Zur wichtigsten Einnahmequelle hat sich die Einkommensteuerbeteiligung entwickelt, die für 2015 mit 6,09 Millionen Euro veranschlagt worden ist. Laut Bürgermeister Klaus Homann (CSU) hat allein die Besiedlung des Baugebietes Juliushof zu einer Zunahme an Einkommensteuer um eine halbe Million Euro geführt.


Mehr Steuerzahler ansiedeln


Angesichts dessen hielt es Kurt Barthelmes (WG Regnitzau) einmal mehr angezeigt, an die Verwertung des Bauerwartungslands zu erinnern. "Mehr Steuerzahler anzusiedeln wäre schon gut," meinte er, "vor allem, wenn sie auch noch über höhere Einkommen verfügen".

Darüber ist man in Hirschaid geteilter Meinung. Kürzlich hatte der Ortssprecher von Friesen erklärt, dass seine Dorfgemeinschaft "keine Bonzen" ansiedeln möchte.
Zur Debatte stand das ehemalige Vogt-Gelände unterhalb der Friesener Warte.

CSU-Sprecher Heinrich Dorn räumte ein, dass man beides anstreben müsse: die Innenverdichtung der Altorte und die Besiedlung von Ortsrändern. Schneller würden Sparmaßnahmen wirken, auch solche, die schmerzlich seien. Dorn: "Wir müssen auch in den Verwaltungshaushalt eingreifen!" Albert Deml von der Ökologischen Liste vermisste denn auch einen nachhaltigen Einsparplan. Stattdessen verschiebe man Maßnahmen, die zu einer Verbesserung der Finanzlage führen würden.


Umschuldungen bringen nichts


Sein Vorschlag, Umschuldungen vorzunehmen, um die Zinslast zu senken, wurde von Kämmerer Kropfelder abgewehrt: Die Gemeinde habe nur noch einen Kredit mit einem Zinssatz von über drei Prozent, die anderen schwankten zwischen 1,3 und 1,5 Prozent. Bei vorzeitigen Ablösungen zahle man nur drauf.

Die Zinsausgaben Hirschaids belaufen sich zur Zeit nur noch auf 138.100 Euro im Jahr. Von Gewicht sind ganz andere Ausgaben: 5,1 Millionen Kreisumlage, vier Millionen Personal- und Betriebskosten der Kindertagesstätten oder 2,2 Millionen Verwaltungskosten. Das Erlebnisbad Frankenlagune hat einen Zuschussbedarf von über 1,1 Millionen Euro. Die Dreifachsporthalle Regnitzarena kostet 684.000 Euro im Jahr, während für die Schulen Betriebskosten von 1,35 Millionen anfallen. Der Straßenunterhalt schlägt mit 772.000 Euro zu Buche.

Die Gewerbesteuer (3,8 Millionen Euro), die Einnahmen aus der Grundsteuer A und B (1,38 Millionen), die Schlüsselzuweisungen (571.600 Euro), der Familienleistungsausgleich (0,5 Millionen) und die Umsatzsteuerbeteiligung (428.400 Euro) sowie weitere kleinere Einnahmequellen ergeben trotz der hohen Kosten einen Überschuss von 790.700 Euro, der in den Vermögenshaushalt übertragen wird. Er reicht gerade, um die 750.100 Euro Tilgungen zu bestreiten.

Zuschüsse - rund eine Million Euro - sowie 600.000 Euro Herstellungsbeiträge und 260.000 Euro aus Grundstücksverkäufen sowie eine Kreditaufnahme von 4,7 Millionen Euro finanzieren die Investitionen: Für neue Feuerwehrfahrzeuge, Funk und Stellplatz werden 619.000 Euro benötigt. Ins Schloss Sassanfahrt fließen noch 420.000 Euro.


Teurer Hochwasserschutz

Für den Straßenbau ist eine Million veranschlagt; die Abwasserbeseitigung wird für 555 000 Euro verbessert, für den DSL-Ausbau werden 750.000 Euro bereitgestellt. Dickster Brocken ist die Rechnung für den Hochwasserschutz der Regnitzau: 2,2 Millionen Euro.

