Sie haben gestanden, alle beide. Michal T. und Jakub D. (Namen von der Redaktion geändert) haben das Angebot des Gerichts angenommen, sich auf eine Verständigung einzulassen - sozusagen ein Deal über den Strafrahmen im Falle eines Geständnisses.

Das bedeutet konkret: Kurz nach Eröffnung der Hauptverhandlung zogen sich Verteidiger, Staatsanwalt und Gericht zurück und führten ein Rechtsgespräch. Ergebnis: Alle Verfahrensbeteiligten stimmten der Verständigung zu und die Angeklagten konnten mit einer geringeren Strafe rechnen.

Richterin Marion Aman verurteilte Jakub D. zu einem Jahr und zehn Monaten auf Bewährung, mit einer Bewährungszeit von drei Jahren. Michal T. muss für zwei Jahre und neun Monate ins Gefängnis. Der 31-Jährige gilt als der Organisator der Diebestouren, die er mit seinem 26-jährigen Komplizen zwischen März 2012 und Januar 2014 unternommen hatte - und ließ über seinen Anwalt diese "Rolle" im Geständnis auch bestätigen. Der "Organisator" ist bereits einschlägig wegen Diebstahls vorbestraft.

In der Anklageschrift ist die Rede von "weiteren Mittätern", von denen einer bereits verurteilt ist: Er kam mit einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten zur Bewährung davon - weil er ausgepackt und Mittäter benannt hatte: Michal T. und Jakub D. Alle drei Männer sind polnische Staatsangehörige und waren "in einer Bande organisiert", wie ein Beamter der Kriminalpolizei als Zeuge vor Gericht aussagte.

Er könne sich an die Einbrüche in Autohäuser in der Region gut erinnern, "weil die Ermittlungen umfangreich waren und viel Arbeit gemacht haben". Man sei an die Namen und Nummern der Verdächtigen gekommen, die im Verdacht standen, "im großen Stil" Pkw-Kompletträder zu stehlen, sprich Felgen plus Reifen.


Immer der gleiche Stil

Insgesamt sechs mal haben die Täter in unterschiedlicher Besetzung zugeschlagen. Neben Tatorten in Sachsen stiegen die Diebe auch in ein Autohaus in Schweinfurt ein. In einer Nacht im Januar 2013 verschafften sich die drei Täter gewaltsam Zugang zum Gelände eines Autohauses, brachen mit Hilfe eines Bolzenschneiders in einen Großraumcontainer ein und nahmen 20 komplette Reifensätze à vier Reifen und acht neue Räder im Gesamtwert von rund 45 000 Euro mit.

In Kulmbach im Gewerbegebiet Seidenhof blieb es dagegen bei einem versuchten gemeinschaftlichen Diebstahl. Auch dort brach die Bande gewaltsam in einer Großraumcontainer ein und machte die 24 Kompletträder zum Abtransport bereit - doch dann wurden die Räuber plötzlich gestört und machten sich unverrichteter Dinge aus dem Staub.

Anders im Landkreis Bamberg: Bei einem Autohaus in Hallstadt machten sie fette Beute in Höhe von fast 65 000 Euro: Im Februar 2013 schlichen sie sich auf das Betriebsgelände, brachen die Vorhängeschlösser von zwei Containern auf und stahlen ganze 88 Kompletträder für verschiedene Fahrzeugtypen.

Etwa ein Jahr später suchten zwei der Täter dasselbe Unternehmen erneut heim und klauten von drei nagelneuen BMW-Geländelimousinen die Radsätze im Wert von 8640 Euro. Insgesamt machte die organisierte Bande aus Polen Beute in Höhe von 128 000 Euro.

Rechtsanwalt Uwe Müller, der den "Organisator" Michal T. vertrat, merkte an: "Wenn man in Polen arbeitslos wird, wird man nicht so unterstützt wie in Deutschland." Viele Diebstähle, von denen man vor Gericht höre, würden geschehen, "weil die Leute kurz vorm Verhungern sind". Dies sei keine Entschuldigung für die Tat seines Mandanten, aber immerhin eine Erklärung. Michal T. selbst sagte, dass er seine Tat bereue und sich entschuldige.

Ähnlich äußerte sich sein jüngerer Komplize Jakub D. Dessen Verteidiger, Rechtsanwalt Adam Zurawel, hatte in seinem Plädojer die untergeordnete Rolle seines Mandanten hervorgehoben und betont, dass es sich allenfalls um eine "beihilfeähnliche Mittäterschaft" handle.


Geständnisse "verifiziert"

Richterin Marion Aman kam mit ihrem Urteil schließlich der Forderung von Staatsanwalt Stephan Schäl nach und bestrafte die beiden Täter wegen gemeinschaftlichen Diebstahls, versuchten gemeinschaftlichen Diebstahls und Sachbeschädigung. Die 31 und 26 Jahre alten Männer tragen zudem die Kosten des Verfahrens.
Richterin Aman merkte in der Urteilsbegründung an: "Wir haben uns nicht mit den Geständnissen begnügt, sie wurden durch den Zeugen der Kriminalpolizei verifiziert." Sie machte außerdem deutlich, dass ohne Geständnisse mit höheren Strafen zu rechnen gewesen wäre.

Eine Frage, die der Mann von der Kripo aufwarf, konnte immerhin ansatzweise geklärt werden. Er wollte wissen, was denn mit den gestohlenen Kompletträdern passiert sei. Mit Hilfe der Dolmetscherin und über seinen Anwalt ließ Michal T. verkünden: "In Polen gibt es Flohmärkte, wo man so etwas verkaufen kann."