Veit Bergmann, der Chef der Stadtbau GmbH, ist sichtlich bemüht, das Wort Moschee zu vermeiden. Es handele sich eigentlich um ein Vereinsheim in Leichtbauweise, was bis Ende September auf dem Parkplatz des Hauses Geisfelder 96 entstehen wird.

Richtig ist: Das neue und reversible Gebäude wird weder ein Minarett besitzen, noch eine Kuppel. Es soll aber auf 110 Quadratmeter den nach Mekka ausgerichteten Gebetsraum für den deutsch-arabischen Kulturverein aufnehmen.

Richtig ist auch: Um das seit Jahren gärende Streitthema doch noch zu einem gütlichen Ende zu bringen, nimmt das städtische Wohnungsbauunternehmen Geld in die Hand, Bergmann spricht von rund 100 000 Euro; nach Angaben aus dem Stadtrat sollen es sogar 200 000 Euro sein, die in die Gebetsräume investiert werden. Hört man Bergmann, werden die öffentlichen Mittel über die Miete refinanziert, die der deutsch-arabische Verein monatlich zahlt - eine vierstellige Summe. Sogar ein kleiner Gewinn sei möglich.

Die Nachricht vom geplanten Umzug des deutsch-arabischen Kulturvereins wurde am Donnerstagabend vom Bürgeramt der Stadt mitgeteilt und hat im Bamberger Norden erwartungsgemäß Erleichterung ausgelöst. Dort hatte die ohne Beteiligung des Bamberger Stadtrats getroffene Verlegung der Moschee aus der Wunderburg in die Baunacher Straße im Sommer 2019 aus verschiedenen Gründen massiven Unmut ausgelöst. Da ging es um den bereits vorher großen Mangel an Parkplätzen, die Massierung von dann drei muslimischen Gemeindezentren in unmittelbarer Nachbarschaft und der Umstand, dass die Nachbarn vor vollendete Tatsachen gesetzt worden sind.

Das Auftreten der Stadtverwaltung sei wenig diplomatisch gewesen, erinnert sich Christina Keidel vom Bürgerverein Bamberg-Nord an eine Infoveranstaltung, in der den Anwohnern die Lösung schmackhaft gemacht werden sollte. Umso mehr freut sie sich, dass nun eine Alternative gefunden ist, die die Wogen glätten könnte. Zum neuen Standort am südöstlichen Stadtrand möchte Keidel wenig sagen: "Uns ist es eigentlich egal, wo die Moschee hinkommt. Bei uns hat sie Probleme verursacht, weil sich zwei solcher Einrichtungen in einer Straße befinden."

Stadtbau mietet beim Bund

Mit der Verlegung in den Südosten kommt die Stadtverwaltung auch dem Wunsch nach einer Entzerrung muslimischer Glaubenseinrichtungen auf dem Stadtgebiet nach. Auf dem locker bebauten Gelände in der Geisfelder Straße, das die Stadtbau vom Bund als Eigentümer mietet, befinden sich zudem genug Parkplätze, so dass Konflikte mit den wenigen Anliegern ausgeschlossen scheinen. "Aus meiner persönlichen Sicht könnte das durchaus eine akzeptable Lösung sein", meint Heinz Kuntke, der Vorsitzende des Bürgervereins Bamberg-Ost. Seine Hoffnung, dass es dieses Mal keinen Ärger gibt, gründet vor allem auf der Entfernung zur nächsten Bebauung und der isolierten Lage im Südosten. Freilich kritisiert Kuntke, dass der Bürgerverein bisher nicht intensiv eingebunden gewesen sei und die genaue Prüfung des Standorts noch erfolgen muss.

Erinnerung ans Wahlversprechen

Wie sehr die Zeit drängt, zeigt die Tatsache, dass die Stadtbau bereits nächste Woche den Bauantrag für die Gebetsräume vorlegen will. Der Umzug soll nach erfolgtem Neubau im Oktober erfolgen, denn der arabische Kulturverein hat seine bestehenden Räume in der Baunacher Straße zum Ende September gekündigt.

Mit dem Alternativstandort Muna kommt die Stadtverwaltung sich anbahnendem neuem Bürgerprotest zuvor. Man muss wissen: Noch vor wenigen Tagen kursierte in Bamberg ein Schreiben, in dem 14 Anwohner des Nordens Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD) wortreich den Bruch seines Wahlversprechens vorwerfen. Grund: Die einen Monat vor der Wahl am 14. Februar verkündete Ausweichlösung für die Moschee in der ehemaligen Bundessortenanstalt in der Südflur hatte sich, kaum war sie in der Welt, schon wieder als überholt erwiesen. Die Räumlichkeiten im äußersten Bamberger Süden hätten dem deutsch-arabischen Kulturverein zwar gut gefallen hätten, doch dienen sie mittlerweile einem höheren Zweck: Als Corona-Teststelle werden sie gebraucht, sollte es zu einer zweiten Welle kommen.

Kommentar des Autors:

Ende einer Odyssee?

Es ist ein ungewöhnlicher Schritt, dass ein städtisches Wohnungsbauunternehmen Geld investiert, um muslimische Gebetsräume zu errichten. Aber man darf die Entscheidung nicht ohne die verfahrene Vorgeschichte beurteilen und den Druck, der daraus entstanden ist. Drei Jahre wird nun bereits um den Standort einer Moschee der großen arabischen Gemeinde gerungen. Unbestritten ist, dass die Vorschriften des Baurechtes auch für muslimische Gotteshäuser gelten. Klar ist aber auch, dass die Neubürger ein Recht darauf haben, ihre Religion auszuüben. In einer Stadt, in der geeignete Räumlichkeiten ebenso teuer wie rar sind, ist das leichter gesagt als getan. Und leider: Nicht alle Mitbürger, die vollmundig ihre Toleranz anderen Kulturen gegenüber betonen, sind bereit, diese auch in ihrer Nachbarschaft zu unterstützen. So zieht sich die Debatte um die Moschee mittlerweile durch fast alle Bamberger Stadtteile. Vielleicht ist die Geisfelder Straße ja das Ende dieser Odyssee.