Täglich erreichen uns neue Bilder von all den Menschen, die aus Not und Verzweiflung ihre Heimat verließen. Täglich gibt es neue Nachrichten über den Strom von Flüchtlingen, der sich auf Deutschland zubewegt - in der Hoffnung auf eine bessere Zukunft.

Jetzt erlebt man Arnd Rühlmann, Ursula Gumbsch und Gerti Baumgärtel in einem Programm, das die Akteure mit prominenten Bamberger Autoren in den vergangenen Monaten erarbeiteten: Unter dem Titel "Heimatstücke" ist es im Club Kaulberg ab dem 12. November (Premiere) bis 27. November zu erleben.


Denkanstöße geben

"Natürlich machen wir uns mit einem Programm zum Thema Flucht und Asyl angreifbar - und haben darüber im Vorfeld schon viel diskutiert", meint Rühlmann als Leiter des Nana-Theaters, der in "Heimatstücke" neben Ursula Gumbsch und Gerti Baumgärtel auf der Bühne steht. Man werde sich jeder Kritik aber gerne stellen - wenn das Stück nur dazu dient, Denkanstöße zu geben und festgefahrene Diskussionen neu zu beleben. "Viel zu viele Menschen haben sich längst eine starre Meinung gebildet, ohne sich je mit den Hintergründen näher auseinandergesetzt zu haben." Was auch in Bamberg für irrationale Ängste sorgt, wo die argwöhnisch beäugten Fremden auf dem Konversionsgelände in unmittelbarer Nachbarschaft leben.

"Wie gehen wir mit diesen fremden Nachbarn um?" "Was beschäftigt die Bamberger - zwischen Hilfsbereitschaft und Angst, zwischen Mitleid und Fremdenfeindlichkeit?" Das sind Fragen, die "Heimatstücke - Gedanken zum Thema Flucht und Asyl" aufgreift. Einzelne Szenen verschmelzen zu einer Collage, die Zuschauern unter die Haut gehen soll.


Von Paul Maar bis Nora Gomringer

Neben den Bühnendarstellern wirkte eine ganze Reihe von Autoren am neuen Programm des Nana-Theaters mit: Texte von Nora E. Gomringer, Paul Maar, Tanja Kinkel, Mäc Härder, Martin Neubauer, Marcus Everding, Johanna Moll, Madeleine Weishaupt, Thomas Kastura und Martin Beyer erwarten das Publikum: "Szenen, Geschichten, Dichtungen und Momentaufnahmen voller Hoffnung, Wut, Leidenschaft und Humor - ja, zum Teil bitterem Humor", wie Rühlmann erläutert, der die Zuschauer rühren, zum Nachdenken, aber auch Lachen bringen möchte. "Denn wir fordern unser Publikum nicht nur. Die Abende werden trotz des ernsten Hintergrunds mit Sicherheit unterhaltsamer als erwartet."


Politischer als früher

Im Kreuzfeuer der Kritik stand Rühlmann schon bei früheren Programmen. Nachdem er mit Ursula Gumbsch beim Verriss von Schundliteratur Udo Ulfkottes Machwerk "Gekaufte Journalisten" durch den Kakao zog, verließen einzelne Zuschauer wutentbrannt den Saal. Was Bambergs "Rekordleser" aber nur ermutigte, Bühnenabende künftig noch politischer zu gestalten. Um Unterstützung brauchte er Kollegen nicht lange zu bitten. So rannte der Nana-Theater-Leiter bei den genannten Künstlern und Autoren offene Türen ein, als er ihnen die Idee für "Heimatstücke" vorstellte.

Ohne den moralischen Zeigefinger zu schwingen, prangiert das Programm aber nicht nur die "rechte Ecke" an, wie Rühlmann noch klar stellte. Auch Menschen, die sich in der Flüchtlingsdebatte "gönnerhaft geben" und im eigenen Glanz sonnen, nimmt das Stück ins Visier. Wozu natürlich auch Politiker zählen, die ihr eigenes Süppchen kochen und letztendlich nur das eigene Wohl im Sinne haben.



Auf einen Blick

Vorstellungen zu "Heimatstücke - Gedanken zum Thema Flucht und Asyl" finden am 12., 14., am 19., 26. und 27. November, jeweils ab 20 Uhr im Nana-Theater im Club Kaulberg (Unterer Kaulberg 36) statt. Gerti Baumgärtel, Ursula Gumbsch und Arnd Rühlmann gestalten die Abende. Tickets sind im Vorverkauf über den bvd (09 51/9808220) erhältlich.