Die Statistik

Torhungrige Franken Mit 16 Treffern stellt die SpVgg Greuther Fürth den zweitbesten Angriff der Liga. Auf Rang 3 folgen der 1. FC Nürnberg und der SC Paderborn (je 14). Nur der Hamburger SV (17) hat noch mehr Bock auf Tore. Ineffizientes Kleeblatt Für ihre 16 Treffer brauchten die Fürther 202 Torschüsse - mehr hat keiner in Liga 2 abgegeben. Das ergibt eine Trefferquote von 7,9 Prozent - Rang 11. Besser macht es der Club: Mit 10,1 Prozent hat er hier den drittbesten Wert. Fürther Bollwerk Acht Gegentore musste die SpVgg Greuther Fürth in acht Spielen hinnehmen. Nur der SC Paderborn (7) kassierte weniger Gegentreffer. Vor allem in den vergangenen vier Spielen war die stabile Defensive Schlüssel der vier Siege. Dahingegen bleibt die Abwehr die Schwachstelle des Clubs: acht Spiele, zwölf Gegentore und nur einmal zu Null gespielt. Die erste Halbzeit In der macht den fränkischen Rivalen kaum jemand etwas vor. Jeweils zehn Tore markierten Fürth und Nürnberg vor der Pause. Damit kann nur der SC Paderborn, der auch auf zehn Tore kommt, mithalten. Die zweite Halbzeit Satte neun Gegentore kassierte Nürnberg nach der Pause. Drei davon in der Nachspielzeit. Nur das 1:4 in Osnabrück blieb folgenlos. Gegen Darmstadt und in Braunschweig brachte die Nachspielzeit den Club um ein Unentschieden (jeweils 2:3). Aber auch Fürth musste drei seiner sieben Gegentreffer in Halbzeit 2 hinnehmen. Unsicherer Club In allen acht Spielen geführt, aber nur zweimal gewonnen: Keine Mannschaft der Liga verspielt so häufig Führungen wie der 1.FC Nürnberg. 14 Punkte gingen dem Club bereits durch die Lappen - und eine deutlich bessere Platzierung. Besser macht es der Lokalrivale: Sechsmal ging Fürth in Front, holte dabei vier Siege und zwei Remis. Zweikampfstarke Fürther 910 gewonnene Zweikämpfe stehen für das Kleeblatt zu Buche. Rang 5. Mit 867 folgt der FCN auf Platz 9.

Der Saisonverlauf

1.FC Nürnberg: Eine deutliche Niederlage gab es für Nürnberg bislang nur beim 0:3 im DFB-Pokal gegen RB Leipzig. In die Zweitliga-Saison startete der Club mit einem 1:1 bei Jahn Regensburg und einem 1:0-Sieg gegen den SV Sandhausen noch hoffnungsvoll. Doch nach der Last-Minute-Heimniederlage gegen Darmstadt 98 (2:3) manövrierte sich der FCN beinahe in eine Herbstkrise: Beim FC St. Pauli (2:2) und gegen den Karlsruher SC (1:1) reichte es nur zu einem Punkt, bei Aufsteiger Eintracht Braunschweig kassierten die Nürnberger erneut einen späten Gegentreffer zum 2:3, ehe sie nach dem 1:1 gegen Fortuna Düsseldorf auf den Abstiegsrelegationsrang rutschten. Die Siege blieben aus und auch die Darbietungen auf dem Platz wurden immer schwächer. Mit einem überraschend klaren 4:1-Auswärtssieg beim bis dahin zweitplatzierten VfL Osnabrück gelang den Clubberern am Montag ein Befreiungsschlag, der sie auf Platz 10 der Tabelle katapultierte.

