Wo andere entspannen, hat er gespannt: Ein 55-Jähriger fertigte in der Therme Obernsees (Landkreis Bayreuth) heimlich Videoaufnahmen an. Er filmte sowohl im Sauna-Areal als auch im Whirlpool draußen nackte Gäste. Der Mann flog auf, als Besucher ihn beim Hantieren mit seiner Mini-Kamera beobachteten und Badmitarbeiter alarmierten. Die wiederum riefen die Polizei.

Die Beamten kassierten den 55-Jährigen samt Kamera und Videochip ein. Seine Aufnahmen hat der Hobbyfilmer nie zu Gesicht bekommen, die Gerätschaften wurden konfisziert.

Persönlichkeitsrechte verletzt

Vor dem Bayreuther Amtsgericht räumte der Mann nun alles ein. Er sagte aus, er habe nie vorgehabt, die Bilder ins Internet zu stellen. Er habe lediglich ausprobieren wollen, ob seine Kamera auch unter Wasser filmen könne, was ihm Richterin Kerstin Kayser aber nicht abkaufte.
Der Beschuldigte kam mit einer Geldauflage davon. Der Vorwurf: Verstoß gegen Paragraf 201a Strafgesetzbuch, "Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen".

Das Gesetz gibt dafür als Strafrahmen Geldstrafen oder eine Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr vor. Allerdings gibt es offenbar unterschiedliche Interpretationen, welcher persönliche Lebensbereich besonders schützenswert sei - und ob eine Sauna beispielsweise explizit dazu zählt. In der Rechtsprechung gibt es dazu ein Urteil des Oberlandesgerichts Koblenz: Paragraf 201a soll "Menschen an ihrem letzten Rückzugsort schützen". Die Juristen zählten eine Sauna nicht dazu. Amtsrichterin Kayser ergänzte: Wer sich in die Öffentlichkeit begebe, müsse damit rechnen, fotografiert oder gefilmt zu werden - auch gegen den eigenen Willen.

Was ist mit Handy-Fotos?

Der juristische Sachverhalt hat zusätzliche an Brisanz gewonnen durch den massenhaften Einsatz von Fotohandys beispielsweise auf Schulhöfen, in Umkleidekabinen oder Toiletten. Die Technik verleite vor allem Kinder und Jugendliche zum Anfertigen heimlicher Aufnahmen.

Journalisten äußern Bedenken

Letztlich betrifft der Paragraf 201a sogar das Arbeitsfeld von Journalisten. Medienrechtler hatten sich deshalb bereits während des Gesetzgebungsverfahrens vergeblich bemüht, den sogenannten Paparazzi-Paragraf zu verhindern. Enthüllungsjournalist Hans Leyendecker von der Süddeutschen Zeitung etwa monierte, die Regelung treffe den "Undercover-Journalismus im Kern". Journalisten, die im Zuge der Aufklärung von Missständen unerkannt und mit versteckter Kamera filmen, machten sich nun auf Grund der veränderten Rechtslage womöglich strafbar.