Ein 26-jähriger Coburger soll seine damalige Ehefrau gewürgt und in der Küche eingesperrt haben, so dass sie dort sogar ihre Notdurft verrichten musste: Das und weitere tätliche Angriffe, auch gegen eine andere Frau, wirft die Staatsanwaltschaft Coburg dem arbeitslosen Mann, der aus einem gutbürgerlichen Haus stammt, vor. Sie habe am Arbeitsplatz mal eine aufgeplatzte Lippe gehabt, mal Würgespuren am Hals, einmal sogar einen gebrochenen Arm, sagte die Arbeitskollegin der Frau aus. Die Zeugin wurde vom Gericht für so wichtig erachtet, dass sie aus Bangkok, wo sie derzeit ein Praktikum ableistet, eingeflogen wurde. Die junge Frau erzählte, was sie beobachtet hatte: Einmal packte der 26-jährige Coburger seine damalige Ehefrau im Zorn an den Haaren und riss sie zu Boden.

Die Ex-Ehefrau des Angeklagten, dem die Staatsanwaltschaft vorsätzliche und gefährliche Körperverletzung in Tateinheit mit Beleidigung, Bedrohung, Vergewaltigung und Freiheitsberaubung vorwirft, wollte sich zu den bereits im Jahr 2010 ereigneten Vorfällen nicht mehr äußern.

Übergriff in elterlicher Wohnung
Dafür berichtete die 20-jährige ehemalige Freundin, die den Angeklagten über eine Internetplattform kennengelernt hat, ausführlich: Die Servicekraft, die nicht aus Coburg kommt, hatte den Mann im März 2014 für je zwei Tage in der Wohnung seiner Eltern, die abwesend waren, besucht und dort auch übernachtet. Während es beim ersten Besuch auch unter dem Einfluss von zu viel Alkohol lediglich zum Streit gekommen sei, eskalierte der zweite Besuch.

Der Coburger habe wieder getrunken und sie vom Sofa gestoßen, so dass ihre Rippen geknackt hätten, sie gewürgt und mit dem Tod bedroht. "Er sagte, er gibt mir noch eine Chance", erklärte die Zeugin unter Weinen und Schluchzen, "und ich muss alles tun, was er sagt." Später habe er sich an ihr vergangen.

Der 26-jährige Angeklagte musste sich am nächsten Tag aufgrund der Vorfälle mit seiner Exfrau bei der Polizei melden und nahm die Servicekraft mit. Vor der Tür der Polizeistation misshandelte er sie noch einmal. Die junge Frau floh nicht, sondern besuchte mit dem Mann anschließend noch die Veste Coburg, ehe sie mit dem Zug nach Hause fuhr.

Liebeserklärung als E-Mail
Warum sie nicht eher geflohen sei, musste sich die Zeugin dann doch fragen lassen: "Ich war geistig woanders", antwortete sie, "und habe nur gehofft, dass das jetzt nicht die Wahrheit ist." Schon im Zug erhielt die Frau, die sich ihren Angaben zufolge in den Angeklagten "verschaut" hatte, beschwichtigende E-Mails und Liebeserklärungen. "...und wenn ich bis ans Ende der Welt laufen muss, um dir Blümchen zu pflücken", schrieb er. Nur mühsam kann das Gericht die vielen Widersprüche aufdröseln: Im zeitlichen Ablauf, bei den Inhalten der erhaltenen E-Mails und dem genauen Tathergang kam die Angeklagte aufgrund von Erinnerungslücken, wie sie sagte, immer wieder durcheinander.

In einer Klinik, die die 20-Jährige aufsuchte, stellte man Rippenprellungen fest. Nachdem sie ihrer Arbeitgeberin von dem Vorfall erzählt hatte, verständigte diese die Polizei. Außerdem nahm ein ehemaliger Freund des 26-Jährigen mit ihr Kontakt auf und warnte sie: Der Angeklagte habe in Berlin eine gemeinsame Freundin vergewaltigt. Dem Vorsitzenden Richter am Landgericht, Gerhard Amend, war das dazu anhängige Verfahren bekannt.

Aufenthalt in Psychiatrie
Der Angeklagte, der zweimal die Fachoberschule besuchte, das Fachabitur aber schließlich doch nicht absolvierte, jobbte zeitweise als Barkeeper. Nach seiner Bundeswehrzeit landete er für eineinhalb Wochen in der Psychiatrie. Sein Leben habe nur noch aus dem Konsum von Drogen bestanden, er habe eine Beziehung nach der anderen gehabt und jedes Wochenende in einer anderen Stadt gefeiert, sagte er. "Ich habe Speed, Kokain und an den Wochenenden Ecstasy genommen." Nachdem er 2009 fast an einer verunreinigten Dosis gestorben wäre, habe er mit den harten Drogen aufgehört. Auch Alkohol habe er früher regelmäßig konsumiert, jetzt allerdings nicht mehr: "Das war eine Flasche Whisky, eine Flasche Wodka pro Tag."
Ein Gutachter hakte nach: Nein, er fühle sich nicht abhängig und brauche auch keine Therapie, antwortete der Coburger. Die Vorwürfe gegen ihn bestreitet er. Er habe sich die junge Frau warmhalten wollen, erklärt er dem Gericht auf die Frage, warum er einerseits mit seiner ehemaligen Freundin schon beim zweiten Besuch Schluss machen wollte, ihr aber noch während ihrer Rückreise E-Mails mit Liebeserklärungen geschickt hat.