Katja Wöhner und Agnes Fischer hatten schon befürchtet, dass sie in diesem Jahr als Wahlleiterinnen der Gemeinde Dörfles-Esbach keinen leichten Job haben würden. Genug Wahlhelfer zu finden, ist noch nie einfach gewesen, und in diesem Jahr könnte die Corona-Pandemie zusätzlich noch viele Freiwillige abschrecken. Aber sie wurden von den Bürgern ihrer Gemeinde positiv überrascht. "Ich bin selbst erstaunt, wie viele hilfsbereite Leute sich gemeldet haben - und wie schnell wir alle Plätze besetzen konnten", erzählt Agnes Fischer.

Zwar geht es mittlerweile einigen Gemeinden so wie Dörfles-Esbach: Weniger als einen Monat vor der Bundestagswahl sind viele Wahllokale mit genügend freiwilligen Helfern besetzt. Aber mancherorts musste man schon erfinderisch werden, damit alles klappt.

Denn es ist nicht für alle Kommunen so einfach gewesen, das Ziel zu erreichen. "In diesem Jahr war die Suche so schwer wie noch nie zuvor - woran das lag, kann ich mir selbst nicht erklären", erzählt Christine Weiß, Wahlleiterin der Gemeinde Rödental. Noch nie habe sie so viele Absagen bekommen, und noch nie habe sie so viele Helfer nachnominieren müssen. Deshalb sei sie beruhigt, dass sie mittlerweile alle Wahllokale besetzen konnte. "Aber wenn sich noch Leute melden, die als Reserve einspringen würden, falls kurz vor der Wahl doch noch jemand abspringt, wäre ich richtig erleichtert."

"Einige hatten kein gutes Gefühl"

Als Wahlleiter der Gemeinde Untersiemau hat Rolf Reisenweber ähnliche Probleme gehabt wie Christine Weiß. Allerdings wisse er, dass einige Absagen aufgrund der Corona-Pandemie bei ihm eingegangen seien. "Obwohl wir für die Wahlen ein sehr gutes Sicherheitskonzept ausgearbeitet haben, hatten einige bei so viel Publikumsverkehr kein gutes Gefühl", erklärt er. Auch er habe es am Ende aber doch geschafft, genügend Wahlhelfer zu rekrutieren, um alle Wahllokale zu besetzen - gerade auch, weil es im Gemeindegebiet in diesem Jahr mehr Briefwahllokale gibt.

Warum das mit der Briefwahl knifflig ist

"Bei uns sind schon jetzt so viel Anträge eingegangen, dass wir die Bezirke verkleinert haben", erklärt er. Dafür mussten Urnenwahllokale zusammengelegt werden: "Aus Gründen der Geheimhaltung müssen mindestens 50 Stimmen in einem Urnenwahllokal eingehen - mit der hohen Anzahl an Briefwahlstimmen wird das aber gerade in den kleineren Gemeindeteilen schwierig." Weil dann insbesondere ältere Bürger Schwierigkeiten haben könnten, zu einem Wahllokal in einem anderen Gemeindeteil zu kommen, habe sich die Gemeinde deshalb einen besonderen Service überlegt: "Damit auch jeder sein Kreuzchen machen kann, wird am Wahlsonntag ein Shuttle-Bus zum Urnenwahllokal fahren."

Auch in der Gemeinde Sonnefeld haben sich viele Wähler in diesem Jahr dazu entschlossen, ihre Stimme per Briefwahl abzugeben. "In Neuses und Wörlsdorf, in denen ohnehin jeweils nur 120 Bürger stimmberechtigt sind, könnte es deshalb schwieriger werden, die 50 Stimmen zur Einhaltung des Wahlgeheimnisses zu kommen", erklärt Wahlleiter Stefan Markus. Aber er wisse auch aus Erfahrung, dass die Bürger in den beiden Dörfern treue Wähler seien: "Und wenn es am Ende doch nicht ganz reicht, dann können wir nach der Wahl die beiden Wahlurnen immer noch zusammenschütten." Auch er habe in diesem Jahr genug Wahlhelfer für alle Wahllokale rekrutieren können.

Es wird auch eine Reserve gebraucht

Anders sieht es in den Gemeinden Ahorn und Meeder und in der Stadt Bad Rodach aus - hier sind noch nicht alle Wahlhelfer gefunden. "Und wir müssen ja auch noch Freiwillige auf Reserve haben, sollte jemand kurzfristig ausfallen", erklärt Helga Wielgosch, Wahlleiterin für die Gemeinde Meeder. Philipp Eckerlein, Wahlleiter für die Gemeinde Ahorn, ist nach einem Aufruf im Bürgerblatt der Gemeinde aber zuversichtlich: "Danach haben sich recht viele Leute noch freiwillig gemeldet - und deshalb denke ich, dass sich auch noch für die beiden Wahllokale in Wohlbach und Eicha freiwillige Helfer finden."

Damit sich sowohl Wahlhelfer als auch Wähler am Wahlsonntag in den Urnenwahllokalen sicher fühlen, werden in den Gemeinden jedenfalls schon erste Vorkehrungen getroffen. Das Konzept für die Wahllokale in Sonnefeld stehe schon. "Natürlich gilt in den Wahllokalen Maskenpflicht. Außerdem wird regelmäßig gelüftet - und jeder Wähler bekommt einen eigenen Stift, um auch so das Risiko einer Ansteckung zu minimieren", erklärt Stefan Markus.

Deshalb hoffe er, dass sich in den Gemeinden, in denen noch nicht genug Wahlhelfer gefunden seien, niemand abschrecken lasse: "Die Sicherheitskonzepte der Gemeinden sind so gut konzipiert, dass die Ansteckung am Ende nicht größer ist als bei einem Einkauf im Supermarkt."