Rudolph sehr. Viele gehen danach in die Jugendwehr und später in den aktiven Löschzug der Erwachsenen, ist ihre Beobachtung.
Maskottchen Löschi ist vor allem der Liebling der Kinderwehren. Ihn gibt es demnächst auch Plüschtier fürs Kinderzimmer. Seit Dezember ist der freundliche Drache im Landkreis unterwegs. Wenn der Kreisbrandrat Fenster putzt, taucht Löschi natürlich auch auf und wundert sich schon ein bisschen.
Manfred Lorenz ist unterdessen mit elektrischer Putzmaschine und Eimer am Werk. "Jetzt kommt noch mein Wunderlappen" erklärt er und rubbelt drauf los. Und zu Hause? "Da putz ich auch. An meine Fenster kommt mir keiner ran. Das mach' nur ich."