Wohnen auf engstem Raum in kleinen Häusern: Ein Trend, der aus Amerika stammt und nun auch im Kreis Bamberg angekommen ist. Die Pettstadterin Ursula Schlicht hat ein solches kleines Haus gekauft. Allerdings nicht, um selbst darin zu wohnen.Bunte Wimpel wehen neben einem winzigen, roten Holzhäuschen. "Emma" steht neben der länglichen Tür an der Front. Davor eine winzige Veranda mit weißem Geländer. Inmitten eines Pettstadter Wohngebiets steht das auffällig kleine, schwedisch anmutende Häuschen. 23 Quadratmeter beträgt die Wohnfläche. Das sogenannte Tiny House (engl.: winziges Haus) hat Ursula Schlicht seit Ende Mai in Betrieb.

Die 49-Jährige wohnt nicht selbst darin, sondern vermietet es. Sie wohnt nebenan auf rund hundert Quadratmetern. Eine Alternative wäre das kleine Haus für die Pettstadterin aber allemal. Etwas reduzieren müsste sie ihren Hausstand dann allerdings.

Das Tiny House hat einen großzügigen Schlafbereich mit einem 1,80 Meter breiten Bett - direkt unter dem Dach der fahrbaren Unterkunft. Über eine schmale Leiter führt der Weg dort hoch. Darunter befindet sich ein winziges Badezimmer. Bei der Ausstattung fehlt nichts, wenn auch die Größe reduziert ist: Trenntoilette, Dusche, Waschbecken und sogar ein kleines Fenster finden sich im Bad.

15 bis 45 Quadratmeter

Aber was sind eigentlich Tiny Houses? Eine festgelegte Definition gibt es nicht. Die Wohnfläche solcher winzigen Häuser beträgt aber in der Regel zwischen 15 und 45 Quadratmetern. In den USA gibt es bereits seit einigen Jahren die kleinen Häuser auf Rädern .

Solche Häuser, die an Fahrzeugen gezogen werden können, "dürfen maximal zwölf Meter lang, 2,55 Meter breit und vier Meter hoch sein. Die zulässige Anhängelast des Zugfahrzeuges darf nicht überschritten werden", erklärt Karsten Graef vom Tüv. Der Sachverständige rät: "Wer sein Tiny House selbst bauen will, sollte sich im Vorfeld intensiv mit den Vorgaben auseinandersetzen und bestenfalls vorher Kontakt mit der örtlich zuständigen Tüv-Prüfstelle aufnehmen." Denn wenn das Tiny Haus selbst gebaut wurde, ist eine Einzelbetriebserlaubnis des Tüvs nötig. Und auch, "wenn es sich um Einzelanfertigungen eines Herstellers handelt, die nicht einem genehmigten Typ entsprechen", sagt Graef.

Für das kleine Haus benötigt Schlicht keinen Eigentümernachweis: Stattdessen aber einen Fahrzeugbrief und -schein. Laut Graef ist "für den Transport eines Tiny Houses im Straßenverkehr in der Regel mindestens ein Führerschein der Klasse BE (alte Klasse 3) nötig". Zwar ist die Behausung in der Theorie fahrbar, aber praktisch ist es Schlicht zufolge nicht: Mit den Maßen von knapp zweieinhalb Metern in der Breite und 7,20 Metern in der Länge kann das Tiny House auf deutschen Straßen gezogen werden. Doch die Höhe von 3,99 Metern stelle Schlicht zufolge oftmals ein Problem dar, um das Eigenheim zum Camping mitzunehmen. Das Problem: Häufig liege die Stromversorgung auf Campingplätzen überirdisch.