Mit dem volkstümlichen Bauernstück "Katzenjammer", inszeniert von Johannes Schoierer, hat es auf der Waldbühne Heldritt (Stadt Bad Rodach, Landkreis Coburg) am Samstagabend erneut eine grandiose Premiere gegeben.
In der Komödie von Bernd Gombold geht es um einen Bauernhof, der kurz vor dem finanziellen Ruin steht und veräußert werden soll. An die exaltierte Henneliese von Gutenberg vielleicht, die dem Veganertum frönen will? Oder ein zwei alte Schachteln, die den Hof ihrem Neffen als Mitgift fürs Kloster mitgeben wollen? Oder gar an den alleinstehenden Gräble, der alles nehmen würde, Hauptsache weiblich? Eine verzwickte Geschichte, mit viel Theatralik, Witz und Charme auf die Waldbühne gezaubert.
Regisseur Johannes Schoierer hatte auf jeden Fall ein goldenes Händchen mit der Besetzung der Rollen, wobei er freilich aus einem bewährten Schauspielpool schöpfen konnte.
Aber der Regisseur präsentierte auch durchaus neue Gesichter. Wie Maximilian Kurth zum Beispiel, der in die Rolle des Peterle, des verwöhnten Neffen der beiden Damen Berta und Hermine, geschlüpft war. Peterle besucht angeblich ein Priesterseminar, tatsächlich Landwirtschaft studiert. Ein fescher Bub, der nach all den mehr oder weniger ungehobelten Bauernjungs inklusive eines mittelgescheitelten dickbäuchigen Pomadenheinis, alias Björn Grebita, bei seinem Bühnenauftritt dem Publikum schlichtweg ein kollektives und ungeschminktes "wow" entlockte.
Eine künstlerische Bereicherung in der diesjährigen Komödiensaison ist zweifellos Heike Gareis als exzentrische, aufgedrehte Henneliese von Gutenberg. Geradezu aus der Sommeroperette entsprungen, bot sie nicht nur beachtliche schauspielerische, sondern auch gesangliche Qualitäten. Ihr Charlottchen, eine vermeintlich hübsche 17-Jährige, die unverzüglich das männliche Balzgehabe von Knecht Sepp, Opa Otto und Nachbar Karl heraus gekitzelt.


Veganische Spinatwachtel

Auch Detlef Hoffmann ist die Rolle des Pfeife rauchenden, verzottelten, ungehobelten Klotzr von Knecht buchstäblich auf den Leib geschneidert. Ein Faulpelz vor dem Herrn, will er ebenso wenig wie der Opa (Michael Pertsch) oder der Nachbars-Karl (Steffen Dressel) den geplanten Veganerhof einer Spinatwachtel mit viel Arbeit, aber gänzlich ohne Schweinespeck und Schnäpsle. Dann schon lieber zum Kloster, weil Mönche die Leibesfreuden wohl kaum verachten. Als dann noch Gräble aufs Tapet tritt und sich ins "Gräble" zwischen die älteren Damen Berta (Kerstin Ritz) und Hermine (Diana Geisler) bugsieren lässt, ist der verzwickte Kampf um den Hof einerseits und um eine Ehemann fürs Brigittchen (Yvonne Benthien) auf der anderen Seite perfekt.
Für schallendes Gelächter sorgt immer wieder die schwerhörige Hermine, die jeden Satz falsch versteht, aber durchaus den Herren des Hofs nicht abgeneigt ist. Und da ist noch einer auf dem Bauernhof, der so gar nicht ins bäuerliche Geschehen passt, der brotlose, stets schnorrende Künstler (Mario Förster) - der Picasso und Ersatz-Rembrandt -, der reimt und dichtet, malt und komponiert. Perfekt versteht es Förster, sich künstlerisch verquast zu präsentieren und selbst als total Betrunkener geradezu halsbrecherisch zu imponieren.
Viel Szenenapplaus gab"s und schallendes Gelächter, beispielsweise als Knecht Sepp - auf dem Klohäuschen thronend - zum Katzenlied trommelt. Er wird auf der Waldbühne zu einem überaus heiteren Vergnügen, dieser "Katzenjammer", der am Ende vom Publikum mit begeisterten Pfiffen, Beifallsstürmen und lautem Jubel honoriert wurde.


Der Start ist gelungen

Fazit: Alles in allem ein brillanter Start in diesen Komödiensommer auf der Waldbühne Heldritt. Komplettiert wurde dieser Abend vom stimmungsvollen Einstieg mit den Blasmusikanten aus Sachsenbrunn und einem flinken Küchenteam.


Hier gibt es noch Karten

Vorstellungen: "Katzenjammer " ist zu sehen am: Samstag, 11.Juni (19.30 Uhr). - Samstag, 18.Juni (19.30 Uhr). - Sonntag, 19.Juni (15.0 0 Uhr). - Freitag, 24.Juni (19.30 Uhr). - Samstag, 25.Juni (19.30 Uhr). - Samstag , 2.Juli (19.30 Uhr). - Sonntag , 3.Juli (15.0 0 Uhr). - Samstag, 9.Juli (19.30 Uhr). - Samstag, 16.Juli (19.30 Uhr). - Sonntag, 17.Juli (15.0 0 Uhr). - Freitag, 22.Juli (19.30 Uhr). - Samstag, 23.Juli (19.30 Uhr). - Freitag, 29.Juli (19.30 Uhr). - Samstag, 30 .Juli (19.30 Uhr).

Vorverkauf: Die Geschäftsstelle der Waldbühne Heldritte ist Montag bis Freitag von 9.30 bis 11.30 Uhr sowie von 17 bis 19 Uhr unter der Telefonnummer 09564/800441 erreichbar.