Weihnachten hat dann doch stattgefunden. Trotz der Befürchtung Nicolas, dass dieses wegen der Terrorakte irgendwie ausfallen könne. Es fand so statt, wie es traditionell bei der Familie Busch spätestens nach der Ehelichung des leidgeprüften Papas stattfindet. Allerdings in diesem Jahr mit mehr pubertären Diskussionen.
Der Weihnachtsbaum wird erst am Morgen des Heiligen Abends aufgebaut. Die einzige Entscheidung, die in diesem Zusammenhang getroffen wird, ist die Frage, ob der Baum mit den "alten Holzkugeln", den weißen oder blauen Kugeln oder jedwelcher Kombination geschmückt wird. Nicola hätte gerne schon Tage zuvor aufgebaut. "Der kostet soviel Geld, da ist es doch Schade, dass er erst vier Tage in der Garage liegen soll, wo ihn keiner sieht!" Auch die Angst, dass der Baum erfriert, spielte durchaus eine Rolle.
Dann wurde bei der Frage des Kirchgangs diskutiert. "Wir müssen doch nicht U-Boot-Protestanten spielen!", meinte sie kurz bevor der traditionelle Gang in die Kirche stattfinden sollte. Was heißt hier U-Boot? Die Erklärung meiner 13-Jährigen stellt ein Weltbild in Deutschland da, wie es kaum bestechender sein konnte. "Na ja, wie ein U-Boot tauchen die Kirchgänger zu Weihnachten und zu Ostern auf, um zu sehen, ob die Kirche noch steht und um zu zeigen, dass man selbst dazu gehört." Und das erklärte sie mir als Konfirmandin. Na super.
Aber auch hier zog sie den Kürzeren und der Halb-sechs-Gottesdienst war als kurze Auftauchfahrt inklusive dem "Ich-habe-noch-eine-Freundin-getroffen" durchaus ein beseelter Einstieg auf die Bescherung. Deren Tradition wurde übrigens nicht in Frage gestellt, obwohl ich diverse Angebote machte. "Morgen früh, da haben wir mehr Zeit?" Nach der Kirche wartete Nicola brav mit ihrem Bruder Felix bis die Glocken erklangen, um sich den Geschenken zu widmen.
Das lief ebenso unkompliziert wie das Fondue bei der lediglich die Fragen "Warum bekomme ich nur einen Spieß?" und "Warum darf Opa das Fleisch roh essen?" weniger entscheidende Rollen spielten.
Glücklich beschert, vielleicht ein wenig rotweingeschwängert, wollte ich dann eine Tradition neu erfinden. Ich machte in Richtung Nicola den Vorschlag: "Willst Du Deinen neuen Freund nicht morgen zum Essen einladen?" Und was antwortete mir Nicola? "Das ist schon lange vorbei, der kommt sicher nicht." Was für eine schöne Bescherung. Den ersten locker überstanden. Das ist doch mal eine schöne Bescherung. Von wegen: Scheiß Pubertät!

Und was sagt Nicola?
Festgemauert in den Erden, steht die Tradition gebrannt. Aus der Änderung wird nix werden, da wär ich lieber weggerannt.