Der Pfingstmontag ist in Coburg kein Tag wie jeder andere. Denn wenn die Dämmerung der Nacht weicht, füllt sich die Innenstadt mit einem ganz besonderen Publikum. Schaulustige und zumeist junge Demonstranten säumen den Weg, den die Teilnehmer des Pfingstkongresses des Coburger Convents (CC) Richtung Mahnstunde auf dem Marktplatz nehmen. Unübersehbar groß ist auch in diesem Jahr das Polizeiaufgebot, das schon lange vor Beginn des CC-Fackelzugs zur Feierstunde auf dem Marktplatz Position bezogen und die Straßen zur Altstadt abgesperrt hat.

Trillerpfeifen und wummernde Bässe

An der Angerkreuzung ist die erste Proteststation der CC-Gegner aufgebaut. Trillerpfeifen werden ausprobiert, wummernde Bässe empfangen den Fackelzug, der sich schräg gegenüber formiert. Gegen Dreiviertelelf setzt sich der Fackelzug schließlich in Bewegung, musikalisch angeführt vom Stadtspielmannszug.


Unmissverständliche Botschaften auf Transparenten


Schon in der Viktoriastraße empfängt die Marschierenden die nächste Demonstrantengruppe - ebenso lautstark wie am Anger und mit unmissverständlichen Botschaften auf Transparenten: "Herrschaft, kein Grund zu feiern" steht zu lesen, dazu die Forderung: "Studentische Verbindungen auflösen."


Was hat die Bücherverbrennung der Nazis mit dem Fackelzug in Coburg zu tun?


Am Gräfsblock läuft derweil eine Video-Endlosschleife, die eine Verbindung herstellen will zwischen den Bücherverbrennungen der Nazis und der Symbolik eines nächtlichen Fackelzugs durch die Coburger Innenstadt. Der Verein "Alternative Kultur Coburg" lässt mit dieser Videobotschaft keinen Zweifel an seiner ablehnenden Haltung dem CC gegenüber: "Wir sind hier, um den CC an die Verbrechen ihrer damaligen Verbandsbrüder zu erinnern."


Die marschierenden CC-Vertreter hören freilich nicht nur Pfiffe und Proteste, sondern da und dort auch vorsichtigen Beifall. Am Marktplatz, wo sich die Cafés über guten Besuch zu später Stunde freuen können, sind dann zwischen Schaulustigen und Sympathisanten auch vereinzelt unverkennbar rechtsradikale Botschaften zu erkennen - als Aufdruck auf T-Shirts.

In seiner Rede vom Rathausbalkon stellt Volker Thien von der Präsidierenden Alemann-Palatia zu Erlangen-Nürnberg den Begriff Freiheit in den Mittelpunkt: "Unter Freiheit verstehen wir hierbei Meinungsfreiheit, Pressefreiheit, Religionsfreiheit, Versammlungsfreiheit, Schutz von Minderheiten und des Individuums und die Gleichberechtigung der Geschlechter."



Freiheit in diesem Sinne heiße eben auch Glaubensfreiheit. Thien erinnerte an Friedrich den Großen, der vor einem Vierteljahrtausend sagte: "In meinem Staate kann jeder nach seiner Fasson selig werden!" Dies gelte "natürlich auch für Menschen anderer als der christlichen Glaubensrichtung - allerdings nur dann, wenn darauf geachtet wird, dass die persönliche Freiheit an der Freiheit des Mitmenschen endet."


Hunderte von Fackeln, die traditionell in das abgesperrte Karree rund um das Albert-Denkmal geworfen werden, hüllen mit ihrem Qualm nach und nach fast den ganzen Marktplatz ein. Der anschließende "Große Zapfenstreich", gemeinsam vom Stadtspielmannszug und der Stadtkapelle intoniert, samt folgender Nationalhymne ist in diesem Jahr noch nicht das Signal für das Finale.
Zum Jubiläum "150 Jahre Coburger Convent" werden die Abzeichen der im Coburger Convent vereinten akademischen Landmannschaften und Turnerschaften in einer animierten Präsentation auf die Rathaus-Fassade projiziert.


Der endgültige Ausklang kurz nach Mitternacht aber gehört dann wieder dem Coburger Marsch, der den Abmarsch der Chargierten untermalt.