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Hallstadt
Trommelwirbel

Profimusiker gründen Schlagzeugschule in Hallstadt

Als "Volxmusikant" kennt man Norbert Weinhold, der beim Kellerkommando den Takt angibt. Mit Auftritten von Bands wie Deichkind profilierte sich Christoph Laubender. Gemeinsam gründeten die Unterfranken jetzt vor den Toren von Bamberg eine Schlagzeugschule.
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Mal ohne Sonnenbrille und Mütze: Norbert Weinhold (rechts) mit Christoph Laubender Foto: insight-drums
Mal ohne Sonnenbrille und Mütze: Norbert Weinhold (rechts) mit Christoph Laubender Foto: insight-drums
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Fürs Kellerkommando trommelt Norbert Weinhold, mit dem sich die rappenden Volxmusikanten auf großen Festivalbühnen ebenso positionierten wie in der Rotation von MTV und Viva. Währenddessen schwang Christoph Laubender als Freelancer für Bands wie Deichkind oder Sasha die Sticks: Referenzen, die "Insight-drums" zugute kommen. So tauften die Franken nämlich ihre Schlagzeugschule, an der sich nun der ambitionierte Nachwuchs bei Profis das nötige Knowhow einpauken lässt, um vielleicht selbst einmal bei Open Airs wie "Rock am Ring" zu spielen.

In einer Kirche entdeckt
Mit der Liebe zur Musik in den Genen wuchs Christoph Laubender in einer "klassisch geprägten" Familie auf. Mit gebremstem Enthusiasmus übte der Hofheimer am Klavier. Jäh endeten alle Fingerübungen auf schwarz-weißen Tasten aber nach einem Urlaub, bei dem der Zwölfjährige das Instrument entdeckte, das ihn seither begleitet: "Ausgerechnet in einer Kirche entdeckte ich ein verlassenes Schlagzeug. Ich drosch drauf ein - schon war's um mich geschehen", so der heute 39-Jährige. Noch im gleichen Jahr spielte der Schüler in einer ersten Band - nicht anders als Norbert Weinhold, der seine Schlagkraft gleich im Hardrock-Bereich bewies. Die Münchner Schlagzeugschule "Drummer's Focus" brachte die beiden Unterfranken an der Isar zusammen, die ihre theoretischen und bühnenpraktischen Erfahrungen nun in Oberfranken an den Nachwuchs weitergeben.

"Wir unterrichten Interessenten - vom Anfänger bis zum Profi - in allen Stilrichtungen des modernen Drummings", meint Laubender. Eine Akzentuierung, mit der sich "Insight-drums" von der klassisch orientierten Ausbildung staatlicher Einrichtungen absetzt. "Wir arbeiten mit Schülern nicht, um sie auf die klassische Orchesterarbeit vorzubereiten", sagt Laubender. Vielmehr ginge es darum, sie für Bühnenauftritte mit Bands - vom Jazzbereich über Hip Hop, Rock und Pop bis hin zu Metal - zu qualifizieren. "Etliche Musiker kommen mit der Dynamik, die mehr und mehr gefordert ist, ja kaum mehr klar."

In Hallstadt
Gleich vor den Toren Bambergs bezogen die Dozenten im Gewerbegebiet am Hafen 160 Quadratmeter und statteten ihre drei mittlerweile schallisolierten Unterrichtsräume mit modernsten Drumsets und multimedialer Technik aus. "Gleich 40 Anmeldungen erreichten uns bei der Eröffnung der Schlagzeugschule", berichtet Christoph Laubender. Im Alter zwischen acht und 60 Jahren seien die Schüler, die bei "Insight-drums" erste Schritte in die Welt von Max Roach, Ringo Starr oder beispielsweise auch Phil Collins gehen oder sich weiterqualifizieren - wie der älteste Teilnehmer: "Seit zehn Jahren nimmt er bei mir schon Privatunterricht und besucht jetzt eben unsere Schule im Hafen."

Nein, über mangelnde Resonanz beklagen sich die "Insight-drums"-Gründer bislang nicht. "Ich habe ja selbst jahrelang nach Unterrichtsangeboten für modernes Drumming gesucht, wie ich sie 1996 endlich in München fand", sagt Norbert Weinhold. Vieles hatte sich der Kellerkommandant bis dahin schon autodidaktisch antrainiert. Wie legendäre Jazzschlagzeuger der Nachkriegszeit hörte der Zeiler Platten der 40er und 50er Jahre und spielte den Groove nach - besser und besser.

Bei Cloy Petersen ging Weinhold ab 2008 noch einmal in die Lehre, um sich vom Gründer von "Drummer's Focus" zum Schlagzeuglehrer ausbilden zu lassen. Im Jahr darauf hob der Zeiler mit David Saam und diversen anderen Protagonisten das Kellerkommando aus der Taufe, das mittlerweile Warner Music unter Vertrag nahm. "Unsere Videos liefen schon bei MTV und Viva, darüber hinaus waren wir heuer allein auf 30 großen Festivals wie beispielsweise ,Das Fest' mit rund 35 000 Besuchern zu erleben." Im November stünde die nächste Deutschland-Tournee der Volxmusikanten an.

Bleibt Weinhold angesichts der Erfolgswelle, auf der die Kommandanten reiten, noch genügend Zeit für den Aufbau einer Schlagzeugschule? "Aber sicher. Schließlich sind die meisten großen Festivals in den Sommerferien und unsere nächste Tournee endet nach zehn Tagen schon wieder."

Die passende Körpersprache
Was ihn selbst all die Jahre lang beflügelte, gibt der 37-Jährige als Dozent weiter. Für Musik, die ihnen liegt und kein Lehrplan nur vorgibt, sollen seine Schüler die Stöcke schwingen - ob der Nachwuchs nun Techniken lernt, um sich im Hip-Hop-, Heavy-Metal- oder Drum-and-Bass-Kosmos zu profilieren. "Es gilt effiziente Spieltechniken für den jeweiligen Bereich zu erarbeiten", sagt Weinhold. Selbst Körperhaltung und Körpersprache thematisiere die Schule, an der sich Interessenten auch auf Aufnahmeprüfungen vorbereiten können. "Hochschulabsolventen wenden sich ja ebenfalls an uns, um Wissenslücken zu füllen, nachdem sie Jazz, klassisches, aber eben nicht modernes Schlagzeug studierten."

Mit a-ha auf der TV-Bühne
Das "nachhaltigste" Bühnenerlebnis hatte Weinhold übrigens nicht mit dem Kellerkommando, sondern mit a-ha: "Wir traten bei der Bambi-Verleihung auf, die in der ARD live übertragen wurde. Vor all den Fernsehzuschauern zu spielen, dieses Gefühl vergisst man nie wieder."