Die Front der Ablehnung gegen Schuh-Mücke bröckelt. Zumindest im Ebersdorfer Gemeinderat. Dieser war von der Nachbargemeinde Rödental aufgefordert, zur erforderlichen Änderung des Bebauungsplanes eine Stellungnahme abzugeben. Bisher lehnte der Gemeinderat einstimmig immer wieder die Ansiedlung des Schuh- und Textilfachmarktes ab, da es nicht den Zielen des Landesentwicklungsprogrammes (LEP) entspreche, auch wenn Rödental eine Ausnahmegenehmigung des Bayerischen Staatsministeriums für Finanzen erhalten habe, obwohl sich die Regierung von Oberfranken dagegen ausgesprochen habe.

Hauptargument zieht nicht mehr
Auf Vorschlag der SPD-Fraktion sollte nunmehr doch dem Vorhaben zugestimmt werden, was allerdings gegen vier Stimmen aus deren Reihen abgelehnt wurde. Der Vorschlag der Verwaltung, sich gegen das Vorhaben auszusprechen, mit dem Hauptargument, dass es negative Auswirkungen auf die örtliche Versorgungsstruktur habe, zog bei den restlichen Gemeinderäten mehr, sodass Rödental wiederum eine Absage erteilt wird.

Gemeinderat Achim Fischer (SPD) erläuterte den Sinneswandel in seiner Fraktion. Er teilte zwar die Bedenken, meinte jedoch, dass großräumig zu denken sei, da Abweichungen vom "Zentrale-Orte-Prinzip" auch eine Chance für echte raumstrukturelle Entwicklungen darstellten, die sich schließlich auch für Ebersdorf positiv auswirken könnten. Zudem vertrat er die Meinung, dass Versorgungslücken, die Coburg nicht übernehmen kann oder will, von nächstzentralen Orten wie Ebersdorf erfüllt werden können. "Mit der gleichen Argumentation könnten wir die Genehmigung ähnlicher Ansiedlungen in Ebersdorf fordern", so Fischer.

"Ein Relikt"
Eine echte Landesentwicklung sollte durch den LEP gesteuert, aber nicht verhindert werden. Fischer: "Früher oder später muss auch die Landespolitik erkennen, dass sich die Entwicklung des Einzelhandels an der Verkehrsinfrastruktur, wie Ebersdorf sie hat, und nicht an der theoretischen Zentralität eines Ortes zu orientieren hat." Bürgermeister Bernd Reisenweber (BG) widersprach nicht der Argumentation aus den Reihen der SDP, meinte aber: "Wir haben uns immer dagegen ausgesprochen, anders werden wir unglaubwürdig." Allerdings stellte er klipp und klar fest, dass seine Gemeinde bei Bedarf künftig auch auf eine Zielabweichung pochen werde. Zu guter Letzt bezeichnete Gemeinderat Reiner Brückner (SPD) den Landesentwicklungsplan als mit Mängeln behaftet, Bernd Reisenweber nannte ihn "ein Relikt der Zwangswirtschaft".

Dimension zu groß
Weitere Punkte standen auf der Tagesordnung. Mit 11:7 Stimmen wurde dem Bauvorhaben "Errichtung einer Werbeanlage an der Giebelwand des Gebäudes am Sportplatz" durch die Firma Michael Baudler in Oberfüllbach das gemeindliche Einvernehmen erteilt. Die Gegner (Gemeinderäte Achim Fischer und Reiner Brückner) argumentierten, dass die Dimension zu groß sei, ein Präzedenzfall geschaffen und die dörfliche Struktur gestört werde.

Beschlossen wurde, sich an der Konzeptphase der Bewerbung des Zusammenschlusses mehrerer Kommunen zur "Strukturförderung - Nachhaltige Stadt-Umland-Entwicklung" teilzunehmen, wobei Kosten in Höhe von 1136 Euro auf die Gemeinde zukommen könnten und konkrete Projekte nicht genannt wurden.
Auf Bitten von Natascha Nelson hin wird in Absprache mit der Polizei kein Verkehrsspiegel im Bereich der innerörtlichen Ausfahrt aus den Märkten angebracht, da die Sichtverhältnisse als ausreichend angesehen wurden.