Dokumentarfilme, Vorträge, politische Diskussionen, ein Umsonstladen - ihr Kulturbegriff ist weit gefasst. "Wir wollen einen Freiraum schaffen, in dem Menschen sich verwirklichen können, ohne dass ihnen jemand reinredet", sagt Marion, Mitglied im Verein Alternative Kultur. Und Jonas ergänzt, es gehe darum, dass für Gruppen, aber auch Einzelpersonen die Möglichkeit geschaffen werden soll, kulturelle, aber auch politische und sozialkritische Ideen und Projekte umsetzen zu können. Das klingt zunächst erst einmal sehr abs trakt.

Doch die momentan 15 Vereinsmitglieder haben auch Konkretes anzubieten. Den ersten öffentlichen Auftritt hatten die jungen Leute, die seit Oktober 2014 zusammenarbeiten, kürzlich im Wooloomooloo Bay Hotel im Steinweg. Dort gab es eine Willkommensparty zugunsten von Flüchtlingen. Die Hälfte des Eintrittspreises spendete der Verein dem Asylkreis Coburg. Rund 300 Euro waren zusammengekommen.
Flüchtlinge hatten freien Eintritt. "Es waren auch einige da", erzählt Jonas. Und weil die Veranstaltung so gut angekommen sei, soll es weitere dieser Art geben.

Ein anderes konkretes Projekt ist das Frei-Kino. Darum kümmert sich eine spezielle Gruppe innerhalb der Alternativen Kultur. Was verbirgt sich dahinter?

Freies Kino

"Wir wollen alle zwei Wochen Filme, vor allem Dokumentationen, zu unterschiedlichen Themen zeigen. Danach ist ein Austausch in lockerer Atmosphäre möglich." Eintritt sollen die Veranstaltungen nicht kosten. Doch dazu braucht der Verein dringend Räume, die er noch nicht hat. Aber viel Miete kosten dürfen sie nicht, denn die Alternativen wollen unabhängig bleiben und so viel wie möglich selbst finanzieren. "Wir sind auf der Suche", sagt Marion, "vielleicht gibt es ja in Coburg Leute, denen unser Konzept gefällt und die uns Räume für wenig Geld oder kostenlos zur Verfügung stellen möchten."

Dort könnten dann zum Beispiel auch Vortragsabende stattfinden. Wobei die Vereinsmitglieder sich nicht auf Experten zu bestimmten Themen beschränken möchten. "Schülerinnen und Schüler oder Studierende dürfen zum Beispiel ihre Facharbeiten vorstellen oder über Themen sprechen, die ihnen am Herzen liegen", erläutert Jonas. Darüber hinaus sind Workshops vorgesehen. Ein Umsonstladen ist geplant, in dem man Dinge abgeben oder mitnehmen kann. Zusätzlich wollen die Vereinsmitglieder einen Infoladen einrichten, in dem Bücher, Broschüren und Flyer zum Mitnehmen ausliegen, den man aber auch mit eigenem Material bestücken kann. Alles in allem soll das zukünftige Domizil Anlaufstelle für alle Kreativen sein. "Wir freuen uns auch über verrückte Ideen", sagt Marion. Was sie allerdings auf keinen Fall tolerieren werden, ist Nationalismus, Rassismus und Sexismus, fügt sie an. Stattdessen wünschen sich die Vereinsmitglieder eine interkulturelle Basis und die Mitwirkung von Menschen unterschiedlicher Altersgruppen, sozialer Schichten und Nationalitäten.

Wichtig ist ihnen, so sagt es das Konzept, einen "diskriminierungsfreien Rückzugsraum für ein gleichberechtigtes Miteinander ohne Konsumzwang, Konkurrenz und Leistungsdruck" zu schaffen. Denn die jungen Leute vermissen in Coburg die Möglichkeit, unabhängig von Parteien, Verbänden und Institutionen, politische oder sozialkritische Veranstaltungen anbieten zu können. "Was es in der Stadt schon gibt, ist nicht schlecht, aber ich favorisiere eine andere Art von Kultur", gesteht Marion ein. Deshalb wollen sie es nun selbst in die Hand nehmen.
Ganz ohne Geld wird sich das Projekt Alternative Kultur indes nicht umsetzen lassen. "Wir wünschen uns viele Mitglieder, auch Fördermitgliedschaften und Spenden", sagt Marion. Einen Finanzierungsplan gebe es bereits, ergänzt Jonas. "Vieles wollen wir selbst schaffen - durch Getränkeverkauf, Mitgliedsbeiträge und Spenden. Außerdem wollen wir auch Stiftungen anschreiben."

Momentan arbeiten die Vereinsmitglieder an ihrer Homepage. Unter www.alternative-kultur-coburg.de oder auf ihrer Facebook-Seite gibt es schon ein paar Informationen. Wer den Verein per E-Mail anschreiben möchte, kann das unter info@alternative-kultur-coburg.de tun. Demnächst gibt es auch noch eine Handy-Nummer. "Alle, die Ideen für Workshops oder andere Veranstaltungen haben, können sich gern bei uns melden", betont Marion.

Dialog mit der Kulturabteilung?

Anfang der Woche hat die Leiterin der Kulturabteilung der Stadt, Michaela Hofmann, den Mitgliedern des Kultur- und Schulsenats die Ergebnisse einer Befragung zum Kulturleben in der Stadt vorgestellt. Davon wussten die Alternativen nicht, obwohl ihre Ideen unter Umständen eine Bereicherung gewesen wären.
Wie die Stadt sich dazu positioniert und ob es ein Dialogangebot gibt, war in dieser Woche wegen einiger Krankheitsfälle in der Verwaltung nicht zu erfahren. Pressesprecher Michael Selzer hat aber eine Stellungnahme für die nächste Woche angekündigt.