Er wolle in die Vor-Vorgeschichte zurückgehen, kündigte Oberbürgermeister Norbert Tessmer (SPD) beim Rathausempfang für die Handballer an. "Nein, keine Angst, nicht bis zu der Erfindung des Balles." Aber bis zu der Zeit, als Tessmer Leiter der Handballabteilung beim TSV Beiersdorf war, ohne je Handball gespielt zu haben. Wann das war, verriet Tessmer nicht. Die Coburger Handball-Bundesliga-Vor-Vorgeschichte beginnt am 18. März 1994: Damals schloss sich sich die Handballabteilung der Coburger Turnerschaft der schon bestehenden Spielgemeinschaft von TVKetschendorf und TV 1848 Coburg an.Helmut Liebkopf (TV 48), Ingo Bechmann (TVK) und Klaus Beyersdorf (Turnerschaft) waren somit die Großväter des Erfolgs. Federführend beteiligt: Der Oberbürgermeister und Sportreferent Norbert Kastner, der schon damals die Vision Bundesliga verfolgte. 2000 stieß der TV Neuses dazu: Die Geburtsstunde des HSC 2000, dessen Präsident Norbert Kastner erneut das Ziel Bundesliga ausgab.




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Gelb für alle! Für die Fans auf dem Marktplatz und die drei Bürgermeister auch. HSC-Vorstandssprecher Stefan Apfel übergab an Oberbürgermeister Norbert Tessmer, Zweite Bürgermeisterin Birgit Weber und Dritter Bürgermeister Thomas Nowak die gelben T-Shirts mit der Aufschrift "gemEINSam". Erst vor zwei Jahren hatte der HSC 2000 als Meister den Aufstieg in die Zweite Handball-Bundesliga geschafft. Beim Empfang damals habe Tessmer vom baldigen Aufstieg in die Erste Bundesliga gesprochen, erinnerte Apfel. "Wir haben dich alle ausgelacht." Nun durften sich erneut Spieler und Funktionäre ins Goldene Buch der Stadt eintragen. Weil das schneller ging als gedacht, kamen die Spieler früher als erwartet auf den Rathausbalkon, um sich feiern zu lassen. Der Marktplatz unten war gelb.



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Warm war's: Philipp Barsties ließ direkt neben der interessiert schauenden Zweiten Bürgermeisterin Birgit Weber die Hüllen fallen. Hakan Balkan, einer der Macher des HSC von Anfang an, seufzte: "Ich genieße es einfach." 16 Jahre lang hatte Balkan mit "Coburger, wo seid ihr?" das Publikum angeheizt. Wie oft? "Tausende Male." Jürgen Heeb, einer der Mitbegründer, sah das Konzept des HSC aufgegangen: "Infrastruktur, Geld, sportlicher Erfolg. Diese drei Säulen bedingen einander." Von Ex-Geschäftsführer Wolfgang Heyder sprach am Sonntag niemand mehr.



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Einlasskontrolle: Es durften nur 20 Mann auf dem Balkon - und mit drei Bürgermeistern, Sprecher Thomas Apfel, Sicherheits- und Kameraleuten wurde es da schnell eng. "Erwin" zählte nicht: Den Gartenzwerg hatte Sebastian Kirchner kurz zuvor auf dem Flohmarkt erstanden und als Maskottchen mitgebracht. Auf dem Balkon wurden auch die vier Spieler verabschiedet, die den HSC 2000 nun verlassen werden: Sebastian Kirchner, Jiri Vitek, Tomas Riha und Matthias Gerlich. Der hatte kurz zuvor in der Regimentstube für einen Lacher gesorgt: OB Tessmer sprach davon, dass Coburg als Erstligist nun in einem Atemzug mit erfolgreichen Mannschaften wie Kiel oder Flensburg genannt werde. "Und Eisenach", warf Gerlich ein. Der Rückraumspieler wechselt zu dem Bundesliga-Absteiger.