Im Landkreis Forchheim wurde ein neun Jahre alter Junge getötet: Die Tat ereignete sich am Sonntag (21. März 2021) im Kleinsendelbacher Ortsteil Steinbach. Als mutmaßlicher Täter gilt der 50-jährige Vater des Kindes. Einsatzkräfte der Polizei nahmen den Mann fest. Kriminalpolizei und Staatsanwaltschaft Bamberg ermitteln seitdem wegen Mordes gegen den Mann.

Die Staatsanwaltschaft hat inzwischen neue Details zum aktuellen Sachstand im vorliegenden Fall mitgeteilt. Unter anderem liegen mittlerweile bislang unbekannte Erkenntnisse in Bezug auf die Tatwaffe und das etwaige Mordmotiv vor.

Update vom 15.04.2021, 11.59 Uhr: Staatsanwaltschaft nennt neue Details - Heimtücke als Mordmotiv?

Zur Gewalttat in Kleinsendelbach, bei der ein 50-Jähriger im März seinen neunjährigen Sohn getötet haben soll, liegen inzwischen neue Erkenntnisse vor. 

In Bezug auf ein mögliches Motiv teilt die zuständige Staatsanwaltschaft Bamberg inFranken.de am Donnerstag (15. April 2021) mit, dass es nach den bisherigen Ermittlungen keinen konkreten Anlass zur Tat gegeben habe. "Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass der Gesundheitszustand des Beschuldigten ursächlich oder mitursächlich für die Tat war", erklärt Staatsanwalt Alexander Baum. 

Zur Frage des Tatvorwurfs heißt es vonseiten der Staatsanwaltschaft, dass das Mordmotiv der Heimtücke im Raum steht. Einen Mord aus Heimtücke begeht demnach, wer die Arg- und Wehrlosigkeit des Opfers zur Tat ausnutzt. Arglos ist, wer sich zum Zeitpunkt der Tat eines Angriffs nicht versieht. Die Staatsanwaltschaft verweist diesbezüglich darauf, dass eine Anklage im vorliegendem Fall bislang nicht vorliege, sondern lediglich ein Untersuchungshaftbefehl. Der Beschuldigte befindet sich demnach weiterhin in Untersuchungshaft.

Küchenmesser wohl nicht Tatwaffe

Auch in Bezug auf die Tatwaffe liegen neue Details vor. "Das Küchenmesser war nach den nunmehr vorliegenden Erkenntnissen nicht Tatwaffe", berichtet Baum. Weitere Informationen hierzu können laut dem Staatsanwalt aufgrund der schutzwürdigen Interessen der Tatbeteiligten "jedenfalls zum derzeitigen Zeitpunkt" nicht mitgeteilt werden.

Die Behörde teilt ferner mit, dass es für einen sexuellen Missbrauch zu Lasten des Jungen derzeit keine Anhaltspunkte gebe. "Nach jetzigem Sachstand liegen auch keine Anhaltspunkte dafür vor, dass der Beschuldigte eine Zeugenaussage seines Sohnes verschleiern wollte", erklärt Baum.

Um festzustellen, inwieweit eine Schuldfähigkeit beziehungsweise verminderte Schuldfähigkeit des Beschuldigten vorliege, sei ein Sachverständigengutachten in Auftrag gegeben worden. Das Gutachten liege bislang nicht vor.

Update vom 14.04.2021, 16.39 Uhr: Freunde sammeln fast 40.000 Euro für Mutter und Schwester 

Das Schicksal des kleinen Jungen, der vor Kurzem in Kleinsendelbach gewaltsam ums Leben kam, hat viele betroffen gemacht. Etliche Menschen in Franken reagierten mit Bestürzung und Trauer auf die Bluttat im Landkreis Forchheim. Nach dem jähen Tod des Kindes starteten Freundinnen und Arbeitskolleginnen seiner Mutter eine Spendenaktion für die Hinterblieben.

Dabei kamen bislang knapp 40.000 Euro zusammen. Der Spendenstand belief sich bis zum späten Mittwochnachmittag (14. April 2021) auf die exakte Summe von 39.822 Euro. "Das ist natürlich ein toller Erfolg", erklärt Katrin Grimmer, eine der drei Organisatorinnen der Kampagne, inFranken.de. "Damit haben wir nun wirklich nicht gerechnet." 

Auf der Webseite der Aktion bedanken sich die Initiatorinnen für das entgegengebrachte Vertrauen und die Unterstützung der zahlreichen Spender. "Ihre Hilfsbereitschaft, aber auch Ihre zahlreichen Nachrichten der Anteilnahme haben uns schier überwältigt. Vielen, vielen Dank."

