Rund zehn Millionen Euro haben der Freistaat Bayern, die Europäische Union und die Marktgemeinde Hirschaid in die Hochwasserfreilegung des Ortsteils Regnitzau investiert. Im November 2014 war alles "rechtzeitig vor dem möglichen ersten Herbsthochwasser" fertig - und dann kam keines. Auch eine Schneeschmelze unter Föhn und tagelange Wolkenbrüche blieben aus, die Regnitz floss das Winterhalbjahr über brav in ihrem Bett dahin. Die 1,9 Kilometer lange "Schutzlinie", bestehend aus Spundwänden, Schutzmauer oder Deichen ist unübersehbar.

Die Feuerwehr hat geprobt, wie im Ernstfall die vier Durchgänge mit Hilfe von Dammbalken geschlossen werden, um die 250 Immobilien der Regnitzau vor Hochwasser zu schützen. Aber eine Frage war noch ungeklärt: Erfüllen die Pumpwerke ihre Aufgabe? Über die Antwort können sich alle Beteiligten freuen: Alles klappt bestens.

20 Sekunden Höchstleistung

Aufschluss gab ein gut vorbereiteter Pumpversuch unter tatkräftiger Mitwirkung der Freiwilligen Feuerwehr Hirschaid. Die durfte nämlich in stundenlangem Einsatz die Kammer des Pumpwerks I am Rande des Sportplatzes mit über 50 Kubikmeter Regnitzwasser füllen. Als dann die drei Pumpen eingeschaltet wurden, dauerte es etwa 20 Sekunden und die Regnitz hatte ihr Wasser wieder.

Das zahlreich versammelte Publikum bekam ein Schauspiel geboten, das im Normalfall unter Wasser abläuft. Dazu muss folgendes Szenario eingetreten sein: Die Regnitz führt Hochwasser und die Schieber am Ende der Oberflächenentwässerung der Regnitzau schließen sich. Dann füllt das Regen- oder Tauwasser die Pumpenkammer und ab einem bestimmten Wasserstand schalten sich die Pumpen ein, je nach Bedarf eine, zwei oder drei und am Einlauf des Friesnitzgrabens sogar bis zu vier.

Jede dieser aus Skandinavien importierten Pumpen hat eine Förderleistung von 800 Litern pro Sekunde. Sie drücken das "Binnenwasser" der Regnitzau in den Hochwasser führenden Fluss. Die Förderleistung der Pumpen und die Stauräume - neben dem Pumpwerk II am Friesnitzgraben wurde eine drei Hektar große Flutmulde angelegt - ist das Ergebnis umfangreicher Berechnungen, versichert Hans Rost, der zuständige Abteilungsleiter des Wasserwirtschaftsamtes Kronach.

Schutz gegen Stromausfall

350 000 Euro wurden für die Pumpen, den Einbau und die elektrische Versorgung ausgegeben. "Und dabei hoffen wir, dass sie nie im Ernstfall laufen müssen," sinniert Rost. Weil die Behörden aber nichts dem Zufall überlassen wollen, sorgten sie sogar für einen Stromausfall vor: Demnächst wird ein mit Notstromaggregat geliefert, das zum Einsatz kommen wird, wenn bei einem Hochwasser und sintflutartigem Regen das Stromnetz zusammenbricht.

Mehr Schutz für die Regnitzau geht kaum. Die Bewohner des Ortsteils sind denn auch mit den neuen Vorrichtungen zufrieden, sagt Bürgermeister Klaus Homann (CSU), der selbst in dem vormals überschwemmungsgefährdeten Bereich zwischen Fluss und Großschifffahrtsstraße wohnt.
Homann steckt schon in Planungen eines Einweihungsfestes im kommenden Sommer. Gleichzeitig bereitet er die Bevölkerung auf die bevorstehende Renaturierung der Regnitz vor. Auch dafür werden wieder Schwertransporte durch die Siedlung rollen.