Am Dienstag veröffentlichte der Fränkische Tag eine repräsentative Umfrage zu den Veranstaltungen in der Bamberger Innenstadt, gestern stand das Thema - schon länger geplant - im Stadtrat auf der Tagesordnung.
Einige Räte nahmen Bezug auf die Studie, in der 75 Prozent der befragten Bamberger angegeben hatten, dass sie sich nicht durch die Veranstaltungen in der Innenstadt beeinträchtigt fühlen. 13 Prozent der Befragten fühlen sich wenig, zwölf Prozent stark bis sehr stark beeinträchtigt, darunter vor allem Innenstadtbewohner.
Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD) bezeichnete die Umfrage als "ausgesprochen hilfreich". Er sagte: "Sie zeigt ein klares Stimmungsbild, wie die Bamberger Bürgerschaft die Veranstaltungen beurteilt."

Auch Helmut Müller, Fraktionsvorsitzender der CSU, griff Zahlen auf. Niemand wolle die Veranstaltungen ernsthaft abschaffen. "Aber 77 Prozent der Bamberger wollen in die Entscheidungen mit einbezogen werden."
Diesen Wunsch nach Beteiligung setzte der Stadtrat gestern um. Es wird ein "Hearing" geben - eine öffentlichen Anhörung der Veranstalter mit Bürgerbeteiligung - und die Anwohner sollen vor und nach Veranstaltungen befragt werden.

Im März hatte der Stadtrat beschlossen, das Thema "Veranstaltungen in der Innenstadt" Mitte Mai erneut zu diskutieren. Einer der Gründe dafür: Am 8. April fand ein Workshop über die strategische Ausrichtung der Ziele von Stadtmarketing Bamberg e.V. statt. Diskutiert wurde auch über den Bereich "Eventmanagement". Aus den Gesprächen ergab sich unter anderem die Übereinkunft, dass der Stadtmarketing-Verein einen Beirat reaktivieren soll, der sich mit den Veranstaltungen von Stadtmarketing und deren Evaluierung auseinandersetzt.

Beispiel Esslingen

Ein wichtiger Punkt für die Anwohner: Stadtmarketing wird die Innenstadtbewohner besser einbeziehen. Im Workshop wurde das Beispiel Esslingen gebracht. Dort werden im Vorfeld von Veranstaltungen die Anwohner aktiv aufgesucht, nach den Events fragt man sie nach ihren Erfahrungen.
Dieses Vorgehen entspricht einer Forderung in einem Antrag der CSU-Stadtratsfraktion vom 29. April zum Thema "Lärmbelästigung in der Innenstadt".

Zu Wort kommen werden in Zukunft aber nicht nur die Anwohner: Im Herbst soll es auf Einladung der Wirtschaftsförderung der Stadt Bamberg ein Hearing der Veranstalter geben. Eingeladen werden neben Stadtmarketing auch Vertreter der Bamberger Sandkerwa Veranstaltungs GmbH und von Radio Bamberg.

Das Hearing soll öffentlich sein, damit sich die Bürger direkt beteiligen können. Es soll über Erfahrungen aus den Veranstaltungen diskutiert werden, die 2013 stattgefunden haben. Der Antrag der CSU-Fraktion vom 29. April schlägt einen Workshop vor, der ähnliche Ziele verfolgt und von Oberbürgermeister Starke geleitet werden soll. Besonders beteiligt werden sollen die Innenstadt-Bewohner als zu schützende Minderheit. Dieser Workshop wird im Zuge des Hearings unter der Leitung des Oberbürgermeisters stattfinden. Die Kosten für das Hearing in Höhe von 5000 Euro sind mittlerweile eingeplant.

Für die Minderheit der Innenstädter zu sprechen, dazu fühlte sich Dieter Weinsheimer, Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler (FW), berufen. "Die eigentlichen Betroffenen sind in der Gesamtbetrachtung der Umfrage in den Hintergrund geraten. Aber 25 Prozent der Menschen fühlen sich belästigt! Für diese Minderheit müssen wir uns etwas einfallen lassen!", forderte er.

Könnte vielleicht die Reduzierung oder Auslagerung von bestimmten Veranstaltungen eine Lösung sein? Konkret wurden Live-Übertragungen von Sportveranstaltungen angesprochen, vor allem wegen der hohen Lärmbelästigung. So fragte die fraktionslose SPD-Stadträtin Sabine Sauer: "Muss es denn immer der Maxplatz sein?" An der Suche nach alternativen Standorten wird sich neben dem Ordnungsamt das Umweltamt beteiligen, das eine Prognose zur Lärmbelastung abgeben wird. Auch die Polizeiinspektion Bamberg-Stadt, die Feuerwehr und die Eigentümer der möglichen neuen Standorte sollen mit von der Partie sein. Im Gespräch für das Public-Viewing sind das Fuchspark-Stadion und die Stechert-Arena sowie deren Umfelder, und die Jahn-Wiese.

Außerdem stimmten die Stadträte zu, bei der Entwicklung der Konversionsflächen generell an einen geeigneten Veranstaltungsort zu denken, etwa eine Open-Air-Area, die für verschiedene Zwecke geeignet ist - zum Beispiel als Standort für den Plärrer. Im Zusammenhang damit soll auch auf den Lärmschutz Rücksicht genommen werden. Speziell um das Thema "Lärmschutz" wird es im Herbst in einem Bericht der Stadtverwaltung gehen.

Formular für Veranstalter

Neben einer eventuellen Verlagerung oder Reduzierung von Events aus der Innenstadt stand das Thema "Qualitätssicherung" auf der Tagesordnung. Das Ordnungsamt ist verantwortlich für die Sicherheit der Veranstaltungen, "aber wir sind kein Ästhetik-TÜV", sagte Ralf Haupt. Die Dienststelle könne nur darauf hinweisen, dass ein Veranstalter eine "qualitätvolle Umsetzung" vornimmt. Er verwies auf sein Formular, das das Ordnungsamt seit März Veranstaltern an die Hand gibt. Ursula Sowa, GAL-Fraktionsvorsitzende, lobte das Papier ausdrücklich, vor allem in Bezug auf die Erklärung von Sicherheitsvorkehrungen und Sperrzeitregelungen.

Am Ende wurde es noch einmal unruhig im Stadtrat: Dieter Weinsheimer legte mit einem Antrag der FW-BR-Fraktion Wert darauf, dass auf der Basis des CSU-Antrags im geplanten Workshop einige Punkte explizit diskutiert werden.

Die Mehrheit der Stadträte kam dieser Forderung nach und stimmte dafür, dass folgende Zielsetzungen diskutiert werden: Die Zurückführung von "Bamberg zaubert" auf den "ursprünglichen Charakter", eine mögliche Verkürzung des Blues- und Jazzfestivals, eine mögliche Verlegung des Weinfestes weg vom Maxplatz und ein neues Reinigungs- und Sicherheitskonzept.