Weichen sind gestellt. Für die leuchtend orange Straßenarbeiterfigur auf dem Schrank ist die Adoption in die Wege geleitet. Akten, die niemandem mehr zugemutet werden, hat eine groß angelegte Entsorgungs-Offensive im Vorzimmer verschwinden lassen. Gespeist von der Papierflut aus der langen Schrankwand der Chefin. Wenn sich Gabriele Pfeff-Schmidt am 30. September aus dem Landratsamt in den Ruhestand verabschiedet, wird sie diesen Abschiedsprozess als letztes ihrer Projekte gesteuert und gestemmt haben. Die Kreisbaumeisterin verlässt das Landratsamt nach knapp 13 Jahren.

Die wie im Flug vergangen sind, findet sie. Als Quereinsteigerin hat die freie Architektin, damals knapp 50 Jahre alt, die Seiten gewechselt, sich auf die Verwaltungsseite geschlagen. "Ich wollte Bauprozesse ganzheitlich steuern", erinnert sich Gabriele Pfeff-Schmidt. Sie war es gewohnt, ganzheitlich zu denken, arbeitete mit politischen Gremien und musste Leute zusammenbringen. Damit sah sie sich für das neue Amt gerüstet.

Und jetzt? "Ich stehe noch dazu", betont sie und "ich würde es auch aus heutiger Sicht nochmal machen". Obwohl sie es nicht leicht hatte. Als sie im Bürosessel Platz nahm, fand sie sich zuerst am Boden wieder und wurde dann hochgeschleudert. Das hatte wohl Symbolcharakter: "Ich bin in jedes Fettnäpfchen getreten, das man mir hingestellt hat." Heute kann die zierliche Dame darüber schmunzeln. Wieder.

In der für Bauordnung, Bauleitung, kreiseigenen Hoch- und Tiefbau zuständigen Abteilung begann sie als Chefin von 70 Mitarbeitern. Sie lernte die Landkreisgemeinden kennen und sie lernte Verwaltung. Weil sie jeden einzelnen Bauantrag (jedes Jahr waren das gut 2000) sehen wollte, musste sie sich zwangsläufig auch alles erklären lassen. "Learning by doing." Sie tourte durch die Stadt- und Gemeinderatssitzungen, um ihrem Zuständigkeitsgebiet und den Gremien vor Ort zu begegnen. "Eine sinnvolle Sache."


Umstrukturierung

Die nächsten größeren Herausforderungen galt es 2007 mit einer Umstrukturierung im Landratsamt zu meistern: Die Bereiche Umweltschutz und Wasserrecht wurden der Kreisbaumeisterin zugeschlagen. Damit war sie für gut 100 Mitarbeiter zuständig. Die Umstrukturierung habe sich schnell bewährt, weil Bauwillige dann nur noch mit einer Stelle "verhandeln" mussten und bei Projekten immer alle in einem Boot - meist bei ihr am Tisch - saßen, erklärt die Kreisbaumeisterin. Das war für sie die glücklichste Zeit im Amt mit jeder Menge ganzheitlicher Arbeit.

Dann bekamen zwei große Themen größeren Stellenwert am Landratsamt: Klimaschutz und Demografischer Wandel. Das Letztere passte irgendwie auch zu dem Handlungsfeld Wohnumfeld. Den Klimaschutz sieht Pfeff-Schmidt sowieso als wichtiges Zukunfts-Thema. Freilich musste die Kreisbaumeisterin dafür Aufgaben abgeben. Alles wäre schließlich kaum zu schaffen gewesen, zumal in den zusätzlichen Handlungsfeldern faktisch alles neu zu entwickeln war. "Klimaschutz war bis dahin mehr oder weniger eine private Angelegenheit", sagt Pfeff-Schmidt. Dann wurde alles Chefinnen-Sache.

Mit Robert Martin als Klimaschutzbeauf tragtem hatte sie einen "Glücksgriff" gelandet, weiß sie nun nach den gemeinsamen Jahren. Auch hier war der Beginn eine weitere große Herausforderung: "Wir haben jetzt nur leere Blätter, die müssen wir füllen", habe sie Martin damals erklärt, erinnert sie sich. Bereits 2008 stand die Klimaallianz, die Potenzialanalyse als wesentliche Arbeitsgrundlage dauerte bis 2010.

2012 wurde die Klima- und Energieagentur gegründet. Seit 2011 gibt es die Regionalwerke, Stationen echter Pionierarbeit im Segment Klimaschutz, bei der ihr einmal mehr Verwaltungschef Georg Ensner wichtiger Weggefährte und Wegbereiter war: "Ich war permanent kreativ und er sagte mir,was rechtlich möglich war."


Ganzheitliches Denken

Das ganzheitliche Denken wiederum kam Gabriele Pfeff- Schmidt bei der Auseinandersetzung mit dem demografischen Wandel entgegen, da hier auch die Architektin wieder gefragt war. Denn Innenverdichtung und Stärkung der Ortskerne erachtet Pfeff-Schmidt für lebendige Orte als unabdingbar. Demografie und Bauen gehören als anstehende gesellschaftliche Herausforderungen zu einander. Generationen werden wieder zusammen rücken müssen.

Der sorgsame Umgange mit der Ressource Bauland und Baustoff überlappt dann schon wieder den Klimaschutz. Ganzheitliches Denken zahle sich auch hier aus, findet die 62-Jährige, die gemeinsam mit Martin in dieser Materie auch international vernetzt und unterwegs war. "Was wir in Sachen Klimaschutz und Demografie machen, wird entscheidend für die Zukunft sein."

Aus ihrer Sicht sind viele Weichen gestellt, ist Wesentliches ganzheitlich ins Rollen gebracht. Im Baubereich hätte sie gerne noch mehr gemacht. Ihr baubezogenes Vermächtnis sozusagen, packt sie in eine Ausstellung, die ab November gezeigt wird.

Selbst ist für sie mit Ende September Schluss im Landratsamt. "In Sachen Verwaltung bin ich klüger", merkt sie hintersinnig an. Jetzt hat sie viel Zeit, sich anderen Dingen zu widmen, die sie persönlich weiter bringen. Mathematik etwa, oder Latein. Logisch, dass sie auch dafür schon Weichen gestellt hat.