Die Schrecksekunde kommt für jeden Helfer, bis der erste Anblick verdaut ist. Egal, wie lange er schon im Dienst ist. Das sagt Reinhold Schumm, Kreisbrandinspektor im südlichen Landkreis Bamberg. Er ist seit 40 Jahren bei der Feuerwehr. "Gott sei Dank passiert ein Unfall wie dieser nicht öfter", sagt er.

Schumm war einer von 50 Einsatzkräften, die gestern an der Unfallstelle auf der B505 vor Ort waren. Vier Feuerwehren waren angerückt, mit Aktiven aus Sassanfahrt, Hirschaid, Röbersdorf und Erlach. Was sie erwartet hat: Zwei Lastwagen, deren Fahrerkabinen völlig eingedrückt waren. Für die beiden Männer hinterm Steuer, ein 46-Jähriger aus dem Landkreis Bamberg und ein 27-Jähriger tschechischer Staatsangehörigkeit, kam jede Hilfe zu spät.


Technische Geräte notwendig

"Im ersten Moment können wir von der Feuerwehr wenig machen", sagt Schumm. "Der Notarzt hat den Tod der beiden festgestellt, dann mussten wir warten, bis Polizei und Staatsanwaltschaft die Freigabe erteilt haben."
Mit Rettungsschere, Druckzylinder und Rettungsspreizer arbeiteten sich die Feuerwehrleute vor. Mit Hilfe der Seilwinde am Rüstwagen wurden die Lkw zur Bergung der Fahrer auseinander gezogen.

Wie es überhaupt zu dem schweren Unfall kam, ist noch unklar. "Ein Gutachter wird sich die Fahrzeuge im Laufe der Woche genau anschauen", sagt Paul Freudensprung, Dienststellenleiter der Verkehrspolizeiinspektion Bamberg. Sein Kollege Rainer Kraus, Polizeihauptkommissar bei der Verkehrspolizeiinspektion, erklärt: "Es sieht so aus, als sei der Lkw des tschechischen Fahrers, der in Richtung Bamberg unterwegs war, nach links von der Fahrbahn abgekommen." Vermutlich stießen die beiden Fahrzeuge dann frontal zusammen.

Gegen 5.15 Uhr war die Polizei alarmiert worden. "Der Unfall ereignete sich ziemlich in der Mitte zwischen Pettstadt und Hirschaid", sagte Alexander Rothenbücher, Sprecher des Polizeipräsidiums Oberfranken.


Straße den ganzen Tag gesperrt

Die B505 blieb zwischen der Auffahrt Bamberg-Süd und Hirschaid bis zum Abend gesperrt, da beide Lastwagen eine große Menge Diesel verloren hatten. "Die Straße war im Randbereich stark verschmutzt und musste ausgebaggert werden", erläuterte Paul Freudensprung. Wasserwirtschaftsamt und Straßenmeisterei waren vor Ort, bis eine Spezial-Reinigungsfirma die Straßen wieder befahrbar gemacht hatte.

Die Helfer von Rettungsdienst und Feuerwehr konnten die Unfallstelle bereits vorher verlassen. Wie verarbeitet man das Gesehene? "Wir setzen uns im Feuerwehr-Gerätehaus zusammen und reden darüber", sagt Kreisbrandinspektor Reinhold Schumm. "Es gibt auch die Möglichkeit eines Einsatznachsorgegespräches, das wird gut angenommen."

Die Helfer können mit speziell geschulten Feuerwehrleuten, Pfarrern und Psychologen darüber reden, was sie erlebt haben. Das bringe laut Schumm gerade den jüngeren Einsatzkräften viel. "Auch auf der B505 waren wieder junge Kollegen dabei, die lernen müssen, das zu verarbeiten."

Die Gemeinschaft unter den Helfern sei wichtig. Auch nach dem Einsatz gilt, was im Einsatz gilt: "Man kann nur gemeinsam etwas erreichen."