Schlendern in einem Elektronikmarkt an der Langen Straße? Ein großer Sportartikelhändler an der Franz-Ludwig-Straße? Ganz so euphorisch wie vor 17 Jahren hört sich Konrad Gottschall, Chef der Sparkasse Bamberg, heute nicht mehr an. Die Zahl der Anläufe, mit der das größte Kreditinstitut der Region ein 5500 Quadratmeter großes Grundstück zwischen Langer Straße und dem Zentralen Omnibus-Bahnhof zu beleben hoffte, ist Geschichte. Viel Geld wurde in den Sand gesetzt, zuletzt für einen Wettbewerb vor drei Jahren.

Doch etwas ist an diesem Mittwoch anders. Wenn der Bausenat heute eine Grundsatzentscheidung über zwei verschiedene Planvarianten für das Grundstück hinter dem Sparkassengebäude trifft, dann müssen die Bürgervertreter nicht mehr wählen zwischen dem umstrittenen Abriss denkmalgeschützter Substanz auf der einen Seite und der Fortsetzung des Verfalls in einem

jahrzehntealten Totwinkel der Stadt auf der anderen.
Im Gegenteil, es zeichnet sich eine konfliktfreie Lösung ab, möglicherweise gar ein Befreiungsschlag .

Das jedenfalls hofft der Bamberger Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD) und Konrad Gottschall, die zusammen mit dem neuen Baureferenten Thomas Beese über die Fortschritte informierten, die durch ein so genanntes Bieterverfahren in diesem Sommer erzielt wurden.

Das Ergebnis: Einer von zwei zur Auswahl vorliegenden Bauvarianten gelingt, was renommierte Denkmalschützer aus ganz Deutschland stets als Bedingung für ein Ja zur Bebauung erklärt hatten: Den Erhalt der denkmalgeschützten Rückgebäude von Hellerstraße 11 und 13.

Diese sollen in dem Angebot der Bietergemeinschaft Laren Development AG nicht einem von drei Handelsgebäuden zum Opfer fallen, wie die alternativen Pläne vorsehen, sondern für kleinteiliges Gewerbe erhalten werden, samt des darin vorhandenen jüdischen Tauchbads, einer Mikwe.

"Der neue Vorschlag unterscheidet sich ganz grundsätzlich von den bisherigen", beschrieb OB Starke die neue Herangehensweise, nicht ohne seine Sympathie für den "pfleglicheren Umgang" mit den gewachsenen Struktur en der Welterbestadt zu formulieren.

Diese hat freilich auch ihren Preis: Die Passage von Langer Straße zum ZOB, die bei dem bisherigen Modell des Investors Multi Development die tragende Idee des Projekts gewesen war, entfiele, um Platz für Handelsnutzungen zu schaffen. Und der Erhalt der denkmalgeschützten Häuser hat Folgen für die Baudichte in der unmittelbaren Nachbarschaft.

Im Ergebnis käme es zu einer wuchtigen Blockrandbebauung entlang der Langen Straße und der Ecke Promenade und Franz-Ludwig-Straße.

Zumindest der Verwaltungsrat der Sparkasse hat grünes Licht dafür gegeben, die Überlegungen mit den beiden großen Neubauten weiter zu verfolgen - im Gegensatz zu den bisherigen Plänen der Focus AG, die noch auf eine Passage setzt.

Sparkassenchef Gottschall hofft, dass der Bausenat durch eine grundsätzliches Ja die Weichen dafür stellt, dass sich nach 17 Jahren Stillstand doch noch etwas tut in den Hinterhöfen rund um die Hellerstraße. Dazu muss man wissen, dass das Sparkassengebäude an der Langen Straße wegen des Umzugs der Bankmitarbeiter an den Schönleinsplatz ab März leer steht - ein Umstand, der den Handlungsdruck erhöhen dürfte.

Auch der neue Baureferent Thomas Beese empfiehlt, den neuen Ansatz weiter zu verfolgen.

Er sieht schon deshalb keine andere Chance, weil der Versuch, ein Handelsgebäude in der Mitte des Grundstücks zu bauen, mehrfach gescheitert ist. Mit dem Projekt verbinde sich die Hoffnung, die Innenstadt durch bisher nicht vorhandene Sortimente zu stärken. Beese spricht von einem Elektronikfachmarkt, von einem großen Sporthaus oder einem Textiliten.

Gleichwohl machte der Baureferent deutlich, dass die vom Investor gewünschten Dimensionen mit gewaltigen 14000 Quadratmetern Nutzfläche kaum stadtverträglich sind.

Im Klartext heißt das: Die Laren Development AG muss ihre Baumassen reduzieren, wenn sie das Einverständnis des Bausenats erhalten will.

Daran führt auch nach Ansicht der Bamberger CSU kein Weg vorbei: "Wir finden die zweite Lösung zwar von Haus aus besser, weil sie einen Weg aufzeigt, die Denkmäler zu bewahren, halten den Vorschlag aber für überdimensioniert.

Der Investor muss abspecken und nachbessern", sagte Helmut Müller auf unsere Anfrage.

Ähnlich beurteilen die Bamberger Grünen den neuen Planungsstand. Ursula Sowa begrüßt zwar, dass die Gebäude an der Hellerstraße erhalten werden sollen, spricht aber von einem gewaltigen Änderungsbedarf an der Baumasse der beiden Hauptgebäude. Nicht nur für sie stellt sich die Frage, ob "das Projekt dann noch wirtschaftlich ist". Grund: Das frühere Vorhaben von Multi Development war nicht nur am Einspruch der Denkmalschützer gescheitert, sondern auch daran, dass sich die potenziellen Bauherren nicht mit der Sparkasse über den Grundstückspreis einigen konnten. Falls es wieder dazu kommen, müsse dies kein Schaden sein, glauben die Grünen. Sie sprechen sich für eine Weiterentwicklung der Gebäude im Bestand aus. Auch das Sparkassenhaus sei besser als sein Ruf.



Positiv bewertet es der Bamberger Denkmalschützer Achim Hubel, dass erstmals von einem Erhalt der Häuser in der Hellerstraße die Rede ist. Freilich fürchtet auch Hubel, dass die Proportionen der neuen Gebäude nicht mehr zur Altstadt passen.

Anders als früher vertritt Stadtmarketing Bamberg heute keine Kontraposition zum neuen Handelsquartier mehr. Es müsse vermieden werden, dass in dem neuen Projekt Handelsnutzungen verwirklicht würden, die es in Bamberg bereits gebe. Dann könne man auch auf eine Tiefgarage verzichten. Attraktive Mieter könnten dazu beitragen, dass die Innenstadt in Bamberg attraktiver werde, sagte Geschäftsführer Klaus Stieringer. Bedarf sei gegeben. "Zur Zeit gibt es deutlich mehr Nachfrage nach Flächen als Angebot."

Vor 27 Jahren wurden die Weichen gestellt, dass die Sparkasse das Grundstück kaufte. Trotz der vielen erfolglosen Versuche, sieht Konrad Gottschall das Areal noch immer als eine Riesenchance für Bamberg.