Eine neue Ära wurde bei der Hauptversammlung des Sportverbandes Coburg am Donnerstagabend im Sportheim der Coburger Turnerschaft eingeläutet. Anstelle des seit 2012 im Amt befindlichen Jürgen Heeb wurde Michael Schulz einstimmig zum Vorsitzenden gewählt. Heeb bleibt dem Sportverband treu und wird für die kommenden zwei Jahre als stellvertretender Vorsitzender fungieren.

In seiner Antrittsrede betonte Schulz, der auch den Vorsitz beim SV Ketschendorf innehat: "Der Sport ist ein wesentlicher Bestandteil der Infrastruktur und des gesellschaftlichen Lebens der Vestestadt. Wir sind die Dachorganisation für 64 Vereine und nicht irgendwer. Wir nehmen unsere Aufgabe sehr ernst, wollen ein wichtiger Berater für die Kommunalpolitik, aber kein Bittsteller sein." Er wertete das laufende Jahr nicht nur wegen der Corona-Pandemie als einen außergewöhnlichen Abschnitt von Veränderungsprozessen. Das Management von Sportklubs stellt seiner Auffassung nach einen Spagat dar mit Umsatzeinbußen und Einnahmeverlusten aufgrund des stark eingeschränkten Spielbetriebs.

Sauerteig: Sportförderung für junge Menschen wird erhöht

Eine freudige Kunde hatte Oberbürgermeister Dominik Sauerteig (SPD), seines Zeichens Sportreferent der Stadt, parat. "Die Sportförderung wird bereits für das laufende Jahr für jedes Kind und für jugendliche Mitglieder von bislang vier auf 25 Euro erhöht. Der Finanzsenat hat seine Zustimmung bereits signalisiert", kündigte er an. Insgesamt falle hierfür ein städtischer Beitrag von knapp 100000 Euro an.

Nach dem Motto "Steter Tropfen höhlt den Stein" hatte sich der Sportverband diese Maßnahme schon seit Jahren zur Chefsache gemacht, um einerseits eine finanzielle Überlebensgrundlage für die Vereine zu schaffen und darüber hinaus qualifizierte Nachwuchsarbeit anbieten zu können. Des Weiteren werden die Investitionsmittel zum Beispiel für die Sanierung von Sportstätten angehoben. "Wir wollen nicht nur eine Sportstadt sein, sondern auch bleiben. Unsere Beiträge dazu können sich im bayern- und bundesweiten Vergleich sehen lassen", sagte der OB.

Sauerteig vermisst eine klare Linie

Sauerteig meinte weiter, eine klare Linie habe das bayerische Innenministerium seit Beginn der Corona-Pandemie bezüglich der Vorgaben für den Sport vermissen lassen. "Für die kommunale Ebene ist es schwierig, fast täglich neue Regelungen und Widersprüchlichkeiten aus München umzusetzen. Wir können nicht alles ausbaden."

Sportamtsleiter Eberhard Fröbel erläuterte in diesem Zusammenhang, dass ab der kommenden Woche wieder alle Turn- und Sporthallen in der Stadt für den Vereins- und Schulsport - unter strikter Einhaltung des Rahmenhygienegesetzes - geöffnet werden. "Wir müssen zur Normalität zurückkommen, sonst brechen uns Strukturen weg", mahnte er.

Probleme beinhaltet die kurzfristige Wiederinbetriebnahme des Hallenbades. Bezüglich der notwendigen Sanierung des Gesamtkomplexes Aquaria zeichnet sich allerdings ein Silberstreif am Horizont in Form von Fördermitteln des Bundes in Höhe von drei Millionen Euro ab.

In seinem Jahresbericht sagte Jürgen Heeb rückblickend: "Der Sportverband hat sich dafür eingesetzt, weitere Zuschüsse zu generieren. Dies hat natürlich 2020 eine besondere Bedeutung bekommen, denn viele Vereine kämpfen um ihre Existenz."

Bau der Floßangerhalle in die Ferne gerückt

Sorge bereitet die Entwicklung von Sportstätten. In weite Ferne gerückt ist der geplante Bau der Floßangerhalle. Die bereits 2016 beauftragte Reaktivierung der alten Angerturnhalle als zusätzliche Sportstätte nähert sich endlich der Inbetriebnahme, wirft aber Schwierigkeiten auf. "Um Fördermittel zu erhalten, hat man zusätzlich eine Nutzung durch das Jugendzentrum eingeplant. Nun soll der Sport zweitrangig sein. Das lassen wir nicht zu", ließ Heeb durchblicken.

Die Technische Leiterin Bettina Mittelhäuser beleuchtete die Durchführung der Stadtmeisterschaften unter der Regie des Sportverbandes. 2019 wurden Titelkämpfe in zwölf Sportarten ausgetragen, 2020 noch keine. Man hoffe, kurzfristig für die Orientierungsläufer noch einen diesbezüglichen Wettkampf ausrichten zu können. Für den Kassenbericht und den Haushaltsplan zeichnete Schatzmeister Volker Grübel verantwortlich.

Der frühere OB Norbert Kastner gab bekannt, dass viele Vereine durch die besonderen Umstände heuer noch keine Mitgliederversammlungen abgehalten hätten. Da dies durch stark ansteigende Coronazahlen in den kommenden Wochen kaum möglich sei, wurde der Sportverband beauftragt, sich mit dem Registergericht auseinanderzusetzen, um eine Verschiebung ins Jahr 2021 zu bewirken.