Es war ein hartes Jahr für die Bauern des Coburger Landes. Zu der vielen Arbeit, um die Bevölkerung mit hochwertigen Lebensmitteln zu versorgen, kamen viel Kritik an ihrer Arbeitsweise und die Sorgen rund um die Corona-Pandemie. Das wurde beim Feldgottesdienst in Herbartsdorf anlässlich des Kreiserntedankfestes deutlich. Alle hätten eine ungewöhnliche und anstrengende Zeit hinter sich, stellte auch Pfarrerin Mirjam Wunder bei der Veranstaltung des Kreisverbandes Coburg des Bayerischen Bauernverbandes fest. Ein neuartiges Virus, dessen Eigenschaften auch die Wissenschaft gerade erst kennenlerne, halte die Welt in Atem. "Wir Menschen mögen uns oft für die Krone der Schöpfung halten, ihre crème de la crème quasi. Diesmal hilft es uns wenig. Ein winziges Stück Natur, ein unsichtbarer Krankheitserreger, hat uns unter Kontrolle und nicht umgekehrt", so die Seelsorgerin. Was das mit Erntedank zu tun habe, fragte Mirjam Wunderer. "Sehr viel, denn wir Menschen sind heute wieder an diesem Fest aufgefordert, unsere manchmal doch arrogante Haltung gegenüber der Natur, der Schöpfung, nach dem Motto: Wir haben das schon alles im Griff, abzulegen. Erntedank bedeutet, nach oben zu schauen zu dem, der alles gemacht hat und bis heute erhält, um uns bewusst zu machen, dass auch wir als Menschen eben ein Teil der Schöpfung sind, nicht ihr Erfinder oder ihr Macher."

"Wir haben es nicht völlig in der Hand"

Menschen könnten und müssten arbeiten und schaffen. "Aber dass es wächst und gedeiht und dass ihr, liebe Landwirte, mit euren Familien auch den Mut zum Leben einbringt, das haben wir nicht völlig in der Hand."Dies würden Waldbauern auf bittere Weise erfahren, wenn ganze Flächen kahlgeschlagen werden müssten, weil Dürre und Borkenkäfer gemeinsam ihr Zerstörungswerk anrichten. Ebenso die Angst der Schweinehalter wegen der afrikanischen Schweinepest. Ein winzig kleiner Erreger könne die Arbeit vieler Monate oder auch Jahre zunichtemachen. Das Wetter sei nicht nur von Gott gegeben. Die Verschmutzung der Atmosphäre verändere die Temperaturen auf der Erde. "Und wenn wir es nicht bald schaffen, dies gemeinsam zu stoppen, werden vielleicht Teile unserer wunderbaren Schöpfung unbewohnbar sein", mahnte die Pfarrerin.

"Wir pflügen und wir streuen den Samen auf das Land. Doch Wachstum und Gedeihen stehen in des Himmels Hand", lautete es im Liedtext. Ob dieses schöne Lied in der modernen Welt nicht mehr zeitgemäß sei? Gott habe eine realistische Sicht auf die Menschen und ihre Macken. "So lange die Erde steht, soll nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, die Erde bebauen und bewahren. Bei diesem Auftrag müssen wir uns zusammenreißen und auch die Gefahren ernst nehmen, die der Schöpfung drohen", sagte Wunderer. "Ihr, liebe Landwirte, seid mit euren Familien ganz nah dran an diesem biblischen Auftrag. Ihr bebaut mit eurem Fachwissen und mit viel Fleiß rund um die Uhr unser schönes Coburger Land, kümmert euch um eure Tiere und stellt jeden Tag wertvolle regionale Lebensmittel für uns alle her. Ihr habt heute Grund, Gott für seinen Segen zu danken."

Mitunter gegenseitige Schuldzuweisungen

Wie werde es nach Erntedank weitergehen? Ob die Landwirtsfamilien weiterhin ertragreich arbeiten und davon leben können? Zwischen den umweltbewussten Städtern und den Menschen auf dem Land gebe es zu wenig Dialog und Verständigung. So komme es immer wieder zu gegenseitigen Schuldzuweisungen. "Ich wünsche mir, mehr miteinander zu reden, statt übereinander. Nur so werden wir es schaffen, Gottes wunderbare Schöpfung zu bewahren, Zukunftspläne und Träume junger Bauern, gut ausgebildet, gut vernetzt, die enthusiastisch ihre Arbeit und Heimat lieben. Sie sind bereit, auch neue Wege zu gehen, da bin ich mir sicher", ergänzte Wunderer. "Wir bitten dich, Herr, um Frieden, im Großen und im Kleinen. Die Corona-Krise zeigt uns, dass wir aufeinander angewiesen sind, um zu überleben. Genau wie der Klimawandel, der von uns allen in Stadt und Land ein Umdenken fordert, bevor es zu spät ist. Schenke Einsicht und Vernunft", betete die Theologin.

"Ihre Predigt hat ein bisschen unsere Seele gestreichelt", dankte Kreisobmann Martin Flohrschütz. Trotz aller Widrigkeiten sei die Ernte gut. "Unser Bauernjahr wurde natürlich auch von Corona beeinflusst sowie das soziale Leben, das Dorfleben und die Gemeinschaft." Ihrer Arbeit hätten die Landwirte nachgehen können. "Landwirtschaft gilt als systemrelevant. Und hier gerade in Krisenzeiten sorgt eine sichere Lebensmittelversorgung für Ruhe im Land. Ausreichende Nahrungsmittelversorgung trägt zum inneren Frieden bei." Flohrschütz sprach auch die Sorgen und Nöte an. Neue Verordnungen würden die landwirtschaftliche Arbeit seitens der Politik und durch die Medien nicht gerade positiv beleuchten. Zurzeit seien die Sorgen und Probleme in der Fleischbranche bis zum Erzeuger durchgeschlagen. Rote Gebiete, Düngeverordnung, Auflagen beim Bau würden die Kosten für bäuerliche Betriebe explodieren lassen. "Im Lebensmitteleinzelhandel scheinen mittlerweile alle Dämme zu brechen und die Einkäufer und der Gesetzgeber liefern sich scheinbar gerade ein Rennen um die größten Daumenschrauben für die Landwirte", sagte Flohrschütz.

Sehnsucht nach Befreiung

"Abseits aller Sorgen ist der Beruf des Landwirts immer noch einer der schönsten und vielseitigsten! Bitte lasst uns nicht nur die Nachteile, sondern auch die Vorteile unseres Berufes erkennen", wünschte Martin Flohrschütz. Und Kreisbäuerin Heidi Bauersachs fügte hinzu: "Wir sehnen uns nach Befreiung. Ich denke, das Gesellige und die Unbeschwertheit ist uns allen abhandengekommen. Die Feste auf Dörfern, feiern und lustig sein, das macht Sinn, es gehört zu unseren Dörfern und zu unserer Gesellschaft."

Musikalisch schmückte der Posaunenchor Meeder unter der Leitung von Jürgen Fischer das Fest. Nach dem gemeinsamen Vaterunser und Gottes Segen fanden die Gläubigen beim Picknick zu guten Gesprächen zusammen.