Für Bambergs Bürger scheint sich im ersten Moment wenig zu ändern, wenn passiert, was der Stadtrat am Mittwoch in einer nicht öffentlicher Sitzung beschlossen hat. Er will für neun Millionen Euro die bisher von der Ferngas Nordbayern (FGN) gehaltenen Anteile an der Stadtwerke Energie- und Wasserversorgungs GmbH zurückkaufen, exakt sechs Prozent.

Künftiger Eigentümer soll, der Entsorgungs- und Baubetrieb der Stadt Bamberg sein, der sich - im Unterschied zu den Stadtwerken - günstig mit Krediten eindecken und diese über den Gewinnanteil der Stadtwerke wieder refinanzieren kann.

Finanzielle Lage der Stadt könnte sich bessern

Insofern hat es dann doch Auswirkungen für alle Bewohner der Stadt: Denn wenn sich die Investition in die Stadtwerke als so werthaltig erweist, wie es der Stadtrat erhofft, verbessert sie schon nach der Tilgung des Darlehens, also
in wenigen Jahren, die Finanzlage der Stadt.

Möglich wird der Kauf durch das Vorhaben der Bayernwerk AG, die derzeit zehn Prozent der städtischen Energietochter hält, sich auch noch die FGN-Anteile einzuverleiben. Dadurch bietet sich für Bamberg die Chance, ein Vorkaufsrecht wahrzunehmen.

Anfängliche Zweifel im Stadtrat, der sich bereits seit 2013 mit der Frage befasst, sind mittlerweile einer breiten Zustimmung gewichen. Auch Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD) begrüßt den "Rekommunalisierung" genannten Finanzdeal, denn ein Weiterverkauf an fremde Unternehmen werde dadurch unmöglich.

"Wir vermeiden, dass Anteilseigner am Tisch sitzen, die nur Proftistreben im Kopf haben. Das ist eine Sicherung der wohlverstandenen Interessen Bambergs, denn die Stadtwerke leisten ganz wichtige Aufgaben der Daseinsvorsorge", sagte der OB infranken.de.

In diesem Sinne hätte die Stadt gerne auch jene zehn Prozent zurückgekauft, die sich derzeit noch im Eigentum der Bayernwerk AG, vormals Eon, befinden. Ein Antrag der Freien Wähler zielte in diese Richtung. Doch bislang haben Stadt und Bayernwerk keine Einigung über den Preis erzielt.

Spekulation in die Zukunft

Bestätigt fühlen sich durch den Rückkauf auch Bambergs Grüne, die 1999 den Einstieg der beiden Minderheitengesellschafter bei den Stadtwerken als "Verkauf des Tafelsilbers" angeprangert hatten. Laut Peter Gack ist das nur über Darlehen finanzierte Millionengeschäft "auch eine Spekulation in die Zukunft". Der Finanzexperte glaubt aber an die nachhaltige Ertragskraft der Stadtwerke, die im Unterschied zu manchen anderen kommunalen Energiegesellschaften nach wie vor hoch profitabel sind. Der Rückkauf sei richtig: "Warum soll nicht alles Geld, das durch die Stadtwerke verdient wird, in Bamberg bleiben?"

Doch natürlich gibt es auch Kritiker. Etwa Bürger-Block-Chef Norbert Tscherner. Er hält es für eine Bankrotterklärung, dass nicht die Stadt oder die Stadtwerke kaufen, sondern der Baubetrieb, der auch für die Müllabfuhr zuständig ist. Tscherner fürchtet, dass nun wieder die Bürger die Zeche zahlen. "Natürlich werden die Müllgebühren steigen. Woher soll das Geld denn kommen?"

Die Mehrheit im Stadtrat freilich weist diese Theorie zurück. Eine Erhöhung der Gebühren zur Finanzierung von Unternehmensanteilen scheide schon deshalb aus, weil es sich um getrennte Finanzströme handele. "So etwas ist rechtlich gar nicht zulässig", weiß Peter Gack.