SpVgg Greuther Fürth: Die Fürther sind die Überraschungsmannschaft der Saison. Dabei sah es anfangs gar nicht danach aus. Im DFB-Pokal gegen den Fünftligisten RSV Meinerzhagen mühte sich die SpVgg in die Verlängerung, ehe sie dort den Widerstand der Sauerländer brach und mit 6:1 gewann. Darauf folgten in der Liga drei Remis: Gegen den VfL Osnabrück und beim FC Erzgebirge Aue gaben sie jeweils ihre Führung aus der Hand (1:1). Beim 2:2 bei den Würzburger Kickers rettete Maximilian Bauer einen Punkt in der Nachspielzeit (2:2). Im Heimspiel gegen den Aufstiegsfavoriten Hamburger SV setzte es die bislang einzige Saisonniederlage (0:1). Doch dann starteten die Kleeblätter einen Lauf. Mit vier klaren Erfolgen bei Holstein Kiel (3:1), gegen Hannover 96 (4:1), beim VfL Bochum (2:0) und gegen Jahn Regensburg (3:1) marschierten sie von Tabellenplatz 16 auf Rang 2. Die Gegner waren dabei keineswegs Laufkundschaft: Bochum und Kiel waren zum jeweiligen Zeitpunkt Tabellenzweiter und Hannover Dritter gewesen.

Die Schlüsselspieler

Manuel Schäffler: Fünf Spiele, vier Treffer, eine Vorlage: Manuel Schäffler ist im Eiltempo zu einem Fixpunkt im Spiel der Nürnberger geworden. Der 31-Jährige kam mit der Empfehlung von 19 Toren für den Vorjahres-Absteiger SV Wehen Wiesbaden - und knipst auch für den Club. Schäffler ist der Typ Stürmer, der dem Nürnberger Spiel gefehlt hat. Einer, der nicht viele Chancen braucht, das Gespür für die Situation und den Blick für die Mitspieler hat. Dass Schäffler wichtig werden könnte, zeigte er bereits bei seinem ersten Spiel im Club-Trikot: Auf St. Pauli brauchte "Cheffe" nur acht Minuten für sein erstes Tor. Vor allem auf ihm ruhen die Hoffnungen auf eine sorgenfreie Saison. Branimir Hrgota: Die Fußstapfen, in die Branimir Hrgota im Sommer getreten ist, sind groß. Der Schwede ist neuer Kapitän und Nachfolger des langjährigen Leitwolfs Mario Caligiuri. Für Hrgota ist es der nächste Schritt in der Fürther Hierarchie. Beim Kleeblatt erlebt der ehemalige Bundesliga-Spieler von Mönchengladbach und Frankfurt derzeit wohl seine beste Karriere-Phase. Wie wichtig der Schwede ist, zeigt nicht nur die Ernennung zum Spielführer. Auch auf dem Platz lenkt er das Fürther Spiel. Hrgota initiiert die Angriffe und gibt das Pressing vor - ohne an Torgefährlichkeit einzubüßen. Vier Treffer und eine Vorlage stehen nach acht Spielen zu Buche.

Die Trainer

Robert Klauß: Ein neues Gesicht, ein unverbrauchter Trainer - nach dem Fast-Abstieg in Liga 3 setzt der 1. FC Nürnberg auf ein Talent am Spielfeldrand. Der 35-Jährige war bei RB Leipzig Co-Trainer von Ralf Rangnick und Julian Nagelsmann, und zuvor jahrelang im Leipziger Nachwuchs tätig. Klauß' Philosophie? Typisch Leipzig. Mutig und aktiv spielen, hoch verteidigen - und blitzschnell umschalten. Nach acht Spielen sind Ansätze klar zu erkennen, der dauerhafte Erfolg lässt aber noch auf sich warten, weil die Gegner dem Club den Ball gerne überlassen und Nürnberg immer noch Probleme hat, das Spiel zu gestalten. Stefan Leitl: Ein ehemaliger Nürnberger wird Trainer der SpVgg Greuther Fürth - für viele Kleeblatt-Fans ging das gar nicht. Stefan Leitl hatte keinen leichten Stand, als er im Februar 2019 auf Damir Buric folgte. Das hat sich mittlerweile geändert. Nach den Plätzen 13 und 9 in den Vorjahren führte Leitl das Kleeblatt nun in ungeahnte Höhen. Sein attraktiver und offensiver Spielstil trug vor allem ab dem 5. Spieltag Früchte. Vier überzeugende Siege in Serie führten Fürth auf Rang 2. Dazu intensivierte Leitl die Arbeit mit jungen Spielern: 24,73 Jahre beträgt das Durchschnittsalter aller in dieser Saison eingesetzten Spieler - der jüngste Kader der Liga.

