Da robbe ich also auf den Knien am Ufer des Main-Donau-Kanals entlang und hoffe, nicht gleich am Anfang meines Selbstversuchs ins Wasser zu fallen. Inklusive Paddel unfallfrei auf das Board zu kommen, ist das Ziel. Eine wackelige Angelegenheit, irgendwann klappt es dann aber doch. Wie ein Hündchen hocke ich auf dem Brett, das Paddel quer vor mir liegend. "Jetzt langsam aufstehen", ruft mir Trainer Gerhard Loch sichtlich entspannt vom Wasser aus zu. Zwei wackelige Versuche später steht das unsichere Fähnchen im Wind endlich auf dem Brett.

Gerhard Loch hat das alles schon hinter sich. Der Fachübungsleiter Kanusport und SUP-Instruktor (DKV) beim Bamberger Faltboot-Club entdeckt das Stehpaddeln irgendwann im Familienurlaub. Zurück in Bamberg kauft er sich das erste Board. Die Faszination hat er mittlerweile auch bei seinem Verein entfacht. Hier leitet er regelmäßig Kurse. Und am Wochenende, wenn der Rest der Familie noch schläft, lässt sich Loch alleine über die Bamberger Gewässer treiben. "Dabei kann man super entspannen."

Von Entspannung bin ich noch weit entfernt. Ich presse meine Füße auf das Brett und versuche, die Vorgaben meines Trainers umzusetzen. Trotzdem wackele ich eher übers Wasser als dass ich entspannt dahin gleite. Doch wie es Loch mir prophezeit hat: Nach ein paar Minuten freunde ich mich mit der Sportart an. Die ersten Züge gelingen, ohne dass ich ins Wasser plumpse. "Locker bleiben", ruft mir der Profi zu. Ich versuch`s.

"Stand Up Paddling" (SUP) ist ein Trendsport aus den USA, der seit einigen Jahren auch in Europa immer mehr Freunde findet. Die Ursprünge liegen in Ozeanien. Dort nutzten vor allem Fischer diese Art der Fortbewegung. Surflehrer auf Hawaii entdeckten das SUP dann im 20. Jahrhundert für sich. Mit Hilfe des Paddels konnten sie besser in der der Nähe ihrer Schüler bleiben.

Alles, was man für den Sport benötigt, ist ein SUP-Board und ein Paddel. Die Bretter sind zwischen 80 und 60 Zentimeter breit und zwischen 2,50 und 3,50 Metern lang. Die günstigste Variante bekommt man für einige hundert Euro, nach oben gibt es fast keine Grenzen.

Nach 15 Minuten habe ich den Dreh weitestgehend raus. Mit rhythmischen, wechselnden Paddelschlägen gleite ich übers Wasser und schaffe es sogar, einigermaßen geradeaus zu fahren. Schnell wird klar: Je besser man die Technik beherrscht, desto entspannter ist die Tour. "Man sollte sich auf dem Brett wohlfühlen. Und du musst damit rechnen, dass du auch mal ins Wasser fällst", sagt Loch.


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Hauptsächlich ist der Sport, bei dem auch Wettkämpfe veranstaltet werden, eine interessante Ganzkörper-Trainingsmethode für Freizeitsportler. Beim Stehpaddeln werden Rücken, Schultern, Bizeps sowie Bauch-, Bein- und Gesäßmuskulatur trainiert. Dies ist natürlich auch schon längst bis nach Hollywood vorgedrungen. Prominente wie Gisele Bündchen oder Jennifer Aniston lassen sich immer wieder gerne auf dem Brett ablichten. Die Promis wissen: Wer auf einem SUP-Board steht, sieht (meist) recht sportlich und sexy aus.

Mittlerweile bin ich mit einer siebenköpfigen Trainingsgruppe in See gestochen. Mit unseren SUP-Boards paddeln wir flussabwärts gen Süden. Bei angenehmen 25 Grad Celsius passieren wir Löwen-, Ketten- und Luitpoldbrücke und gleiten an Fußgängern, Sonnenanbetern und Radfahrern vorbei, die uns entgeistert beobachten. Irgendwann komme ich an den Punkt, den mein Trainer zu Beginn der Übungseinheit beschrieben hat: Wenn man so leicht über das plätschernde Wasser gleitet, während sich links und rechts die Sonne im Wasser spiegelt, kommt ein meditatives Sommerfeeling auf.

Der SUP-Sport wird mittlerweile auf nahezu allen Seen, Flüssen und Meeresküsten Deutschlands praktiziert. Auch Franken hat den Sport längst für sich entdeckt. Egal, ob sportlicher Wettkampf oder SUP-Yoga: Grenzen gibt es kaum. Und: Die Sportart ist eigentlich für jedermann etwas. Alles, was man benötigt, ist die Ausrüstung, etwas Körperbeherrschung und das Seepferdchen-Abzeichen.

Nach 90 Minuten endet meine SUP-Premiere. Ein empfehlenswerter Wassersport, finde ich, den man alleine oder in der Gruppe ausüben kann. Der anfängliche Respekt und die Angst vor dem Fallen verfliegen schnell, auch wenn es hier und da wackelig bleibt. Dann muss man nur noch entscheiden, ob man meditativ dahingleiten oder anspruchsvolle Fluss- und Wildwassertouren in Angriff nehmen will. Ausprobieren lohnt sich aber in jedem Fall. In diesem Sinne: Draufstellen, lospaddeln, Spaß haben!



Stehpaddeln in Franken

Der Bamberger Faltboot-Club wurde 1929 gegründet. Aktuell zählt der Verein circa 300 Mitglieder, etwa 150 davon sind aktiv. Auf der Anlage im Bamberger Norden, nahe des Erba-Geländes, befindet sich ein Bootshaus mit 200 Plätzen. Seit dem Vorjahr werden beim Faltboot-Club Kurse im "Stand Up Paddling" (SUP) angeboten. Übungsleiter Gerhard Loch, der seit knapp zehn Jahren im Verein tätig ist, nimmt Anfragen entgegen und entscheidet je nach Nachfrage über weitere Kurse.
Infos/Kontakt:
www.faltbootclub.de
bfc-sup@arcor.de

Auch die im Jahr 1925 gegründete Wassersport-Vereinigung (WSV) Neptun Bamberg bietet SUP an. Auf verschiedenen Seen oder Fließgewässern im Umkreis von Bamberg kann man den Sport ausprobieren.
Infos/Kontakt:
www.wsv-neptun.de
info@wsv-neptun.de

Auch außerhalb Bambergs kann man SUP in der Region ausprobieren. Unter anderem werden im Großraum Nürnberg, Fürth und Erlangen Kurse und Touren im Fränkischen Seenland angeboten.
Infos/Kontakt:
www.koru-surf-shop.com

Am Würzburger Stadtstrand am Ludwigkai nahe der Löwenbrücke kann man Bretter ausleihen und Kurse buchen.
Infos/Kontakt:
www.bugwelle-wuerzburg.de

Im Mai 2014 wurde eine neue Gruppe der Kanuabteilung des DJK Schweinfurt gegründet.
Infos/Kontakt:
www.djk-kanu.de