Der Kiosk am Johann-Strauß-Platz ist ein beliebter Treffpunkt im Viertel um die Leopoldstraße. Die Kunden kaufen dort Brötchen und Gebäck fürs Frühstück, holen ihre Zeitung oder trinken in ihrer Pause eine Tasse Kaffee. Das soll auch so bleiben, darauf legen Thomas Siebenhaar, Geschäftsführer des Investors Projekt Bauart, und Coburgs Zweite Bürgermeisterin, Birgit Weber, großen Wert. Bisher habe man das Potenzial des Platzes noch gar nicht richtig ausgeschöpft, sind sich beide einig.

Bis zum Abschluss des Bauprojekts - Siebenhaars Firma errichtet auf dem Gelände des ehemaligen DSZ und des Gefängnisses insgesamt rund 105 Wohnungen - soll auch der Bereich um den Kiosk neu gestaltet werden. Die Wohnbau Stadt Coburg hat laut Bürgermeisterin Weber bereits ein Planungsbüro beauftragt. Ehe entschieden wird, will Weber aber auch die Meinung und die Ideen der Anwohner und der Beteiligten einholen, schließlich biete der zentrale Platz mit dem Kiosk als Nahversorger viele Möglichkeiten.

Zunächst laufen aber die Vorbereitungen für den Rohbau der Abschnitte I und II. Wie Thomas Siebenhaar betont, laufen die Arbeiten im Zeitplan. Bis zu den Sommerferien diesen Jahres soll der Rohbau des ersten Bauabschnitts (BA) auf dem ehemaligen Gefängnisgrundstück stehen. Der Gebäudekomplex beherbergt 17 Apartments, die bereits alle von der Firma Brose gekauft wurden. Hier sollen Mitarbeiter untergebracht werden, die nur auf Zeit in Coburg arbeiten. Unter dem Gebäude befindet sich eine eigene Tiefgarage mit 18 Stellplätzen. Zum 30. Mai 2018 soll der erste Bauabschnitt komplett fertig sein.

Bauabschnitt II schließt sich unmittelbar an BA I an und liegt auf dem südlichen Grundstück des ehemaligen DSZ. Auf insgesamt 2228 Quadratmetern Wohnfläche befinden sich 21 Wohnungen mit einer Größe von 78 bis 206 Quadratmetern - jeweils mit Balkon oder Terrasse. Dieser Teil der Wohnanlage hat eine eigene Tiefgarage mit 26 Plätzen und zusätzlich zehn Stellplätze in Carports zwischen dem Neubau und dem terrassenförmigen Bestandsgebäude des DSZ. Dieses bildet Bauabschnitt III, das frühere Internat nebenan, Bauabschnitt IV. Auch hier sollen Wohnungen entstehen, allerdings werde man mit den Arbeiten erst dann beginnen, wenn die beiden Neubauten fertig sind, sagt Thomas Siebenhaar.

Auf eine öffentliche Feier zur Grundsteinlegung hatte der Investor extra verzichtet und das Geld stattdessen in 500 Osternester für Coburger Kinder investiert. Anders sieht es mit dem Richtfest im Sommer aus: Das soll gefeiert werden - mit allen Anwohnern, eine kleine Entschädigung für den Baulärm und Schmutz während der Bauarbeiten.


Wohnung fürs Alter

Von den 21 Wohnungen im BA II seien noch sechs bis sieben zu haben. "Viele Leute im besten Alter sagen uns, dass sie das Konzept sehr ansprechend finden", berichtet Siebenhaar. Alle Wohnungen seien barrierefrei und per Aufzug zu erreichen. Einige der Käufer seien auch noch jünger. "Sie kaufen und vermieten ihre Wohnung erst einmal, schaffen sich damit eine Kapitalanlage, verbunden mit der Option, später selbst in ihrer Wohnung das Alter genießen zu können."

Wolf-Rüdiger Benzel, Stadtrat der Coburger Grünen, hatte kürzlich öffentlich kritisiert, es werde keine einzige Wohnung für den sozialen Wohnungsbau geben, "obwohl Herr Siebenhaar das in einem Vorstellungsgespräch in Aussicht gestellt hatte". Das sei so nicht richtig, kontert der Bauherr. "Wir haben überlegt, die Wohnungen im ehemaligen Internat in unserem Eigentum zu behalten und zu vermieten. Wir haben aber keine Sozialwohnungen zugesagt", betont Siebenhaar. "Ganz am Anfang gab es einmal die Idee, aber das war noch zu Zeiten, als die Diakonie überlegt hat, selbst zu sanieren."

Ein weiterer Vorwurf des Grünen-Stadtrates: Die Parksituation im Viertel werde sich nach Vollendung der Gesamtanlage "erheblich verschlechtern, auch wenn der Stellplatzschlüssel eingehalten wird".

"Wir haben uns die Mitarbeiterzahlen des DSZ genau angesehen", hält Thomas Siebenhaar dagegen. Auf dem DSZ-Gelände habe es seinerzeit rund 25 Stellplätze für die Mitarbeiter gegeben, der überwiegende Teil habe aber im öffentlichen Raum geparkt. Die Wohnanlage werde dagegen 1,3 Stellplätze pro Wohnung bieten. Siebenhaar ist sich sicher, dass sich die Park-Situation im Vergleich zu früher "deutlich verbessern" werde.