Viele Senioren leben mit der ständigen Furcht, sie könnten stürzen und so verletzen, dass sie ins Krankenhaus müssen. Doch: "Ein Sturz im Alter ist kein schicksalhaftes Ereignis, dem man sich unterwerfen muss", erklärt Sozialpädagogin Kristin Herbst von der Fachstelle für pflegende Angehörige, bei der Arbeiterwohlfahrt. In einem Projekt mit dem Titel "Mobil bleiben", will die Awo Ehrenamtliche aus Stadt und Landkreis zum Mobilitätspaten ausbilden. Sie sollen Senioren zeigen, wie sie auch im Alter selbständig unterwegs sein können.

Hintergrund ist die Erfahrung der Fachstelle mit Wünschen von älteren bis hochbetagten Menschen. "Sie möchten mobil bleiben, um eine Vereinsamung zu verhindern", sagt Kristin Herbst. So lange es irgendwie geht, möchten ältere Leute trotz möglicher Einschränkungen eigenständig soziale Kontakte pflegen. Sie möchten nicht ständig jemanden um Hilfe bitten müssen, wenn es um einfache Besorgungen geht.

Tatsächlich ist Kristin Herbst überzeugt: "Wer das Risiko eines Sturzes aktiv bekämpft und sich für ein altersgerechtes Training entscheidet, der kann die Gefahr eines Sturzes deutlich reduzieren." Ihnen bei diesem Training zu helfen ist Aufgabe, der Mobilitätstrainer, die die Awo nun gerne ausbilden möchte.


Mobilitätstrainer werden

Wer sich für diese Aufgabe interessiert, erhält eine kostenfreie Schulung durch Fachpersonal. Die neuen Mobilitätstrainer arbeiten dann im Team. Für ihre freiwillige Tätigkeit erhalten sie eine angemessene Aufwandsentschädigung. Nach der ersten Ausbildung gibt es Fortbildungsmöglichkeiten.

Zu den Aufgaben der neuen Mobilitätstrainer gehört dann beispielsweise, Menschen, die mit Hilfsmitteln aus einer Klinik entlassen werden, den Umgang mit diesen Hilfsmitteln, etwa einem Rollator, zu erleichtern. Sie sollen das vor Ort so lange tun, bis der Betroffene alleine zurecht kommt.

Der Grundgedanke ist dabei, dass der Einsatz der Hilfsmittel in der eigenen häuslichen Umgebung trainiert wird, also dort, wo der Senior später auch alleine unterwegs sein möchte. Wer sich auf die Ausbildung zum Mobilitätstrainer einlässt, erhält während der Ausbildung, die im März oder April dieses Jahres beginnen soll, einen Überblick über Erkrankungen, die die Mobilität des Patienten einschränken.

Er bekommt eine Einführung in die Kinästhetik (die Lehre von der Bewegungsempfindung). Er wird im Mobilitätstraining bei Demenzpatienten geschult und lernt deren Grenzen kennen. Zum praktischen Training seiner eigentlichen Aufgabe kommt eine Schulung in Kommunikation und Gesprächsführung und nicht zuletzt stehen auch Organisation und rechtliche Grundlagen auf dem Stundenplan.

Die Sturzprävention spielt nicht von ungefähr auch in der Arbeit von Dr. Wolfgang Hasselkus als Seniorenbeauftragter des Landkreises eine große Rolle. Seit Jahren organisiert er Vorträge zum Thema, bietet Training auf dem Galileo-Gerät an und rät zu so genannten Hüftschutzhosen, die Folgen eines Sturzes mindern sollen. Der Musekelabbau während der Behandlung einer Sturzverletzung im Krankenhaus mit längeren Liegezeiten, führt bei Hochbetagten oft dazu, dass die Mobilität bleibend eingeschränkt bleibt oder verloren geht. Daher sind Stürze im Alter besonders gefährlich und Präventionsmaßnahmen wie das Mobilitätstraining so wichtig.

Mehrere Kommunen im Landkreis beteiligen sich an dem Projekt "häusliche Hilfen", bei dem Helfer Senioren in ihrer Wohnung unterstützen und mit ihenen ebenfalls Mobilitätstraining durchführen.

Bei der Einführung des Projekts in Lautertal sagte Hasselkus: "Die Mitarbeiter arbeiten in der Wohnung, im und gegebenenfalls rund ums Haus, übernehmen Besorgungen und Einkäufe, begleiten zum Arzt und zur Apotheke, reden mit den Senioren und hören ihnen zu, kümmern sich um ihr leibliches Wohl; gehen mit ihnen spazieren, üben mit ihnen, wieder sicherer beim Gehen zu werden, helfen, wo nötig, in den Bereichen der persönlichen Pflege und trainieren mit ihnen die Sturzprophylaxe." Auch dort werden immer wieder Helfer gesucht.