Was ist, wenn die zu klein gewordene Winterjacke noch eine weitere Saison getragen werden muss? Oder, wenn das Kind sich nicht traut, Freunde nach Hause einzuladen, weil der Platz zu beengt oder kein Geld da ist für einen weiteren Esser am Tisch? Es sind Fragen, die Gisela Filkorn, Familienbeauftragte der Stadt Bamberg, in den Raum wirft - einen Raum, der Familien unterstützen soll, die sie in ihren Beispielen genannt hat. Und zwar mit Schulsachen. Denn auch Bernhard Ziegler, Schulleiter der Trimbergschule, bestätigt: "Bei vielen unserer Grundschüler fehlen die Schulmaterialien." Schon lange gehe es nicht mehr nur um Markenkleidung. Dabei sei gerade Bildung ein Schwerpunkt, den es finanziell und ideell zu fördern gelte, wie Hans-Joachim Thiel vom Rotary Club Bamberg Domreiter sagt. "Unsere Gesellschaft hängt vom Bildungsstand ab", merkt Thiel an. Er ist einer der sieben Ehrenamtlichen, die in dem kleinen Laden am Babenbergerring 71 umsonst arbeiten.

Jeden ersten Montag im Monat ist der "Grünstift" geöffnet. Es soll ein Geschäft für Familien sein, die auf besonders günstige Einakaufmöglichkeiten angewiesen sind - gerade, was das Schulmaterial angeht. "Bei Kindern gehört kein Rotstift angesetzt, sondern ein Grünstift, der gut schreibt", sagt Peter Ehmann, Geschäftsführer der Caritas in Bamberg.

Gemeinsam mit dem Diakonischen Werk Bamberg-Forchheim wurde deswegen der "Grünstift" nun auch in Bamberg ins Leben gerufen. In Forchheim existiert das Projekt bereits seit sieben Jahren. "Es ist schön, dass wir ökumenisch unterwegs sind", merkt Norbert Kern aus dem Vorstand des Diakonischen Werkes an.

Doch wie funktioniert der Laden? Luise Löchner, Caritas-Sozialarbeiterin, erklärt: Am Anfang steht eine Einkommensprüfung. Wer zum Beispiel Hartz IV bezieht, bekommt eine Einkaufskarte. Diese können auch Familien mit geringen Einkommen beantragen, die bis zu 20 Prozent über dem Hartz-IV-Niveau liegen - das Kriterium der kirchlichen Wohlfahrtsverbände. Mit der Einkaufskarte sind die Schulsachen für 25 Prozent des normalen Listenpreises zu haben. Ein Füllfederhalter kostet dann beispielsweise nur noch 4 Euro anstatt 16. Luise Löchner betont: "Ohne Sponsoren und Ehrenamtliche wäre das alles nicht möglich."

Ob das der Schreiner ist, der die Regale kostenlos aufgebaut hat oder die Josephstiftung, die für ihre Räume keine Miete verlangt. Hinzu kommen weitere Sach- und Geldspenden verschiedener Oransiationen und Verbände. Nach wie vor bitten die Caritas und Diakonie um eine Geldspritze für das Projekt, damit es sich längerfristig trägt (Konto: Caritasverband für die Stadt Bamberg e.V., "Grünstift", IBAN: DE77 7705 0000 0302 8110 54).

Die Betreiber rechnen mit bis zu 450 Menschen, die sich mit Schulmaterial eindecken werden. Peter Ehmann von der Caritas rechnet vor: In Stadt und Landkreis Bamberg würden derzeit 1510 schulpflichte Kinder aus Familien leben, die auf Sozialleistungen angewiesen sind. Hinzu kämen Kinder aus ähnlich einkommensschwachen Haushalten, etwa aufgrund geringer Nettolöhne. Ehmann geht von noch einmal 50 Prozent aus. "Das bedeutet, dass zirka 2200 Schulkinder von Armut betroffen sind."

Eine Beobachtung, die Bernhard Ziegler, Rektor der Trimbergschule an einem Beispiel anschaulich macht: "Bei uns gibt es ein kostenloses Frühstück. 28 Kinder sind regelmäßig da." Zwar gibt es laut Luise Löchner aus dem sogenannten Bildungs- und Teilhabepaket pro Jahr 100 Euro für Schulmaterialien. "Doch das ist viel zu wenig und für Eltern schwer zu stemmen." Peter Ehmann zitiert aus einer Erhebung des Kinderschutzbundes Schleswig-Holstein, wonach 336 Euro pro Jahr und Kind für den Schulbesuch anfielen - noch ohne Klassenfahrten Ausflüge und Erstausstattung. Apropos: Der "Grünstift" teilt sich die Verkaufsfläche mit einem Second-Hand-Laden. Dort können sich berechtigte Kinder zum Schulanfang zum Beispiel einen gebrauchten, aber gut erhaltenen Schulranzen aussuchen. Auch hier gilt: Nachschub an Sachspenden ist willkommen.