Mit der Einvernahme weiterer Zeugen aus dem Umfeld der Polizei versuchte sich das Amtsgericht Coburg unter Vorsitz von Richter Wolfgang Bauer ein genaues Bild zu machen über das, was in einer Oktobernacht im Jahr 2013 geschah: Ein junger Student ist Gast auf einer Studentenparty in Coburg. Dort trifft er seinen Dozenten, der in der darunterliegenden Wohnung wohnt.

Als ein Partygast in den Garten des Hochschullehrers uriniert, wird er von den beiden zur Rede gestellt. Der 23-jährige Verursacher aus Untersiemau zeigt sich uneinsichtig. Er steht unter Alkoholeinfluss - mindestens 1,24 und maximal 1,93 Promille, stellt später ein Arzt fest.

Der Mann, der ebenfalls Student ist und auch einen Nebenjob an der Hochschule hat, lässt sich Zeugenangaben zufolge nicht beruhigen. Zusammen mit seinem Freund, der ebenfalls aus Untersiemau stammt, soll er den jungen Studenten schließlich durch eine Hecke gezogen, ihn geschlagen und ihn mit Fäusten traktiert haben.
Auch wenn der Dozent eingreifen, den 24-jährigen Freund wegziehen kann und sich beide gegenseitig in den Schwitzkasten nehmen: Am Ende liegt der junge Student in einer Blutlache. Der 23-jährige Untersiemauer soll ihn mit einem Weizenbierglas, das er am Bordstein zerschlug, erheblich im Gesicht und am Auge verletzt haben.

Verletzte Hornhaut

Das Opfer, das im Prozess als Nebenkläger auftritt, erlitt mehrere Schnittwunden im Gesicht, die teilweise bis zu acht Zentimeter lang sind. Außerdem wurde die Hornhaut eines Auges irreparabel beschädigt. Eine Narbe und die Reduzierung der Sehkraft auf 80 Prozent sind die Folgen einer Tat, für die sich die beiden Angeklagten wegen gefährlicher Körperverletzung vor dem Amtsgericht in Coburg verantworten müssen.

Zwei Streifenbesatzungen, die in der fraglichen Nacht am Tatort ermittelten, versuchen, Licht ins Dunkel zu bringen: Bei der anschließenden Fahndung nach den Tätern, die sich in einem Taxi entfernen, ist eine junge Frau behilflich. Sie kennt die Täter zwar nicht mit Namen, weiß aber, wo die beiden leben.

In der Wohnung des 23-jährigen Angeklagten finden die Polizeibeamten zahlreiche Drogen und Halluzinogene auf, darunter psilocinhaltige Pilze, Marihuana und Cannabis. Deshalb muss sich der 23-Jährige zusätzlich für den unerlaubten Besitz von Betäubungsmitteln verantworten.

Die Frage des Richters, ob er ein Alkohol- und Drogenproblem habe, verneinte der junge Mann, der bisher keinerlei Einträge im Bundeszentralregister hat. "Ich trink gerne mal ein Bier und rauch' mal einen Joint, aber das hält sich im Rahmen", sagte er.

"Nicht besonders alkoholisiert"

Einer der beiden Polizisten hatte nicht den Eindruck, dass der Mann kurz nach der Tat besonders alkoholisiert gewesen sei oder erheblich unter Drogenkonsum gestanden hätte: "Die Situation war relativ entspannt", schilderte er. "Ich hatte nicht den Eindruck, dass der Mann nicht reagieren konnte."
Am 23. März wird der Prozess fortgeführt.