Eine barrierefreie Burg? Eigentlich ein Widerspruch in sich: So eine Burg sollte eine möglichst große Barriere darstellen. Dass sie dereinst von Massen friedlicher Touristen erobert werden würde, die aber auch mit Gehhilfe oder Rollstuhl überall hinkommen möchten, daran haben weder die mittelalterlichen noch die neuzeitlichen Erbauer der Veste Coburg gedacht. Immerhin wird die Burg nun mit ihrem neuesten Museumsteil barrierefrei: Neben dem Bulgarenturm entstand ein neuer Eingangsbereich mit Treppenhaus für die gedeckte Batterie, die - grob gesagt - den Bereich über dem Hauptportal einnimmt. Dort stehen die Kanonen, die zum Bestand der Kunstsammlungen auf der Veste gehören, und ab 13. Juli werden sie wieder der Öffentlichkeit präsentiert.


Kanonen in Aktion

Noch ist einiges zu tun unter dem hölzernen Dachstuhl: Es sind noch nicht alle Lampen da, einige Kabel hängen frei herunter, und all die Beschreibungen und die kleineren Ausstellungsstücke fehlen noch. "Wenn die Lampen erst mal installiert sind, geht das alles ganz schnell", verspricht Klaus Weschenfelder, der Direktor der Kunstsammlungen. Die Vitrine, die Justiergeräte, Munition und andere Kleinteile aufnehmen soll, steht jedenfalls schon bereit. Sie wird sogar klimatisiert - unter den Gefrierpunkt darf die Temperatur in der Vitrine nicht sinken; wenn es wärmer ist, mache das den Ausstellungstücken darin weniger aus als Kälte, versichert Weschenfelder.
Die Kanonen stehen weiterhin lediglich unter Dach, vor Nässe und Schnee geschützt. Die gedeckte Batterie behält ihren Charakter als offener Wehrgang. Verteidigungszwecken diente sie nie: Bodo Ebhardt, der 1909 bis 1923 die Veste Coburg sanierte und umbaute, plante sie von vornherein als historisierendes Schaustück. Denn bei einer echten Wehranlage wären die Schießscharten wohl kaum auf die Stadt beziehungsweise die Herzogliche Hauptverwaltung ausgerichtet gewesen. Trotzdem könne man hier einiges zeigen, was zu einer Burg einst gehörte, sagt Weschenfelder und nennt Dinge wie Schießerker. "Wo wurde was rausgeworfen, wo wurde was hochgezogen", beschreibt er die Funktionen, die die verschiedenen Öffnungen im Mauerwerk in einer Verteidigungsanlage hatten.
Die Burg selbst wurde schon im 16. Jahrhundert entmilitarisiert - die damals vorhandenen Kanonen kamen weg. Kurfürst August von Sachsen ließ die meisten von ihnen nach Leipzig bringen. Was sich heute auf der Veste befindet, stammt frühestens aus dem 18. Jahrhundert und war meist Kriegsbeute. Ohnehin handele es sich hauptsächlich um Feldgeschütze und nicht um fest stationierte, sagt Weschenfelder. "Man darf ja nicht vergessen, dass das alles Mordinstrumente waren." Deshalb werden die Kanonen nicht einfach nur ausgestellt, sondern es wird (per Film) auch gezeigt, wie und wofür sie benutzt wurden. Die Mannschaft, die eine Kanone bediente, hatte genau verteilte Aufgaben. "Der eine putzt, der andere lädt, der dritte verdichtet, der vierte zündet, und einer gibt das Kommando", erläutert Weschenfelder.


Einst Kaffeeterrasse

Doch die Kanonen sind nicht das einzige, was die Gedeckte Batterie zu bieten hat. Von hier aus eröffnen sich auch Ausblicke über die Stadt und in Richtung Süden sowie in die beiden Burghöfe. "Früher befand sich hier die Kaffeeterrasse des Restaurants", erläutert Weschenfelder. Als Bodo Ebhardt 1909 hier mit der Umgestaltung begann, gab es vor allem deshalb heftige Diskussionen in Coburg. Die Vestestädter fürchteten nämlich, dass die Burg nicht mehr zugänglich sein würde, wenn erst einmal die Restauration nach außen, vors Tor verlegt würde.


Das Artilleriemuseum auf der Gedeckten Batterie Eröffnung Am Freitag, 14. Juli, 13.30 Uhr, mit Bayerns Finanzminister Markus Söder (CSU), zu dessen Haus die Bayerische Schlösserverwaltung gehört.

Kosten Den Bau des Treppenaufgangs mit Lift finanzierte die Schlösserverwaltung. Die Einrichtung des Artilleriemuseums schlug mit 330 000 Euro zu Buche. Dafür gab es Fördermittel aus dem Leader-Programm der EU (rund 180 000 Euro); etwa 150 000 Euro brachten die Kunstsammlungen mit Hilfe von Sponsoren und Förderern auf: 50 000 Euro kamen von der VR-Bank Coburg, weitere Mittel von der Oberfrankenstiftung, der Niederfüllbacher Stiftung, der Sparkassenstiftung sowie aus dem Etat der Kunstsammlungen (etwa zehn Prozent).

Museumsteile Das Artilleriemuseum ist Teil eines größeren Erneuerungs- und Erweiterungsplans der Kunstsammlungen. Umgesetzt wurde schon die neue Dauerausstellung der altdeutschen Sammlung (gefördert von der HUK-Coburg), 2018 soll die neue Ausstellung der Glassammlung eröffnet werden. Hier ist die Firma Kapp der Hauptsponsor.

Landesausstellung Die vorgesehenen Räume für die Glassammlung sind derzeit noch von der Landesausstellung "Ritter, Bauern, Lutheraner" belegt (bis 4. November). sb