Neue Möglichkeiten tun sich für die Bewohner und Besitzer historischer Bausubstanz, aber auch für die Gemeindeverwaltung in Ebrach auf: Für den sogenannten Klosterbauernhof, ein hufeisenförmiges und denkmalgeschütztes Ensemble an der Hauptstraße, wird ein Bebauungsplan aufgestellt. Auslöser dafür war die Bauvoranfrage eines Gewerbetreibenden, der bei den Genehmigungsbehörden auf Widerstand gestoßen war. Grund: Wenn, dann wollen die Behörden hier insgesamt eine geordnete und denkmalschutz-verträgliche "Entwicklung". Das Mittel der Wahl - ein Bebauungsplan. Damit könnte nicht nur dem Metzger, sondern allen im Bereich des Ensembles geholfen werden.

Gebäude, Ställe, Scheunen

Das Areal des ehemaligen Klosterbauernhofes, der im ersten Drittel des 18.
Jahrhunderts zur Versorgung des einstigen Zisterzienser-Klosters erbaut worden war und aus einer Reihe von Gebäuden, Ställen und Scheunen konzipiert ist, erstreckt sich über eine Fläche von 1,6 Hektar.

Die Fläche wird im Süden von der Bamberger Straße, im Norden von der Lagerhausstraße, im Osten von der Neudorfer Straße und im Westen von der Orangerie begrenzt. Insgesamt 47 Grundstücke und 40 Anlieger. Einer davon ist die Gemeinde mit ihrem Verwaltungssitz selbst. Ein anderer ist der Metzger Horst Mayer. Der Antragsteller besagter Bauvoranfrage.

Er kennt die Herausforderungen, die denkmalgeschützte Gebäude mit sich bringen. Gerade auch als Geschäftsmann. Er betreibt seine Metzgerei an der Ebracher Hauptstraße in vierter Generation. Das soll möglichst auch in der fünften so bleiben. Eigentlich scheinen die Weichen dafür gestellt: Einer der Söhne ist 26 Jahre jung und seinerseits Metzgermeister. Mit dem Baumwipfelpfad tun sich neue Möglichkeiten auf, meint der Seniorchef.

Was ihn vor Probleme stellt, sind allerdings die Umstände, unter denen der Betrieb laufen muss: In relativ beengten Verhältnissen, die sein denkmalgeschütztes Haus im Ensemble Klosterbauernhof mit sich bringt. Wegen der äußerst schmalen Einfahrt ragen Verkaufs- und Kühlanhänger jedes Mal beim Be- und Entladen auch teilweise in die Hauptstraße hinein. Deswegen wäre es günstiger, von der Bauernhofstraße her eine Zufahrt zu haben.

Aber nicht nur das. Mayer muss nun auch diverse Auflagen erfüllen, neue Sozialräume schaffen. Immerhin hat der Betrieb zehn Beschäftigte. Eine Auslagerung, also ein Neubau an anderer Stelle wäre zu teuer, erklärt der 54-Jährige. "Dann müsste die Traditionsfirma schließen", steht für ihn fest. Deswegen hat er die Bau-Voranfrage für den rund 70 Quadratmeter großen Anbau im hinteren Bereich gestellt.

Der Ebracher Gemeinderat hatte prinzipiell nichts dagegen und leitete die Anfrage an die Genehmigungsbehörde weiter. Wegen des besonderen historischen Ensembles war der Denkmalkschutz nicht einfach so einverstanden, zumal sich daraus auch andere Ansprüche ableiten lassen könnten.

Das Amt wünscht eine geordnete Bebauung mit entsprechenden Vorgaben "was wo und wie gebaut werden darf", macht dazu Walter Hanslok von der Gemeindeverwaltung deutlich. Das aus Sicht der Verwaltung wie auch des Marktgemeinderates beste Mittel dazu bildet ein Bebauungsplan. Einen solchen hat es logischerweise zur Zeit des Baues nicht gegeben.

Planungssicherheit

Ein Bebauungsplan soll dann auch den Immobilienbesitzern sozusagen Planungssicherheit geben. Damit sie wissen, was wo unter welchen Umständen möglich ist. Etwa der Zugang zu den Scheunen nun auch von hinten, also von der Lagerhausstraße her, oder die Nutzung der Gärten. Der Bebauungsplan birgt Chancen für mit dem Denkmalschutz abgesprochene Nutzungen.

Eine Hoffnung der Marktgemeinde ist auch die, dass man auf diese Weise einem weiteren Verfall vorbeugen kann. Eine andere besteht darin, dann eventuell am Rathaus einen Aufzug anbauen zu können.

Damit sich für Gemeinde und Anlieger neue Chancen auftun, muss der Markt Ebrach zunächst rund 12 000 Euro für die Erstellung eines solchen Planes aufbringen. Dafür gab es "grünes Licht".