Es war eine mittlere Zahlenschlacht, die Experte Christian Seuberth im Rathaus Maxplatz schlug. Es ging um die Entwicklung der Finanzlage im "Konzern Stadt", ein brisantes Thema, denn unter diesem Dach befindet sich nicht nur der so genannte Kernhaushalt der Stadt, sondern auch die diversen Töchterunternehmen wie Stadtwerke und Stadtbau.

Das Ergebnis einer solchen Bilanzierung hatte schon einmal für Aufregung gesorgt. Denn sie lieferte jenen im Stadtrat Munition, die seit langem davon sprechen, dass die Schulden ransant steigen, allerdings versteckt: in den Haushalten der Unternehmensbeteiligungen.

Stadt wird immer reicher

Dass dem teilweise so ist, konnte auch die aktualisierte Betrachtung nicht verhehlen, allerdings stellte sie die Zahlen in einen neuen Zusammenhang. So stiegen die Verbindlichkeiten der Stadtwerke von 8,4 Millionen Euro im Jahr 2006 auf 39,7 Millionen Euro im Jahr 2012. Ähnliches auch bei der Stadtbau. Dort wuchs die Schuldenlast von 60 auf 85 Millionen Euro.

Neu ist nun, dass die Stadt diesen negativen Werten die positiven gegenüberstellte, also die Rücklagen und das so genannte Sachanlagevermögen. Dabei zeigt sich, dass der Schuldenstand gemessen am Besitz in Form von Infrastruktur und den Rücklagen seit 2006 sogar leicht gesunken ist. Mit anderen Worten: Die Stadt hat seit 2006 kräftig und auch auf Pump investiert, aber dafür hat sie auch was bekommen: So kletterte das Sachanlagevermögen allein der Unternehmen von 341 auf 539 Millionen Euro.

In diesen Summen stecken nicht nur das Bambados und das Fahrradparkhaus, sondern eine Vielzahl von Investitionen, zum Beispiel für die Landesgartenschau, die Sanierung der Brücken, die Brose-Ansiedlung und die Erweiterung des Klinikums.

Unterm Strich stellt Finanzexperte Seuberth dem Konzern Stadt ein gutes Zeugnis aus. Bamberg habe den Investitionsstau aufgelöst, die Aufnahme von Darlehen habe nicht konsumptiven Zwecken gedient, sondern der Finanzierung wichtiger Infrastruktur. Sogar stille Reserven sieht Seuberth schlummern: Zum Beispiel in der Bewertung des Immobilienvermögens der Stadtbau GmbH.

Der "Maserati auf Schulden"

Die Zahlen mochten ausgeglichen sein, die Kritiker eines allzu sorglosen Umgangs mit dem Geld in Bamberg konnten sie indes nicht beruhigen. Helmut Müller (CSU) sprach davon, dass nicht alle Anschaffungen, die hier den Schulden gegengerechnet wurden, auch wirklich rentierlich seien. "Für ein Hallenbad gibt es nun mal keinen Käufer. So richtig wohl fühle ich mich bei diesen Zahlen nicht."

Auch Dieter Weinsheimer von den Freien Wählern sieht keinen Grund, von seinen bisherigen Warnungen abzugehen. Aus seiner Sicht manifestiert sich in der Schuldenentwicklung das "klassische Finanzgebaren der SPD". "Es werden Bürgerwünsche erfüllt, ohne an die Zukunft zu denken." Einen Maserati auf Schulden zu kaufen und nach dem Motto, je mehr Sachvermögen, desto reicher, zu leben - eine solche Finanzpolitik werde nicht aufgehen, sagte Weinsheimer. "Sie vergisst die Folgelasten beim Personal und den Schuldendienst."

Heinz Kuntke (SPD) kann solche Unkenrufe nicht verstehen. "Das ist Jammern auf sehr hohem Niveau. Die Zahlen für Bamberg sind sehr gut. Der Verschuldungsgrad ist in den vergangenen sechs Jahren gesunken, die Rücklagen wuchsen." Wenn einzelne Projekte wie das Bambados nun kritisiert würden, so vergesse man, dass es sich dabei um politische Entscheidungen gehandelt habe, die mit der Mehrheit auch der CSU-Stimmen getroffen worden seien. Außerdem glaubt Kuntke nicht, dass man an öffentliche Investitionen den gleichen Maßstab wie an Ausgaben eines Unternehmens anlegen könne. "Es geht hier nicht um Gewinnmaximierung, sondern darum, den Standort Bamberg weiterzuentwickeln."

Doch genau hier zeichen sich dunkle Wolken vor dem Horizont ab. Weil die Gewerbesteuereinnahmen weiter zurückgehen, ist die Lücke vor den diesjährigen Haushaltsberatungen mit 50 Millionen Euro besonders groß. Peter Gack von den Grünen überrascht dies nicht: "Wir lassen bei den Investitionen die Folgekosten außer acht und schauen zu, wie die Personalkosten explodieren." Schon in wenigen Jahren werde man im Stadthaushalt kaum noch Spielräume haben, fürchtet der grüne Finanzexperte.