Die vergangenen zehn Frankenderbys zeigen ein klares Bild: Im direkten Vergleich läuft die SpVgg Greuther Fürth dem 1. FC Nürnberg den Rang ab. Seit dem Abstieg der Kleeblätter aus der Bundesliga in der Saison 2012/13 gingen sechs Duelle an Fürth, zwei endeten ohne Sieger und nur zweimal entschied der vermeintlich große Nachbar aus Nürnberg die Begegnung für sich.

Am zweiten Spieltag der Saison 2014/15 feierten die Fürther den höchsten Derbysieg seit 1956: Zu Hause gingen sie schon nach 17 Minuten mit 2:0 in Führung. Dem Club gelang vor der Pause zwar der Anschluss, doch in Hälfte 2 erhöhte die SpVgg auf 5:1. Für Fürth war es zudem der erste Derby-Heimsieg nach fast 18 Jahren.

Derby-Historie: Fürth meist obenauf

Im hitzigen Rückspiel rettete die fast 40 Minuten in Unterzahl spielende SpVgg ein 0:0 über die Zeit und zitterte sich am Ende der Saison zum Klassenerhalt. Am 13. September 2015 standen zwei Akteure im Fokus: Fürths Stürmer Sebastian Freis und Schiedsrichter Felix Zwayer. Nach der frühen Club-Führung hatte Zwayer mit zwei Fehlentscheidungen großen Anteil daran, dass die SpVgg die Partie drehte. Gegen Ende wurde es turbulent: Nürnberg glich fünf Minuten vor Schluss zum 2:2 aus, ehe Freis in der Nachspielzeit den Siegtreffer für die Fürther erzielte.

Etwa fünf Monate später beendete der FCN seine sieben Spiele andauernde Sieglos-Serie im Derby. Diesmal war der Verlauf umgekehrt: Fürth ging früh in Front, der FCN glich kurz vor der Pause aus und erzielte sechs Minuten vor dem Ende das 2:1.

Da die Clubberer in diesem Jahr in der Aufstiegsrelegation scheiterten, kam es in der Saison 2016/17 abermals zum meist ausgetragenen Derby in Fußball-Deutschland. Mit dem 2:1-Auswärtssieg schossen die Fürther das Team von Trainer Alois Schwartz an Spieltag 6 auf Platz 18 und in eine tiefe Krise. Nach der 0:1-Niederlage im Rückspiel musste Schwartz gehen.

Am 24. September 2017 gelang dem FCN der erste Sieg im Fürther Rohnhof nach knapp 38 Jahren. Der 3:1-Erfolg war bis heute zugleich der letzte gegen die Kleeblätter. Der Club machte sich fortan auf zur Rückkehr in die Bundesliga. Daran änderte auch das 0:2 im Rückspiel nichts.

Die abstiegsbedrohten Fürther trumpften auf und hätten noch mehr Treffer erzielen können. Die SpVgg hielt am Ende der Spielzeit nur aufgrund des besseren Torverhältnisses die Klasse.

In der vergangenen Saison stand das fränkische Duell wieder unter umgekehrten Vorzeichen: Am 14. Spieltag befanden sich die Fürther im oberen Tabellendrittel, der Club hatte mit Jens Keller gerade seinen zweiten von drei Übungsleitern in dieser Spielzeit präsentiert und schlitterte gen Abgrund.

Beim torlosen Remis im Rohnhof ergatterte der FCN noch einen Punkt, aber vier Spieltage vor Saisonende nahte nach der 0:1-Heimniederlage die Katastrophe. Die Nürnberger fielen zurück auf den Abstiegsrelegationsplatz, auf dem sie auch nach 34 Spieltagen stehen sollten.

Für die SpVgg war es der 77. Sieg im 266. Derby. 139 Mal gewann der Club, 48 Mal gab es keinen Sieger. dob