Die Wende kam durchaus überraschend. Aber offenbar hat der Bericht des Coburger Tageblatts von diesem Mittwoch eine gewisse Wirkung gezeigt: Die Stadt Coburg hat das Auto, das in der Kreuzwehrstraße seit fast zwei Monaten im absoluten Halteverbot stand, nun doch abschleppen lassen. Bis zuletzt wurde sowohl bei der Polizei als auch beim Ordnungsamt argumentiert, dass es keine sichere Rechtsgrundlage gebe, um das Auto zu entfernen (siehe auch Chronologie unten im Text).

"Unverzüglich"

Doch am Donnerstag informierte die Stadt Coburg, dass es nun doch Gründe gegeben habe, das Auto "unverzüglich" aus dem Weg zu schaffen. So sei am Mittwoch eine "erneute Begutachtung des aktuellen Zustands" erfolgt. Dabei sei "eine offensichtliche Fahruntauglichkeit und ein allgemein schlechter Zustand des Fahrzeuges festgestellt" worden. Es müsse nun insbesondere ausgeschlossen werden, dass Betriebsstoffe (Öl, Benzin) auslaufen - und deshalb sei entschieden worden, das Fahrzeug zu entfernen. Als die entsprechende Mitteilung der Stadt am Donnerstagvormittag veröffentlicht wurde, stand das Auto schon nicht mehr in der Kreuzwehrstraße. Es werde jetzt "an einem hierfür geeigneten Standort" verwahrt, wie es heißt.

Vor allem auch in den sozialen Medien hatte der Tageblatt-Bericht hohe Wellen geschlagen. Viele konnten nicht nachvollziehen, dass es angeblich keine Handhabe gibt, das Problem zu lösen. Zumal der Peugeot-Fahrer ja gleich Verstöße begangen hatte: Parken im absoluten Halteverbot, Parken im Kreuzungsbereich sowie Parken auf dem Gehweg.

CHRONOLOGIE DER EREIGNISSE

Anfang November In der Kreuzwehrstraße/Ecke Raststraße wird ein Peugeot mit französischem Kennzeichen abgestellt - im absoluten Halteverbot!

November/Dezember Bei der Polizei gehen immer wieder Hinweise auf den Falschparker ein. Doch weil von dem Auto "keine akute Gefährdung" ausgehe, wie argumentiert wird, könne die Polizei nichts unternehmen. Zuständig sei in diesem Fall das Ordnungsamt der Stadt Coburg als Straßenverkehrsbehörde.

Dezember Das Ordnungsamt bittet die Polizei um Hilfe: Das Auto könne nur dann abgeschleppt werden, wenn der Halter zuvor kontaktiert wird. Doch das ist gar nicht so einfach, weil das Auto in Frankreich zugelassen ist.

29. Dezember Das Tageblatt berichtet über den Fall. Polizei und Ordnungsamt erklären noch einmal, warum das Auto bislang nicht abgeschleppt werden konnte. Und es heißt, dass der Fahrzeughalter über Meldeadressen in Frankreich und Rumänien verfüge, zurzeit aber "nicht greifbar" sei.

30. Dezember Die Stadt Coburg teilt mit, dass das Auto nun doch abgeschleppt werden konnte - weil es in einem derart schlechten Zustand sei, dass Betriebsstoffe auslaufen könnten.

Hintergründe zum Fall gibt's auch hier

KOMMENTAR VON OLIVER SCHMIDT

Man kennt das aus schlechten Krimis: Polizisten wollen unbedingt eine Wohnung durchsuchen, doch ihnen fehlt die Rechtsgrundlage, um die Tür aufzubrechen. Plötzlich sagt der eine: "Riechst Du das auch? In der Wohnung könnte etwas brennen!" Und schon ist "Gefahr in Verzug", und die Tür darf mit Gewalt geöffnet werden.

Möglicherweise ist der Mann, der Anfang November sein Auto in der Kreuzwehrstraße in Coburg geparkt hat, ja ebenfalls Teil eines Krimis. Allerhand mysteriöse Hinweise gibt es jedenfalls. Doch in erster Linie muss es wohl als Posse bezeichnet werden, was sich da in den vergangenen zwei Monaten abgespielt hat: Obwohl das Auto im absoluten Halteverbot stand, verwies sowohl die Polizei als auch das Ordnungsamt darauf, dass eine rechtliche Handhabe fehle, um das Auto abschleppen zu lassen.

Okay, selbstverständlich muss alles gesetzeskonform ablaufen. Aber der gesunde Menschenverstand sagte in diesem Fall eben auch: Es kann doch nicht sein, dass an anderen Stellen Coburgs für weit harmlosere Vergehen fleißig Knöllchen verteilt werden, während solch ein Extrem-Dauer-Falschparker ungeschoren davon kommt. Deshalb haben wir am Mittwoch im Tageblatt gefordert: "Abschleppen, s'il vous plait!" Das französische "Bitte" war eine Anspielung auf das französische Kennzeichen des Autos.

Heute nun sagen wir: Merci! Denn plötzlich ist der Stadt etwas aufgefallen: Das Auto sei in einem sehr schlechten Zustand, weshalb "Betriebsstoffe" auslaufen könnten - und deshalb musste das Auto "unverzüglich" abgeschleppt werden. Hm, das riecht ein bisschen wie in einem schlechten Krimi.