Aus Schwebheim war kein Anruf eingegangen. Lisa Plunkett ist auch am Montag noch verwundert. Eigentlich hätte sie spätestens nach dem Wochenende mit der Kontaktaufnahme aus Unterfranken gerechnet. Aber nichts. In das Schwebheimer Tierheim schwappte am Samstag eine Flut von fast 80 beschlagnahmten Welpen. Wie berichtet, war der Polizei bei einer Kontrolle auf der A 70 bei Werneck ein illegaler Tiertransport ins Netz gegangen.

Die sichergestellten Tiere kamen dann nach Einschalten der Amtsveterinäre zum Tierheim Schwebheim, das auch für den Landkreis Schweinfurt zuständig ist. Mit Schwebheim kooperiert das Bamberger Tierheim Berganza gut und eng, erklärt Marion Hymon-Löffler, Zweite Vorsitzende des Tierschutzvereins Bamberg und Umgebung. Verwunderung herrscht hier, warum Bamberg nicht eingeschaltet wurde. Man hätte gerne geholfen

Kapazitäten vorhanden

Die stellvertretende Tierheimleiterin Lisa Plunkett erklärt bestätigt das: Selbstverständlich hätte man die Kollegen unterstützt - und Kapazitäten gehabt. Zudem verfüge man für die ganz jungen Welpen über die Möglichkeit, sie in Pflegestellen unterzubringen. Sie selbst habe über den Artikel im Fränkischen Tag von dem dramatischen Vorfall erfahren, auf die Kontaktaufnahme gewartet. Dann setzten sich die Bamberger mit Schwebheim in Verbindung. Doch dort war man wegen der Welpen so im Stress und hatte überhaupt keine Zeit, so Plunkett. Selbst Vereinsvorsitzender Liebhard Löffler kam nicht an die Schwebheimer ran.

Wie alle anderen Anrufer muss auch er mit der Auskunft des automatischen Anrufbeantworters vorlieb nehmen. Der sagt, dass die Mitarbeiter des Schwebheimer tierheimes mit der Versorgung der 28 hier betreuten Welpen beschäftigt seien, denen es soweit gut gehe. Worüber man in Bamberg allerdings doch erstaunt ist, ist die Tatsache, dass man aus Schwebheim Tiere "an uns vorbei und nach Coburg und Feucht vorbei transportiert hat", so Löffler.

Denn Bamberg hätte, wie gesagt, "selbstverständlich geholfen". Schließlich gibt es seit einiger Zeit Kooperationsrunden mit den benachbarten Tierheime, bei denen man sich austauscht und bestimmte Dinge bespricht," so Marion Hymon-Löffler. Schließlich bedeute Solidarität in derartigen Fällen eine große Hilfe. Bamberg, so Lisa Plunkett hatte einen derartigen Fall mit Hundewelpen noch nicht zu verkraften, wohl aber Kanichen- oder Katzenschwemmen.

"Das ist für jedes betroffene Tierheim eine Riesen-Herausforderung und bedarf großen Organisationsalents." Man wird in jedem Fall recherchieren, warum Bamberg diesmal außen vor geblieben ist.

Abgesehen davon empört sich Marion Hymon-Löffler über diesen furchtbaren Fall und dass es offenbar Mode ist, immer jüngere Welpen von den Müttern wegzunehmen.

Kindchenschema

"Da zählt offenbar nur das Kindchenschema, möglichst klein, möglichst putzig." Dabei wüssten die Abnehmer meist gar nicht, mit viel Aufwand ein derart junges Tier verbunden ist. Die bekommen dann einfach Futter hingestellt, obwohl sie im Alter von vier Wochen kaum selbstständig fressen können und auch noch Muttermilch benötigen. Die Trabelsdorferin weiß, wovon sie spricht, zieht sie seit vielen Jahren doch schon winzige Katzen- und Igelkinder groß.

"So was schockt einen," kommentiert Susanne Weber den Wernecker Vorfall. Ihre Mutter Petra züchtet seit einigen Jahren selbst Eurasier, eine der ganz jungen Hunderassen, und zieht derzeit selbst einen Wurf groß.
Die Tiere mit zum Teil erst vier Wochen von der Mutter zu trennen, da seien die Tiere "viel, viel, viel zu jung!" Die 22-Jährige reagiert voller Wut und Zorn. Es gehe solchen "Vermehren", das Wort Züchter, mag sie nicht bemühen, nur um das schnelle Geld und dafür würden die Tiere missbraucht. "Wer bringt so was nur fertig," fragt sie. Bei den nun sichergestellten Welpen handelt es sich, wie sie erfahren hat, unter anderem um Möpse, Chihuahuas, Cocker Spaniels und Berner Sennenhunde. "Also Moderassen", erklärt die Röbersdorferin.