Seit Mitte Oktober hatte sich ein 51-Jähriger aus dem Landkreis Forchheim vor dem Landgericht Bamberg wegen Mordes an seinem eigenen Sohn verantworten müssen. Am Freitag (12. November 2021) ist nun das Urteil verkündet worden: Der zweifache Familienvater muss lebenslänglich hinter Gitter. Das Gericht sprach ihn wegen Mordes schuldig.

"Man könnte die Tat zusammenfassen: Erschlagen, erwürgt, erdrosselt", sagte der Vorsitzende Richter Manfred Schmidt in seiner Urteilsbegründung. Er sah im vorliegenden Fall das Mordmerkmal der Heimtücke erfüllt. "Alles zusammen ergibt ein Handeln, das auch nach sieben Verhandlungstagen noch schwer zu begreifen ist", betonte Schmidt. Der Angeklagte selbst nahm das Urteil ohne ersichtliche Regung zur Kenntnis. 

Kindsmord-Prozess in Bamberg: Fall lässt auch langjährigen Richter nicht unberührt 

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der Angeklagte am Sonntag, 21. März 2021, mit einem Metallbügel seines Geländewagens "mit erheblicher Wucht" rücklings auf den Kopf seines Sohns eingeschlagen hatte - in der Absicht, das Kind zu töten. Weil dies durch den Hieb nicht gelungen war, begann der 51-Jährige kurzerhand, den Jungen mit beiden Händen minutenlang zu würgen. Um sicherzugehen, dass der Neunjährige nicht überlebte, legte er anschließend dessen Handy-Ladekabel um den Hals des Buben und zog mit beiden Händen zu.

Todesursache sei letztlich "mit hoher Wahrscheinlichkeit" das Würgen gewesen, erklärte Schmidt, der mit Blick auf die grausame Tat festhielt: "Auch wenn man als langjähriger Vorsitzender Richter mit vielen Fällen zu tun hat, ist es doch eine ganz andere Geschichte, wenn vor einem ein Vater sitzt, der seinen eigenen Sohn getötet hat." Der 51-Jährige aus dem Landkreis Forchheim hatte zuvor beim Prozessauftakt bereits gestanden, sein Kind gewaltsam umgebracht zu haben. "Im Ergebnis gibt es keine Zweifel daran, dass die Tat so geschehen ist, wie sie der Angeklagte geschildert hat", sagte Schmidt.

Um sich an dem schweren Metallbügel, mit dem er auf sein Kind einschlug, nicht selbst zu verletzen und zu beschmutzen, hatte der Vater einen Arbeitshandschuh getragen. "Die Hände macht man sich nicht durch das Werkzeug schmutzig", hielt der Vorsitzende Richter diesbezüglich fest, "sondern durch das, was man damit anstellt."

Bub (9) von Vater getötet - Mutter und Schwester bei Urteilsverkündigung vor Ort

Der studierte Betriebswirt hatte seit November 2020 getrennt von seiner Ehefrau und den beiden gemeinsamen Kindern gelebt. Der neun Jahre alte Sohn hatte zur Tatzeit das Wochenende bei seinem Vater in Kleinsendelbach verbracht. Die Mutter und die 14-jährige Schwester des getöteten Jungen waren am Freitag zur Urteilsverkündung am Landgericht Bamberg erneut persönlich vor Ort. Die inzwischen vom Kindsvater geschiedene Frau trat in dem Strafverfahren als Nebenklägerin auf.

Ihre Rechtsanwältin Mareen Basler hatte bezüglich des Strafmaßes - wie zuvor Oberstaatsanwalt Michael Hoffmann - eine lebenslange Haftstrafe für den 51-Jährigen eingefordert. Sowohl Hoffmann als auch Basler sahen im vorliegenden Fall das Mordmerkmal der Heimtücke gegeben. Anders als zuvor der Oberstaatsanwalt attestierte die Anwältin der Nebenklägerin zudem niedrige Beweggründe. Letztere sah das Landgericht indes nicht erfüllt, wie der Vorsitzende Richter in seiner Urteilsbegründung darlegte. 

Das Gericht sei auf Grundlage eines Gutachtens schlussendlich zu dem Ergebnis gekommen, dass der Beschuldigte zur Tatzeit an einer "leichten Depression" sowie an einer "narzisstischen Persönlichkeitseinschränkung" litt. Beides reiche gleichwohl in juristischer Hinsicht nicht aus, dem Angeklagten deshalb eine verminderte Schuldfähigkeit zu attestieren. 

"Warum musste der Sohn sterben?" Mordmotiv bleibt weiter rätselhaft

Weiter rätselhaft bleibt derweil auch nach dem Gerichtsurteil, inwieweit die Pläne des Beschuldigten im Frühjahr einen erweiterten Suizid beinhalteten. Laut Aussage des 51-Jährigen sei es ursprünglich sein Ziel gewesen, Sohn, Tochter und Ehefrau umzubringen und sich im Anschluss daran selbst zu töten. 

Auch in Hinblick auf das Mordmotiv herrscht letztlich nach wie vor Unklarheit. "Warum musste der Sohn sterben?", fragte der Vorsitzende Richter in seinen Schlussworten rhetorisch. "Da muss man deutlich sagen: Ganz klären lässt sich diese Frage nicht."