Familie bedankt sich für "ungeahnte Zuwendung" und "selbstlose Hilfe"

Über die Onlineseite meldet sich auch die Mutter des getöteten Neunjährigen mit einer emotionalen Nachricht zu Wort. Ob das Leben ohne das Kind irgendwann wieder schön sein werde, wisse die Familie noch nicht, heißt es darin. "Vielleicht kann die Zeit hier helfen." Dass diese Zeit, die die Hinterbliebenen jetzt brauchten, um sich an ein Leben ohne den Jungen zu gewöhnen, nicht von der Sorge um Finanzielles geprägt sei, "verdanken wir Euch und Ihnen". 

"Meine Tochter und ich möchten an dieser Stelle 'Danke' sagen für diese ungeahnte Zuwendung, diese selbstlose Hilfe und diese so hilfreiche Anteilnahme, die uns von so vielen Menschen zuteil wurde und noch immer wird ... wissend dessen, dass es uns nicht wirklich gelingt, unsere Empfindungen angesichts dieser Hilfsbereitschaft in Worte zu fassen", berichtet die Mutter des getöteten Jungen. Ihr Kind werde nicht vergessen werden - "und alle, die hier helfen, haben einen Anteil daran".

Update vom 24.03.2021, 12.43 Uhr: Freunde und Kollegen richten Spendenkonto für Familie ein

Das Tötungsdelikt im Kleinsendelbacher Ortsteil Steinbach bewegt weiterhin viele Menschen in Franken. Nach dem gewaltsamen Tod des nur neun Jahre alt gewordenen Jungen haben Freunde und Arbeitskollegen seiner Mutter eine Spendenaktion ins Leben gerufen. Ziel der Kampagne ist es demnach, dass sich die Familie in den kommenden Monaten keine finanziellen Sorgen machen müsse.

"Daher bitten wir um Ihre und Eure Mithilfe. Wir freuen uns über jeden noch so kleinen Betrag und bitten Sie herzlich um Ihre Unterstützung" halten die Initiatoren auf der dazugehörigen GoFundMe-Webseite fest. "Die Aktion ist mit der Mutter abgesprochen", versichert Organisatorin Katrin Grimmer inFranken.de

Auf die Mutter und die Schwester des verstorbenen Buben werde viel zukommen, schreiben die Verantwortlichen der Spendenkampagne. "Wir wollen, dass die beiden - gemeinsam mit ihrer Hündin Bella und den Hasen - weiterhin in ihrem lieb gewonnenen Zuhause zur Miete wohnen bleiben und sich Zeit und Ruhe nehmen können, um den Verlust des Sohnes und kleinen Bruders zu begreifen und zu verarbeiten."

Update vom 23.03.2021, 17.47 Uhr: "Jeder ist unheimlich betroffen" - Trauerfeier für Bub geplant

Nach dem Gewaltverbrechen in Steinbach am vergangenen Wochenende herrscht in der Gemeinde Kleinsendelbach (Landkreis Forchheim) Fassungslosigkeit und Trauer. "Jeder ist unheimlich betroffen", berichtet Bürgermeisterin Gertrud Werner am Dienstag (23. März 2021) inFranken.de. "Das ist traurig, dass so etwas bei uns passiert ist." Die Bürgermeisterin ist spürbar mitgenommen von dem schmerzvollen Ereignis. Sie ringt mitunter nach Worten, "Man kann gar nichts darüber sagen, so traurig ist das. Das muss furchtbar für das Kind gewesen sein. Das macht einen ganz einfach unheimlich betroffen."

Der 50-Jährige, der unter Verdacht steht, seinen neunjährigen Sohn umgebracht zu haben, wohne erst seit Kurzem in Kleinsendelbach. "Ich habe ihn nicht gekannt", sagt Werner. Seine mutmaßliche Tat hat gleichwohl nachhaltige Spuren im Ort hinterlassen. "Die ganze Gemeinde ist betroffen und wie gelähmt." Derartige Gewaltverbrechen kommen laut der Bürgermeisterin woanders immer wieder vor. "Ich dachte, wir bleiben von so was verschont, weil wir sonst eine harmonische Gemeinde sind", hält Werner fest. "So etwas Trauriges ist einfach unvorstellbar." 

Gedenkfeier soll am Donnerstag stattfinden - Ermittlungen laufen weiter

Eine Facebook-Gruppe aus Eckental (Landkreis Erlangen-Höchstadt) plant derweil eine kurze Gedenkfeier für den verstorbenen Jungen. Sie soll am Donnerstag (25. März 2021) um 18 Uhr vor dem Eckentaler Rathaus stattfinden. Das Ordnungsamt hat den Antrag an das zuständige Landratsamt Erlangen-Höchstadt weitergeleitet.

