Im Herzen der Altstadt, direkt gegenüber von Klein Venedig: Die Lage des Gefängnis-Gebäudes könnte besser kaum sein. Das weckt Begehrlichkeiten. Denn auch wenn es noch kein konkretes Datum gibt: Der Umzug der Justizvollzugsanstalt Bamberg nach Burgebrach ist fest geplant. Das bestätigt das bayerische Justizministerium. Wer also erhält den Zuschlag? Beste Chancen darf sich die Universität ausrechnen.
"Der Komplex wäre als Institutsgebäude genial", gerät Unipräsident Godehard Ruppert ins Schwärmen, betont aber auch, dass es sich um "ungelegte Eier" handelt. Offiziell schreibt Justizminister Winfried Bausback (CSU) in einer Stellungnahme zum Thema nur: "Wenn die Justiz das Grundstück nicht mehr benötigt, steht dann ein Filetgrundstück zur Verfügung, das optimal in die weitere städtebauliche Entwicklung der Bamberger Altstadt eingebunden werden kann".
Der Freistaat verfolgt bei der Nachnutzung eigener Immobilien stets die Maxime, zuerst eigene Bedarfe zu berücksichtigen, bevor externe öffentliche oder private Investoren zum Zug kommen. Träger der Uni ist der Freistaat. Die Signale aus München seien überaus positiv, wie der Uni-Präsident berichtet. "Ich hatte ein freundliches Gespräch mit dem Justizminister, der sich die Nutzung durch die Universität sehr gut vorstellen könnte", berichtet Ruppert, der das Projekt JVA sogar als "persönliches Anliegen" bezeichnet.
"Für uns wäre das der entscheidende Entwicklungsschritt, eine ideale Lösung." Der Standort würde aus seiner Sicht die Universität in der Stadt stärken. Verwandte Fachrichtungen und wegen Enge ausgelagerte Bereiche könnten örtlich konzentriert werden. Wirtschaft in der Feldkirchenstraße, Sozialwissenschaft in der Innenstadt: Gedankenspiele gibt es dafür laut Ruppert bereits.
Der Platzbedarf sei da. "Wir könnten das Gebäude sofort füllen." Dafür könnten angemietete Immobilien – wie sie etwa in der Kärntenstraße oder der Luitpoldstraße bestehen – aufgegeben werden. Ein weiterer Vorteil, der auch die Fixkosten senken könnte. Außerdem erhielte die Uni mehr Platz für die Forschung und damit für die Generierung von Drittmitteln. Und je mehr Drittmittel, desto mehr Raumbedarf. "Ich glaube nicht, dass die Größe der Uni sich in relevanter Weise verändern wird, zumindest nicht nach unten."
Während des Gesprächs bremst Ruppert immer wieder und betont: Noch sei nichts fix. Doch seine Vision ist weit gediehen. So könne er sich auch ein Café vorstellen, eine Art Mensa, die allen Bürgern offenstehen soll. Dadurch könne man die Trennung zwischen Universität und Bevölkerung abbauen. Der Name wäre jetzt schon klar: "Falls so etwas entstehen sollte, muss es Café Sandbad heißen", sagt Ruppert und lacht.
Diese Idee findet Barbara Kropf nicht schlecht. Die Vorsitzende des Bürgervereins im Sand sieht die Universität als "kleineres Übel" an. Denn Kropf macht keinen Hehl daraus, dass sich die Bürger keinen besseren - sprich ruhigeren - Nachbarn als das Gefängnis vorstellen können. "Wir würden uns wünschen, der Knast würde bleiben", bringt es die Vorsitzende auf den Punkt. "Nichts wäre aber so schlimm, wie ein Hotel, schon allein wegen des Verkehrs." Mit den Studenten würde man schon irgendwie auskommen, die kenne man in der Sandstraße. "Manche können sich benehmen, andere benehmen sich daneben."
Und was sagt die Stadt? Die Chancen, selbst zum Zug zu kommen, sind gering, wenn es Eigeninteressen des Freistaates gibt. Dessen ist sich Zweiter Bürgermeister Christian Lange (CSU) bewusst. "Wenn die Universität ein Konzept verfolgt, um eine Uni in der Stadt zu sein, dann ist das grundsätzlich etwas Gutes."
Lange würde sich dabei wünschen, dass Kulturräume entstehen. Entlang des Flusses gebe es eine regelrechte Achse vom E.T.A.-Hoffmann-Haus über das Brückenrathaus, den Michelsberg, das Kesselhaus, die Konzerthalle bis zur Tabak-scheune. "Das wäre eine schöne Entwicklungsachse, die sich wie eine Schnur mit Perlen durch die Altstadt zieht", sagt Lange. Eine dieser Perlen - das Café Sandbad – könnte mit Kunstgeschichte und studentischer Kultur glänzen. Gespräche mit dem Unipräsidenten habe es diesbezüglich schon gegeben.
Ein Problem bei der Entwicklung ist der Denkmalschutz, wie JVA-Leiter Ulrich Mann berichtet - die Vorgaben haben eine Modernisierung des Gefängnisses erschwert. Auch künftige Nutzer müssten das beachten. Für Ruppert kein Problem, das sich nicht lösen ließe.