Der Schuldenstand steigt von 4,53 auf 8,46 Millionen Euro, die Pro-Kopf-Verschuldung von 380 auf 705 Euro.
Kämmerer Kropfelder rechnet damit, dass sich bis 2018 die Zuführung zum Vermögenshaushalt bei jährlich 3,15 Millionen Euro einpendeln wird. Durch Investitionen zeichne sich eine Deckungslücke von 3,58 Millionen Euro ab. Um sie zu schließen, sei eine weitere Nettoneuverschuldung um 1,4 Millionen Euro erforderlich. Sein Fazit: "Der Konsolidierungskurs muss fortgeführt werden."


Sparkurs trägt schon erste Früchte


Sparen ist seit Jahren für die Marktgemeinde angesagt. Und einige bescheidene Erfolge sind auch schon zu verzeichnen. 325 000 Euro pro Jahr hat laut Kämmerer Christian Kropfelder der Spareifer bislang hervorgebracht. Doch nun hat Hirschaid einige Aufgaben zu stemmen, die einen Kraftakt bedeuten: Der Haushalt 2015 ist nur mit einer Kreditaufnahme von 4,7 Millionen Euro auszugleichen. Um diese Neuverschuldung von der Rechtsaufsicht genehmigt zu bekommen, musste der Marktgemeinderat die Realsteuer-Hebesätze erhöhen. Nach langer Diskussion entschied sich der Rat mehrheitlich für die Steigerung bei der Grundsteuer A und B sowie bei der Gewerbesteuer von 320 auf 360 Prozent. Das Landratsamt hatte dem Markt Hirschaid 370 Prozent nahegelegt.

Auf dieser Basis würde Hirschaid im laufenden Haushaltsjahr 491 500 Euro mehr einnehmen, rechnete der Kämmerer vor. Angesichts der Investitionen (siehe Bericht links) ist die Erhöhung des Gewerbesteuer-Hebesatzes höchst willkommen, gab er zu verstehen. Andererseits schloss der Kämmerer nicht aus, dass die Steuererhöhung "zu einer negativen Beurteilung des Standortes Hirschaid führen könnte".

Um die letzten zehn Prozent auf 370 Punkte wurde heftig gerungen. SPD-Sprecher Josef Haas wähnte sich "an einem der schwärzesten Tage" Hirschaids, weil nun die Hilfs- und Machtlosigkeit des Gremiums deutlich werde. Um die im Landkreis "einmalige und einzigartige Infrastruktur" nicht zu gefährden, müsse der Markt die Realsteuern auf 370 Punkte anheben.

Das Feilschen um eine moderate Lösung eröffnete Dritter Bürgermeister Hans Wichert (WG Sassanfahrt-Köttmannsdorf-Rothensand). Mit seinem Vorschlag, die Gewerbesteuer in zwei Schritten anzuheben, drang er jedoch nicht durch. Peter Dresel (CSU) grollte in Richtung München und Berlin, wo "etwas falsch läuft".


Nachbarn gegen Bebauung


Die Nachricht von Bürgermeister Homann, dass das Landratsamt auch mit 360 Prozent zufrieden wäre, griff Kurt Barthelmes (WG Regnitzau) auf. Dieser Wert lasse sich gegenüber den Firmen noch vertreten. Bei der Grundsteuer schlug Barthelmes vor, nicht über den Kreisdurchschnitt hinauszugehen, "wenn man auf der anderen Seite Geld liegen lässt". Damit verwies er auf das als Bauerwartungsland erworbene ehemalige Vogt-Gelände in Friesen, das nicht verwertet werde, weil einige Nachbarn gegen eine Bebauung seien.

Udo Wüst (Freie Wähler) erwartet eine absolute Haushaltsdisziplin. Ortsteilegoismen oder Klientelpolitik könne sich Hirschaid nicht mehr leisten.

Zweite Bürgermeisterin Elke Eberl (CSU) rief dazu auf, sich auf die Pflichtaufgaben zu konzentrieren und die freiwilligen Leistungen zurückzufahren.