• Unternehmen in Oberfranken "erheblich unter Druck": IHK-Blitzumfrage mit ernüchterndem Fazit
  • "Betrifft praktisch alle Branchen": Pandemie und Krise setzen Betrieben stark zu
  • Massive Probleme bei Lieferketten und Gas: Regionale Wirtschaft leidet unter Folgen
  • "Verteidigen uns in einem Wirtschaftskrieg": IHK-Präsident mit eindringlichem Appell

An etlichen Unternehmen in Oberfranken gehen Corona-Pandemie, Rohstoffmangel und Energiekrise alles andere als spurlos vorbei. Dies zeigt eine Blitzumfrage der IHK für Oberfranken Bayreuth. Die oberfränkische Wirtschaft sei "erheblich unter Druck", berichtet die Industrie- und Handelskammer in einer Pressemitteilung vom Donnerstag (28. Juli 2022).

IHK Oberfranken: Teils immense coronabedingte Ausfälle in Unternehmen

"Aktuell hat man in der öffentlichen Wahrnehmung den Eindruck, dass Corona ein Thema ist, das nur nebenher läuft", erklärt Michael Waasner, Präsident der IHK für Oberfranken Bayreuth. "Tatsächlich ist Corona aber mitten unter uns, wie die meisten Unternehmen an den Personalausfällen spürbar merken." Bei nicht weniger als 74 Prozent der befragten Unternehmen seien aktuell die Betriebsabläufe von coronabedingten Personalausfällen beeinträchtigt. Bei der Industrie liege der Anteil sogar bei 80 Prozent, gefolgt vom Bereich Handel/Tourismus (72 Prozent) und den Dienstleistungen (69 Prozent).

Die Auswirkungen von Corona reichen laut Angaben der IHK Oberfranken so weit, dass ein Viertel aller Unternehmen aktuell gezwungen sei, sogar organisatorische Einheiten stillzulegen. Hier seien Dienstleistungsbetriebe leicht überproportional betroffen. "Diese Ausfälle machen unseren Unternehmen schwer zu schaffen", betont der IHK-Präsident "Produkte, die nicht hergestellt werden, Filialen oder inhabergeführte Geschäfte und Dienstleistungsbetriebe, die geschlossen bleiben, Lkw und Busse, die auf dem Hof stehen bleiben, sind die Konsequenz."

"Für den kommenden Herbst erwarten wir wieder stärkere Einschränkungen durch Maßnahmen der Politik", teilt Waasner mit. "Diese sollten aber nicht nach dem inzwischen bekannten Schema erfolgen, dass dienstags Verordnungen angekündigt, in der Nacht von Freitag auf Samstag in Kraft treten und bereits Montag früh von den Unternehmen umzusetzen sind."

Viele Unternehmen beklagen unterbrochene Lieferketten

Immer mehr Unternehmen sind laut Schilderung der IHK erheblich von unterbrochenen Lieferketten oder Rohstoffmangel betroffen. "Dies betrifft längst praktisch alle Branchen, vor allem die Industrie, aber auch Handel und Tourismus", heißt es in der Pressemitteilung der Kammer. Waasner hält hierzu fest: "Immer häufiger stehen deswegen Bänder still, bleiben Regale leer oder ist die Speisekarte ausgedünnt."

In sehr vielen Fällen müsse für Rohstoffe und Vorprodukte auch mehr bezahlt werden. "Oft sogar spürbar mehr", betont der IHK-Präsident. "Für Volumenartikel im Stahlbereich das Zwei- bis Dreifache, für Halbleiterchips auch mal weit darüber." 62 Prozent aller Unternehmen seien von Preissteigerungen erheblich betroffen, weitere 31 Prozent zumindest teilweise. Besonders in der Industrie, aber auch im Handel und Tourismus, hätten Unternehmen mit Preissteigerungen immens zu kämpfen - hier liege der Anteil bei 78 und 70 Prozent.

"Nicht überraschend" sei es deshalb, dass sich vier von fünf Unternehmen nach Alternativen bei Lieferketten und Bezugsquellen umschauten. Allerdings sehe die Hälfte davon keine realistische Möglichkeit, kurzfristig neue Lieferketten aufzubauen.

Gasknappheit: Auswirkungen auf Geschäftstätigkeit befürchtet

Zu coronabedingten Ausfällen, unterbrochenen Lieferketten und drastisch steigenden Preisen kommt der IHK zufolge noch eine drohende Gasknappheit dazu. 67 Prozent der Unternehmen rechneten hier mit Beeinträchtigungen, darunter 27 Prozent mit erheblichen Beeinträchtigungen. Weitere sieben Prozent befürchteten sogar, ihre Geschäftstätigkeit in den kommenden Monaten komplett einstellen zu müssen.

In der Industrie liege der Anteil der Unternehmen, die mit erheblichen Einschnitten rechnen, sogar bei 40 Prozent. Hier seien es außerdem 7 Prozent, die einen vollständigen Produktionsstopp nicht ausschließen.

Viele Unternehmen arbeiten laut Schilderung der oberfränkischen Industrie- und Handelskammer "an Absicherungsstrategien für den Fall einer Gasknappheit", etwa einem "fuel switch", also der Nutzung von Kohle oder Öl als Gasersatz, und prüfen Energieeinsparungen oder andere Maßnahmen. 40 Prozent der Befragten erarbeiteten bereits Absicherungsstrategien. Weitere 35 Prozent hätten ihre Optionen geprüft, sähen aber keine realistischen Umsetzungsmöglichkeiten.

"Verteidigen uns in einem Wirtschaftskrieg": IHK-Präsident mit eindringlichem Appell

Hier sei die Politik gefordert, alle Möglichkeiten zu nutzen, um die Energiespeicher zu füllen sowie Gas zur Stromproduktion bis auf Weiteres durch Kohle oder Atomkraft zu ersetzen. "Wenn Unternehmen in dieser Krisensituation Gas kurzfristig durch Öl oder Kohle ersetzen wollen, dürfen ihnen den Unternehmen außerdem keine Steine in den Weg gelegt werden", fordert Waasner.

Ihm zufolge müsse bei Erteilung nötiger immissionsschutzrechtlicher Genehmigungen die aktuelle Notlage berücksichtigt werden. "Wir verteidigen uns in einem Wirtschaftskrieg", hält der IHK-Präsident fest.

Aktuell gebe es "extrem viele Herausforderungen" für die Unternehmen. "Lassen Sie uns diese lösen, indem wir unsere Chancen unbürokratisch nutzen" appelliert Waasner an Politik und Verwaltung.

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