"Wenn jemand die Unterkunft für Asylbewerber anzündet, zündet er wirklich und wahrhaftig den Stall von Bethlehem an, die Notunterkunft Gottes in dieser Welt bei seiner Menschwerdung." Mit diesen Worten brachte Weihbischof Herwig Gössl am Dienstagabend seine Empörung über den Brandanschlag in Vorra zum Ausdruck. Wer "Menschen, die häufig ohne Hab und Gut aus ihren Häusern verjagt wurden, die monatelang obdachlos durch die halbe Welt irrten, deren Familien manchmal bestialisch ermordet worden waren oder im Mittelmeer ertrunken sind, Menschen, die höchst traumatisiert hier ankamen und nun endlich meinten, dass sie hier in Sicherheit sind," so etwas antue, begehe ein Verbrechen nicht nur gegen Menschen, sondern auch gegen Gott. Denn Gott binde sich in seiner Menschwerdung ganz an den Menschen, ganz besonders an den Menschen in Not. Er identifiziere sich mit den Armen und Drangsalierten auch unserer Zeit, "und wer ihre Not nicht sieht oder sogar vergrößert, versündigt sich gegen Gott."

Gössl sagte dies in seiner offiziellen Antrittsrede als Erster Vorsitzender des Caritasverbandes für die Erzdiözese Bamberg. Dieses Amt hat der Bamberger Weihbischof zum 1. September übernommen. Jetzt fand im Bistumshaus in Bamberg die Verabschiedung seines Vorgängers, Monsignore Edgar Hagel, statt.

Dankmedaille in Silber

Als Anerkennung für seine sechsjährige Tätigkeit an der Spitze des katholischen Wohlfahrtsverbandes erhielt Hagel aus den Händen von Erzbischof Ludwig Schick und Diözesan-Caritasdirektor Gerhard Öhlein die Dankmedaille in Silber des Deutschen Caritasverbandes. Öhlein würdigte, dass Hagel sich gerade um das christliche Profil der Caritas verdient gemacht habe. In Predigten und Meditationen habe er das Leitbild der Caritas thematisiert. Mit "Hingabe, Engagement und Einfühlungsvermögen" sei er den Bedürftigen und Schwachen ein Seelsorger, den haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitern der Caritas ein spiritueller Begleiter gewesen.

Oberfrankens Regierungspräsident Wilhelm Wenning (CSU) stellte besonders heraus, dass der Caritasverband für die Erzdiözese Bamberg unter Hagels Leitung stets rasch auf aktuelle Nöte reagiert habe. Neben der Übernahme und dem Neubau mehrerer Pflegeheime und beruflicher Schulen für Altenpfleger und Erzieherinnen erwähnte er besonders die Unterbringung unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge: "Durch den schnellen und qualitativ hochwertigen Aufbau von Jugendwohngruppen ist es gelungen, dass wir den gegenwärtigen Ansturm Zuflucht suchender Jugendlicher bewältigen konnten."

Der evangelisch-lutherische Dekan von Bamberg, Hans-Martin Lechner, nannte Hagel im Namen der Bamberger Wohlfahrtsverbände einen "Wegbereiter für die Taten der Liebe Gottes".

Hagel selbst bewertete sein Wirken ganz bescheiden. Als ihn Erzbischof Schick 2008 als Nachfolger von Weihbischof Werner Radspieler zum Vorsitzenden des Diözesan-Caritasverbandes bestellt habe, habe er von der Arbeit der Caritas keine genauere Kenntnis gehabt. Hagel hatte nach seiner Priesterweihe 1972 vor allem als Religionslehrer gearbeitet und zuletzt von 2001 bis zu seiner Pensionierung das Maria-Ward-Gymnasium in Bamberg geleitet. Ein Jahr lang habe er in den Besprechungen gefragt, was all die Abkürzungen bedeuten, erzählte er und scherzte: "Eigentlich wollte ich schon ein kleines Lexikon schreiben." Er habe sich als Interims-Vorsitzender gesehen, da der Vorsitz im Diözesan-Caritasverband traditionell dem Weihbischof zustehe. Nachdem mit Herwig Gössl seit diesem Jahr wieder einen jungen Weihbischof gebe, habe er selbst den Erzbischof gebeten, diesen zu seinem Nachfolger zu ernennen.

Arbeit vor Ort bündeln

Als sein großes Anliegen bezeichnete es Hagel, die Wurzeln der Caritas in den Kirchengemeinden zu stärken. Verbandliche Caritas und Pfarr-Caritas drifteten zu sehr auseinander: "Es muss für beide Seiten ein wichtiges Anliegen sein zusammenzuarbeiten." Diesen Gedanken griff auch Weihbischof Herwig Gössl auf. "Es muss in jedem Pfarrgemeinderat oder wenigstens in jedem Seelsorgebereich einen Sachausschuss für caritative und soziale Aufgaben geben", forderte er und beschrieb dessen Aufgabe darin, die vielfältige caritative Arbeit vor Ort zu bündeln und weiter zu entwickeln. Hagel hatte in seiner Amtszeit ein Projekt auf den Weg gebracht, in dem eine engere Vernetzung an fünf Standorten in Emskirchen, Gremsdorf, Hersbruck, Neunkirchen am Brand und Redwitz modellhaft erprobt wird.