Zum vierten Mal hatte der Arbeitskreis "Interreligiöser Dialog Neustadt" zum gemeinsamen Friedensweg der Religionen eingeladen. Christen und Muslime trafen sich, um in drei Gotteshäusern gemeinsam für den Frieden zu beten.

Mit Kerzenlichtern in den Händen zogen die Friedenswegteilnehmer zur ersten Station in die Neustadter "Fatih-Camii"-Moschee. "Recht herzlich willkommen", begrüßte Ramazan Kurt, Vorsitzender der Ditib-Türkisch-Islamischen Gemeinde zu Neustadt, alle Anwesenden im Gebetsraum der Moschee. Die Religion Islam habe das Ziel, Menschen zum Glück und zur inneren Ruhe zu führen, solle jedoch auch für jene Menschen gelten, die ihr Ziel und ihre Richtung verloren hätten.


"Islam nicht mit Terrorismus verwechseln"

"Allah, der Allmächtige, hat den Menschen Verantwortung gegeben, nicht um Unheil zu stiften, sondern für den Aufbau der Erde. Dies ist möglich, indem man Gewissen, Mitgefühl und Barmherzigkeit, wie er, in das Herz des Menschen gelegt hat. Wir glauben an die Friedensbotschaften Allahs, an alle Propheten, die diese Nachricht an die Menschen übermitteln, an Moses, an Jesus, an Mohammed. Unsere Religion bewilligt niemals Terrorismus, Gewalt, Blutvergießen und Angriffe auf die unantastbaren Rechte anderer. Während wir den Islam und die Muslime bewerten, sollten wir den Islam nicht mit Terrorismus und Muslimen verwechseln. Mit dieser Wahrnehmung, die als Ergebnisse dieser Bewertung geschaffen wurden, werden Islam und die Muslimen verletzt", ermahnte Imam Osman Harbi.

Die Beurteilung von Muslimen sollte nicht durch eine Anzahl schlechter Beispiele erfolgen, die angeblich muslimisch seien oder mit dem Islam in Verbindung stünden. "Solang sollten wir gegen all jene, Terrorismus, Gewalt und Angriffe stehen, die den Frieden bedrohen". Der Islam schütze das menschliche Leben! Verfolgung, Gewalt und Terror seien ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit.


Gegen Hass und Rache

"Unsere Haltung sollte auf gegenseitiger Zusammenarbeit, gutem Willen, Wohlwollen und Gerechtigkeit beruhen". Möge Allah die ganze Menschheit vor Hass und Gewalt schützen, beteten die Gläubigen gemeinsam. "Von wem wir auch gehen, lasse uns Liebe, Frieden und Vertrauen mitnehmen. Möge Allah allen unterdrückten und schikanierten Menschen auf dieser Welt helfen und uns vor allen Arten von Ungerechtigkeiten, Terrorismus und jeglicher Gewalt schützen. "Oh Allah, helfe uns, Frieden, Einheit, Solidarität und Zufriedenheit zu schaffen und eine sichere Welt für zukünftige Generationen. Befreie unser Herz von Hass und Rache, fülle es mit Wohlwollen und mit Vergnügen. Amen".

"Ihr seid das Salz der Erde, das Licht", zitierte Pfarrer Martin Frenkler in der evangelischen Stadtkirche Sankt Georg Worte aus der Bergpredigt. "Wir sind gemeinsam unterwegs und machen miteinander Station. "Wir sind das Salz, das Licht der Welt, und wenn wir nach diesem Motto leben, gemeinsam als Muslime, als Christen, dann werden wir in unserer Lebensgestaltung nur Gutes tun können, weil wir auf Gott vertrauen. Das ist die wahre Mission im christlichen Sinne", so Frenkler.

Der wahre Islam im Herzen sei Leben und Tun aus dem Glauben heraus. "So können wir den Friedensweg als einen gemeinsamen Religionsweg verstehen, als eine gemeinsame Mission: Jeder feiert seinen eigenen Glauben und lädt die anderen ein, an dieser Feier teilzuhaben, denn Glauben heißt, gemeinsam feiern".

"Gerne öffnen wir heute unsere Türen, um alle hereinzubitten, die für den Frieden beten und sich für ihn einsetzen wollen. Alle Menschen, Christen, Muslime, denen der Frieden am Herzen liegt", begrüßte Pastoralreferentin Martina Braun in der katholischen Kirche Sankt Ottilia. Friede sei überall wichtig, in den Familien, in Stadt und Land, auf der ganzen Erde. "Wo Menschen miteinander gehen, aufeinander zugehen, da ist Frieden möglich, da berühren sich Himmel und Erde", bemerkte Braun.


"Da berühren sich Himmel und Erde"

Dort habe Frieden Raum, um in Freiheit zu leben, sich einander mit Respekt zu begegnen, Rechte würden nicht gebrochen, Integration gelinge, Einsicht und Empathie würden zur Entspannung führen. So könne Gottes Reich unter uns wachsen und spürbar Gestalt annehmen. "Wenn der Friede Gottes in unseren Herzen lebt und unsere Gedanken prägt, dann spüren wir dies in der Art unserer Liebe, die niemanden ausgrenzt, in der Gewährung von Versöhnung, die neue Anfänge ermöglicht, in der Abkehr von Hass, Gewalt. Beginnen wir mit diesem Frieden überall do, wo es uns möglich ist, damit er ausstrahlen kann".


Zeichen setzen

"Nur wenn wir aufeinander zugehen, miteinander feiern, miteinander beten, können wir die Konflikte in der Welt überwinden", erwähnte Diakon Rainer Mattern (CSU), stellvertretender Landrat. "Ich freue mich, dass dieser Friedensweg heute wieder stattgefunden hat, auch wenn heuer ein bisschen wenig Menschen daran teilgenommen haben. Dennoch ist es wichtig, dass man Zeichen setzt, für den Frieden! Wir bräuchten ihn so dringend in unserer Gesellschaft", ergänzte Neustadts zweite Bürgermeisterin Elke Protzmann (CSU).