Die Ermittlungen von Polizei und Staatsanwaltschaft dauern unterdessen an. Das mögliche Motiv des unter Mordverdacht stehenden Vaters ist nach wie vor unklar. Aufgrund der laufenden Ermittlungen hält man sich aufseiten der zuständigen Staatsanwaltschaft Bamberg bedeckt, wie die Deutsche Presse-Agentur berichtet. Der Tatort wird demnach in den kommenden Tagen noch einmal untersucht. Auch Zeugen sollen laut einem Sprecher der Staatsanwaltschaft vernommen werden.

Update vom 23.03.2021, 13.15 Uhr: Gewaltverbrechen "bewegt und erschüttert" Gemeinde

Zahlreiche Menschen in Franken haben mit Bestürzung und Trauer auf das Tötungsdelikt in Steinbach (Landkreis Forchheim) reagiert. In dem zu Kleinsendelbach gehörenden Dorf soll ein 50 Jahre alter Mann seinen neunjährigen Sohn getötet haben.

Der Pfarrer der Gemeinde St. Heinrich in Kleinsendelbach schildert gegenüber inFranken.de, wie es den Menschen im Umkreis infolge des Gewaltverbrechens ergeht. Das Schicksal des getöteten Buben beschäftigt demnach auch die Einwohner im nur wenige Kilometer vom Tatort entfernten Neunkirchen am Brand. Dort hat Pfarrer Joachim Cibura seinen Wohnsitz. "Natürlich hat das die Leute auch hier bewegt und erschüttert", hält der Geistliche fest. "In Steinbach selbst kennt man natürlich die Leute. Dort sind die Bürger sicher noch mehr bestürzt." 

An der Grundschule Dormitz-Hetzles-Kleinsendelbach in Dormitz stehen die Lehrer unterdessen als Ansprechpartner für Kinder bereit, die den verstorbenen Jungen gekannt haben. Cibura ist an der Schule als Religionslehrer tätig. Der getötete Neunjährige ging in eine andere Schule. Eltern und Kinder können sich zudem an den zuständigen Schulpsychologen wenden - "falls ein Kind sehr betroffen wäre, weil es zum Beispiel Nachbar gewesen ist", erklärt der Pfarrer. 

Die Kirchengemeinde St. Heinrich prüft zurzeit, inwieweit eine Gedenkveranstaltung für das neunjährige Opfer angesichts der Corona-Lage möglich ist. 

Erstmeldung vom 22.03.2021: Tötungsdelikt in Steinbach - Spurensicherung und Ermittlungen laufen

Gegen 17.15 Uhr wollte die getrennt lebende Ehefrau den gemeinsamen neun Jahre alten Sohn nach einem Wochenende beim Vater in dem Wohnhaus im Föhrenweg abholen.

Der 50-Jährige trat ihr dort mit einem Küchenmesser in der Hand entgegen. Auch aufgrund von Äußerungen des Mannes befürchtete die Frau, dass ihr Sohn in Gefahr sei und wählte außerhalb des Anwesens den Notruf.

Bereits wenig später waren die ersten Streifenbesatzungen vor Ort und konnten sich, zusammen mit Spezialisten des Unterstützungskommandos aus dem angrenzenden Mittelfranken, die in der Nähe eingesetzt waren, Zutritt zu dem Wohnhaus verschaffen. Dort nahmen sie den 50-Jährigen nur 30 Minuten nach der ersten Mitteilung vorläufig fest. 

Polizisten finden Kind leblos im Haus

Im oberen Teil des Hauses fanden die Beamten den leblosen Jungen. Ein Notarzt konnte nur noch seinen Tod feststellen. Nach ersten Erkenntnissen dürfte dieser bereits einige Stunden zuvor eingetreten sein.

Kriminalbeamte mehrerer Kommissariate aus Bamberg nahmen vor Ort die umfassenden Ermittlungen auf und führten unter anderem Spurensicherungsmaßnahmen durch. Eine Rechtsmedizinerin kam ebenfalls an den Tatort. Der für Kapitaldelikte zuständige Dezernent der Staatsanwalt Bamberg machte sich ein Bild von dem Geschehen. Ein Mitarbeiter des Kriseninterventionsteams kümmerte sich insbesondere um die Mutter. 

Am Montagvormittag erfolgte die rechtsmedizinische Untersuchung des Kindes. Hierbei wurde festgestellt, dass Gewalteinwirkung zum Tod des Neunjährigen geführt hat. Aufgrund der gesamten Ermittlungserkenntnisse erging am Montagnachmittag auf Antrag der Staatsanwaltschaft Bamberg Untersuchungshaftbefehl gegen den 50-Jährigen, den Beamte anschließend in eine Justizvollzugsanstalt brachten. 

Symbolfoto: StockSnap/Pixabay

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