Bamberg
Ich habe Pubertät

"Ich habe Pubertät" - Wie lange ist eigentlich ein "gleich"?

Redakteur Michael Busch berichtet im Blog von seinen Erfahrungen mit einer pubertierenden Tochter.
In der Mathematik ist das mit dem "Gleich" einfach einfacher.
In der Mathematik ist das mit dem "Gleich" einfach einfacher.
Gleich, sofort, "Bin unterwegs" und "Komme!" sind zeitliche Einordnungen, die vor und während der Pubertät völlig unterschiedliche Bedeutungen haben. Erst im Erwachsenenalter kommt die zumindest im Duden festgehaltene Bedeutung wieder zum Zuge. In der Prä- und der Postpubertät heißt das nämlich soviel wie "Unverzüglich", also dem angesagten Zeitpunkt nahe liegend.
Zwischen gleich, sofort und sofort liegen extrem kurze Zeiteinheiten. Meist Sekunden, manchmal Minuten - seltener Viertelstunden. Außer? Völlig korrekt - außer diese Begriffe werden von einer 13-jährigen Pubertierenden benutzt.
Vor allem mit der Verbindung von Arbeitsaufträgen (Müll rausbringen, Staubsaugen, Spülmaschine ausräumen) mutieren die erwähnten Kurzeinheiten eher zu Dauerhaftigkeiten, die außerhalb der Pubertät mit Worten wie "Später", "Irgendwann" oder im Extremfall "Jetzt nicht..." beschrieben werden.
Neulich wollte ich das mal ausprobieren. Nachdem Nicola in ihrem Zimmer bereits über eine Stunde zugebracht hatte, wollte ich sie zur Hausarbeit verdonnern. Meine Antwort wurde auch sofort (!) vernommen und mit einem "Ich komme gleich" quittiert.
Dann wartete ich mal. Eine Stunde, eineinhalb Stunden - und dann kam auch noch meine Frau vom Reiten nach Hause. Diese wollte ebenfalls etwas von der gemeinsamen Tochter und erhielt als erstes Lebenszeichen nach meinem Aufruf ebenfalls den Hinweis: "Gleich!" Und das sogar recht genervt ausgesprochen.
Meine Frau verstand nicht wirklich, warum dieses "Gleich" mit gut eineinhalb Stunden - mindestens - gleichzusetzen war. Nach ihrer energischen Nachforderung "Gleich heißt gleich" entschied sich das Töchterlein, dann doch mal aufzutauchen.
Lustig war es allerdings bei einer anderen Gelegenheit. Ebenfalls nach weit über einer Stunde, nachdem sie aufgefordert war zu kommen, entdeckte sie die zwischenzeitlich leer gemachten Eisbecher auf dem Tisch. Leichte Enttäuschung, wenn nicht sogar Ärger machte sich bei ihr breit, als ich ihr offerierte, dass das Eis nicht so viel Zeit gehabt hätte, gleich gegessen wurde, um nicht zu schmelzen. "Du hättest ja mal sagen können, dass es dringend war", monierte sie. Drehte sich um und ward schnell, also irgendwie gleich, verschwunden. Das soll nun ein Erwachsener verstehen? Scheiß Pubertät!

Und was sagt Nicola?
Toll, für alles ruft Papa zehnmal, obwohl ich schon längst auf dem Weg bin. Aber wenn es mal wichtig ist, dann ruft er nur einmal und ich bekomme kein Eis.