Vor der "Wolfsschlucht" spielen Kinder, zwei Jungs. Sie fahren mit ihren Rollern im Hof herum, weil der Schotter der Wege im Hain zwischen den Rädern knirscht. Wer vorbei läuft, wird mit einem Grinsen und "Hallo" begrüßt. Dann unterhalten sich die beiden in einer anderen Sprache weiter.

Es sind wohl die Kinder von Asylbewerbern, die derzeit in der sanierungsbedürftigen Jugendherberge untergebracht sind. Der Stadtrat hatte sich im vergangenen Dezember dazu durchgerungen, das Gästehaus übergangsweise für drei Jahre als Flüchtlings-Unterkunft zu nutzen - mangels Alternativen.

Eine solche bietet sich vielleicht schon bald: Bereits im Sommer könnten 20 zusätzliche Plätze im Haus Ludwigstraße 14 für Asylbewerber geschaffen werden. Das Nachbarhaus mit der Nummer 16 wird bereits als Flüchtlingsunterkunft genutzt. Die Regierung von Oberfranken möchte aus beiden eine Gemeinschaftsunterkunft machen.

7380 Unterschriften

Unabhängig davon hatte der fraktionslose Stadtrat Norbert Tscherner (Bamberger Bürger Block) mit seinen Mitstreitern Andreas Distler und Richard Schmitt (beide BBB) Unterschriften für ein Bürgerbegehren gesammelt. "Sind Sie dafür, dass die Jugendherberge Wolfsschlucht ab sofort ununterbrochen von Kindern und Jugendlichen weitergenutzt wird?", lautete die Frage auf dem Bogen. Die Antwort waren 7380 Unterschriften, gesammelt in zwei Monaten. Nötig gewesen wären 3280. Zwar dürften unter den Namen auch die einiger nicht abstimmungsberechtigter Landkreisbewohner gewesen sein. Die Hürde nahm das Bürgerbegehren dennoch locker.

Anfang April reichten die Initiatoren den Packen fristgerecht bei Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD) ein. Der rief am 30. April den Ältestenrat und die Initiatoren des Bürgerbegehrens zu einem gemeinsamen Gespräch zusammen. Der Grund: Es sollte eine Regelung für die Wolfsschlucht gefunden werden, mit der man sich ein Bürgerbegehren sparen kann. Und tatsächlich: Nach einigen Diskussionen einigten sich die Beteiligten, diese Woche stimmte auch der Stadtrat den Verhandlungsergebnissen einstimmig zu.

Die Wolfsschlucht bleibt eine Jugendeinrichtung, offen ist allerdings noch, in welcher Form. Zur Diskussion stehen die Varianten "Jugendherberge", "Schullandheim" und "Jugendgästehaus". Außerdem wurde ein Bamberger Architekturbüro mit der Planung und Kostenberechnung beauftragt. Die Ergebnisse sollen im September dem Stadtrat vorgestellt werden, die genaue Finanzierung und der Zeitplan stehen dann im Dezember in den Haushaltsberatungen an.

Schwarz auf weiß steht nun zudem, dass die Verwaltung einen zügigen Beginn der Sanierung für Anfang 2014 zusichert. Für diese hat die Stadt erst vor kurzem 750.000 Euro als zweckgebundene Sonderrücklage auf die Seite gelegt.

60.000 Euro für Asyl-Sozialarbeit

Auf ein positives Echo stieß eine Idee von Andreas Starke: Er hatte in der Sitzung des Ältestenrates vorgeschlagen, die 60.000 Euro, die man durch einen Verzicht auf das Bürgerbegehren sparen könnte, stattdessen in die Asyl-Sozialarbeit zu stecken.

In der folgenden Stadtratssitzung war Ursula Sowa, Fraktionsvorsitzende der GAL, von dieser Idee angetan. "Es ist sehr erfreulich, dass wir die 60.000 in die Asyl-Sozialarbeit stecken. Sie sind dort bitter notwendig." Bei dem Betrag handelt es sich allerdings um eine freiwillige Leistung, die die Regierung von Oberfranken noch genehmigen muss. "Deswegen bitte ich um den Einsatz des Oberbürgermeisters", betonte Sowa.

Der nickte, sagte aber auch mit Blick auf die Zukunft, dass der Flüchtlingsstrom aus der ehemaligen Sowjetunion noch weiter anhalten werde. Deswegen forderte die fraktionslose CSU-Stadträtin Daniela Reinfelder auch, dass man sich weiterhin auf die Suche nach Kapazitäten zur Unterbringung der Flüchtlinge machen müsse. Auch Heinz Kuntke (SPD) sagte: "Wir müssen den Menschen in Not unter die Arme greifen." Er sprach bei der Einigung zur Zukunft der Wolfsschlucht von einem "Weg der Vernunft", eine Formulierung, die auch Ursula Sowa (GAL) aufgriff.

CSU-Fraktionsvorsitzender Helmut Müller freute sich, dass man ein "Kleinod" erhalten könne. Aus der Ecke der Freien Wähler kam allerdings Kritik von Dieter Weinsheimer: "Das Verhalten von Norbert Tscherner hat sein tiefes Misstrauen gegenüber der Stadt deutlich gemacht. Ich hoffe, dass er davon nun geheilt ist."

Tscherner selbst bedankte sich, dass man sich schließlich hatte einigen können. "7300 Unterschriften sind eine stattliche Zahl", betonte er. Mit Nachdruck wies er aber auch darauf hin, dass er ausländerfeindliche Anschuldigungen nicht auf sich sitzen lasse. Er setze sich hier für ein Haus für Kinder und Jugendliche ein.

Die sind trotz der vorübergehenden Umnutzung offenbar nicht ganz aus der Wolfsschlucht verschwunden. Es dürften die Kinder von Asylbewerbern sein, die vor dem Haus tollen - und hin und wieder Spaziergänger grüßen.