Richtig Prügel hat die Mannschaft des VfL Frohnlach in den letzten Tagen bezogen - von allen Seiten, ob von den Vorstandsmitgliedern Christina Schön oder Klaus Schillig, von Trainer Andreas Schöll oder vor allem von Sponsor Franz Stegner. Die Spieler seien die Querulanten, die Unruhestifter, diejenigen, die für die Misere verantwortlich sind. "Jetzt reicht es", hat sich Bastian Renk gesagt und geht im Tageblatt-Interview in die Offensive. Er wehrt sich gegen die teils massiven Anschuldigungen und verteidigt das Team.

Der Kapitän des abstiegsgefährdeten Fußball-Regionalligisten macht keinen Hehl daraus, dass die ausbleibenden Erfolge und der aktuelle Tabellenstand in erster Linie auf die schwachen Leistungen der Spieler zurückzuführen sind. Doch dass eine Spielerrevolte angezettelt worden sei, bestreiten er vehement.

Neben Selbstkritik spricht Renk aber auch von einem "Chaos" bei den Personalentscheidungen.
Jetzt müsse sich schnellstens wieder jeder um das kümmern, was auch seine Aufgabe ist. Renk spricht abschließend aber auch von seinem größten Wunsch, den er sich am letzten Spieltag der Saison noch erfüllen will.

Hallo Bastian, die Mannschaft steht arg in der Kritik. Was sagst Du zu dem Durcheinander der letzten Tage?
Bastian Renk: Trotz des größten Vereinserfolges mit dem Regionalliga-Aufstieg als Höhepunkt steht der Verein in der Öffentlichkeit nicht gut da. Was hier gelaufen ist, ist wirklich nicht positiv. Die Außendarstellung vom Verein und der Mannschaft hat sehr gelitten. Gerade was die Mannschaft betrifft, möchte ich einiges klarstellen.

Was belastet Dich am meisten?
Vor allem, was ein Franz Stegner von sich gegebenen hat, hat mich sehr verwundert. Er ist ein sehr wichtiger Sponsor für den Verein, das ist klar. Aber er war bis jetzt zwei-, dreimal bei einem Spiel des VfL. Die Jahre davor war er nicht gesehen. Sich öffentlich so über die Mannschaft zu äußern, war überhaupt nicht in Ordnung. Ich hoffe, das ganze Thema ist nun erledigt und jeder kümmert sich um das, was ihn auch betrifft.

Wie siehst Du die Trainersituation in dieser Saison. Was ist wann schief gelaufen?
Auf Grund fehlender Erfolge ist Dieter Kurth zurückgetreten. Danach kam mit Andreas Schöll ein neuer Trainer. Es gab hier einige Anlaufschwierigkeiten zwischen Mannschaft und Trainer. Wie der Verlauf der letzten Tage lief, war schon äußerst irritierend.

War es die richtige Entscheidung, einen externen Trainer nach Frohnlach zu holen. Andreas Schöll kannte die Spieler kaum und musste in einer entscheidenden Saisonphase auf Anhieb wichtige Entscheidung treffen?

Aus meiner Sicht war es okay, einen externen Trainer zu holen. Einer, der unbefangen an die Sache rangeht. Hier hatte jeder Spieler eine neue Chance bekommen. Wie jetzt nun alles gelaufen ist, ist leider ein totales Chaos.

Was meinst Du mit Chaos. Werde doch einmal genauer.
Was in der letzten Zeit über die Mannschaft und den Verein geschrieben wurde, kann ich nicht so stehen lassen. Die Mannschaft wird in einem ganz schlechten Bild dargestellt. Das entspricht der Realität überhaupt nicht. Es gab zum Beispiel, wie uns von Verantwortlichen durch die Blume ja vorgeworfen wird, auch nie eine Revolte. Nur wenige Spieler haben mit der Vorstandschaft gesprochen - nicht mit der Motivation, den Trainer zu entlassen, sondern lediglich um einmal die Missstände, die Fakten deutlich darzustellen.

Und was sind die Missstände?
Die Stimmung in der Mannschaft ist im Moment nicht positiv. Die letzten Niederlagen waren alle zu vermeiden und das nimmt die Spieler mental sehr mit. Leider konnte Trainer Schöll dieses Problem nicht ändern. Er hat eine eigene Denkweise, die bei einigen Spielern für Unmut sorgte. Ich möchte nicht weiter ins Detail gehen, aber hier ist einiges schief gelaufen.

Derart schwierige Situationen sollten im Sport immer auch als Chance gesehen und für einen möglichen Neuanfang genutzt werden. Wie geht es bei Euch und speziell in der Mannschaft jetzt weiter? Wollen tatsächlich so viele Spieler den Klub in der Winterpause verlassen?
Es stimmt, einige Spieler wollen den Verein verlassen. Hier mache ich niemandem einen Vorwurf. Jeder muss für sich eine Entscheidung treffen, die für ihn persönlich richtig ist. Ich kann nur sagen, dass es für die Mannschaft ein riesengroßer sportlicher und menschlicher Verlust wäre, wenn zum Beispiel Christian Beetz die Mannschaft verlassen würde. Er gibt in jedem Spiel 110 Prozent und war über Jahre hinweg der konstanteste Spieler mit guten, bis sehr guten Leistungen. Für mich ein absoluter Führungsspieler. Hier muss man abwarten, wie es bei einigen weiter geht.
Dass Christian oder Daniel Sam bei uns für schlechte Stimmung gesorgt haben sollen, ist ein Witz. Beide Spieler sind ein wichtiger Teil der Mannschaft. Beide haben eben ihre Meinung und vertreten diese dann auch, so wie man das von gestandenen Männern erwarten kann.
Du bist der dienstälteste Spieler des VfL Frohnlach. Wie beurteilst du das zu Ende gehende Jahr ganz persönlich?
Für mich war das Jahr 2012 eine Katastrophe. Ich bin seit einem halben Jahr immer wieder verletzt. Zudem hatte ich privat durch Umzug und Schule selten den Kopf zum Fußballspielen frei. Seit September bin ich direkt von der Schule zu den Spielen gefahren und hab dann auch dementsprechend gespielt.

Das klingt sehr nach Abschied. Wie geht es mit Bastian Renk 2013 weiter?
Ich möchte die Saison mit Anstand zu Ende bringen. Es wird schwer, die Klasse noch zu halten, aber wir werden alles versuchen, um noch gute Ergebnisse zu holen. Ich möchte persönlich für mich noch gute Leistungen zeigen und mein größter Wunsch ist es, nach dem letzten Heimspiel vom Platz zu gehen und den Willi und die Trude zu umarmen und mich bei diesen beiden Menschen zu bedanken und zu verabschieden. Willi und Trude Schillig sind die Seele des Vereines, und ich möchte mich für alles bedanken, was sie mir ermöglicht haben. Die beiden haben das Chaos der letzten Tage am allerwenigsten verdient.


Das Gespräch führte
Sportredakteur Christoph Böger.