Sebastian Schanz

Hitzige Debatte über die Nachnutzung:

Was soll aus dem JVA-Gebäude werden? Die Frage wurde in den sozialen Medien heftig diskutiert.
"Für die Uni in unmittelbarer Nähe zum Dominikanerbau sicher ein sinnvoller Standort", schrieb Marvin L. Auch andere Nutzer können sich eine studentische Nutzung gut vorstellen. Ein Studentenwohnheim wurde ebenfalls angeregt, etwa von Görch La. Apropos Wohnraum. Sozialwohnungen haben einige Nutzer vorgeschlagen. Und zwar nicht für Studierende, sondern für Rentner und junge Mütter, wie Marcel H. betont. "Immer für diese Studenten, lächerlich!", ärgerte sich Marc P. und schlug eine Obdachlosenunterkunft vor. "Gibt es noch irgendwelche leerwerdenden Flächen oder Häuser, die nicht von der Uni mit Beschlag belegt werden?", fragte Stef Ba.
In einer Facebook-Umfrage zur Nachnutzung kam die Uni auf Platz zwei. Platz eins belegte der nicht ernst gemeinte Vorschlag, den Polizeistandort ins Sand zu verlegen. Die witzigsten Vorschläge reichten von einem Hexen- bis zu einem Bier- und Schäuferlamuseum, vorgeschlagen von Roman B., der auch ein Wasserschloss zu Klein Venedig als exklusiver Wohnort für die Bamberger High Society ins Spiel brachte.
Einige Aussagen waren weder lustig noch geistreich. Zusammenfassend dazu schrieb Werner M.: "Hoffentlich sind die Kommentare nicht repräsentativ, denn sonst sollte man schleunigst auf eine Verlagerung der Uni in eine Stadt plädieren, die eine solche Einrichtung angemessen zu schätzen weiß." szs


Kommentar:

Günstiger Wohnraum mit Blick auf Klein Venedig? Das wär mal was - vor allem aber unrealistisch. Wie hoch der Marktwert des Gefängnis-Komplexes in bester Altstadtlage wäre, darüber lässt sich nur spekulieren. Jeder Investor, der mit dem denkmalgeschützten Gebäude seine Kosten wieder reinbekommen wollte, müsste horrende Summen für den Quadratmeter verlangen. Die Kosten-Nutzen-Rechnung wäre eindeutig.
Die Debatte um die Nachnutzung in den sozialen Medien zeigt: Das Thema Wohnraum ist total überhitzt. Unrealistische Forderungen sind noch das kleinste Übel dabei. Sofort werden Neid-Debatten vom Zaun gebrochen. Da wird auf Studenten geschimpft und auf Asylbewerber vorsorglich gleich mit. Manch einer fragt sich, warum er nicht gefragt wird, und liefert die Antwort unfreiwillig gleich mit.

Sebastian Schanz
s.schanz@infranken.de